So könnte das Line-Up der Eisbären zum Saisonbeginn aussehen

Die Eisbären Berlin befinden sich mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. In dieser Woche begann das Trainerteam um Headcoach Serge Aubin mit dem Einstudieren des Systems, welches der neue Trainer in der Sommerpause für sein Team entwickelt hat. Fünfeinhalb Wochen sind es noch bis zum Saisonstart in der Deutschen Eishockey Liga gegen die Grizzlys Wolfsburg. Bis dahin stehen noch Testspiele und ein Trainingslager an. Es wird in den kommenden Wochen also noch viel Rotation im Kader der Eisbären stattfinden, dennoch haben Hannes und Tom mal einen Blick auf mögliche Reihenkombinationen in der Verteidigung (Tom) und im Sturm (Hannes) geworfen und ihre Gedanken dazu zusammengetragen.

Defensive

(Tom) Die Verteidigung ist mit acht Spielern recht dünn besetzt. Das mag im Hinblick auf die Saison riskant sein, unser kleines Gedankenexperiment macht dieser Umstand für mich allerdings etwas leichter.

Ich sehe Verteidigerpaare weniger aufgeteilt in “erstes, zweites und drittes Paar”. Für mich sind es eher die Rollen der einzelnen Duos und wie diese im Spiel eingesetzt werden. Zugegeben in der Deutschen Eishockey Liga werden Verteidiger häufig noch klassisch rotiert, wobei einige Teams hier aber auch schon den moderneren Weg gehen und stärker auf Rollenverteilung setzen. Ich habe in meiner Betrachtung drei Kategorien: Puckmwoving, Shutddown und Allround. Ich erkläre es am besten an den Reihen und wie ich sie zusammengestellt habe.

Jonas Müller / Ryan McKiernan

Dies ist mein Puckmoving-Paar. Beide Spieler können die Scheibe aus dem eigenen Drittel bewegen. Spielen auch unter Druck einen guten ersten Pass oder bringen die Scheibe selbst kontrolliert aus dem eigenen, in das Angriffsdrittel. Für mich die beste Option bei fünf gegen fünf, wenn es darum geht als kompletter Verbund Druck auf den Gegner auszuüben. McKiernan als erste Option im Aufbau. Müller als Absicherung, der wie kaum ein anderer Spieler die Scheibe mit Puckkontrolle durch das neutrale Drittel bringen kann.

Florian Kettemer / John Ramage

Mein Allround-Duo zeichnet sich dadurch aus, dass beide offensiv für Akzente sorgen können und auch defensiv solide spielen. Im Vergleich zum Puckmoving Duo Müller / McKiernan aber etwas stärker in der eigenen Zone. Kettemer hat vor allem zu Beginn der vergangenen Saison gezeigt, dass er ein hervorragender Schlittschuhläufer ist, der den Puck durch die neutrale Zone tragen kann. Hat im Verlauf der Saison aber auch Schwächen im Aufbau gezeigt. Ramage kann mit seiner Physis in der Defensive für Akzente sorgen, die dem erstgenannten Paar abgehen.

Frank Hördler (Constantin Braun) / Kai Wissmann

Das Shutdown Paar wird in der Theorie in erster Linie dazu eingesetzt, das gegnerische Team daran zu hindern, dass Tor zu schießen. Ob als erste Option in Unterzahl, gegen die gegnerische Topreihe oder bei einem Bully im eigenen Drittel. Hördler mit seiner Härte vor dem Tor ist wie gemacht für dieses Spiel. Wissmann hat das läuferische Vermögen, um Zweikämpfe in den Ecken zu gewinnen. Gleiches gilt für Braun, der zusätzlich besser mit seinem Schläger arbeitet als Hördler und Wissmann.

Disclaimer: In den ersten Einheiten der zweiten Trainingswoche zeichnete sich ab, dass wohl Kettemer und Wissmann zunächst gemeinsam ein Paar bilden werden. Braun und Ramage bildeten ein Duo und Hördler stand als siebter Verteidiger auf dem Eis. Neben ihm absolvierte dabei Eric Mik als achter Verteidiger die Übungen.

Offensive

(Hannes) Der Sturm der Eisbären ist für die kommende Saison mit unterschiedlichsten Spielertypen besetzt. Ich werfe einmal einen Blick darauf, wie diese Spielertypen in den Sturmreihen eingesetzt werden könnten, welche Aufgaben sie dort übernehmen und welchen Spielstil die einzelnen Reihen mitbringen könnten.

1. Reihe: Leo Pföderl – James Sheppard – Sean Backman

Als Center der ersten Reihe scheint James Sheppard gesetzt. Der 31-jährige geht in seine dritte DEL Saison und konnte seine Produktivität in der letzten Hauptrunde von 0,63 auf 0,75 Punkte/Spiel steigern. Sheppard bekam bereits in der vergangenen Saison mit 18:34 Min/Spiel die meiste durchschnittliche Eiszeit aller Center und wird vorwiegend bei 5-gegen-5 und in Überzahl eingesetzt, ist aber auch eine Option in Unterzahl.

An seiner Seite wird auf dem rechten Flügel vermutlich erneut Sean Backman in die Saison starten. Nach seiner grandiosen ersten Saison schwächelte er größtenteils in der vergangenen Saison, konnte mit sieben Punkten in acht Playoffspielen zuletzt aber doch wieder an seine alten Leistungen anknüpfen. Backman spielte in der vergangenen Saison in 39 Spielen neben James Sheppard. Sein Platz in der ersten Reihe könnte allerdings wackeln, wenn er zu Beginn der Saison wieder Probleme hat.

Auf dem linken Flügel wird Leo Pföderl wahrscheinlich den Platz von Jamie MacQueen einnehmen. MacQueen war der einzige Eisbär, der in der vergangenen Saison mehr als 20 Tore in der Hauptrunde erzielte. Pföderl hat diese Marke bereits zwei Mal in seiner Karriere erreicht, zwei weitere Male verpasste er sie mit 17 bzw. 18 Treffern nur knapp.

Die Rollen in der ersten Reihe wären damit klar definiert. Sheppard bringt eine körperliche Komponente ins Spiel, hat aber auch spielmacherische Fähigkeiten. Backman kommt meist über die Geschwindigkeit und sucht schnell den Abschluss während Pföderl der klassische Vollstrecker ist. Alle drei Spieler werden wohl auch größere Rollen im Powerplay einnehmen.

2. Reihe: Marcel Noebels – Louis-Marc Aubry – Austin Ortega

Die zweite Reihe bestünde im Kern aus dem bereits in der vergangenen Saison erfolgreichen Duo Noebels/Aubry. Die beiden standen in der letzten Saison in 35 Partien gemeinsam auf dem Eis und bildeten häufig auch ein Paar in Unterzahl, pro Spiel bekamen sie mit ca. 3 Minuten Eiszeit die meisten Einsätze aller Spieler in Unterzahl. Trotz der hauptsächlich defensiven Aufgaben der beiden konnten sie häufig offensiv Akzente setzen. Beide spielten die bis dato punktbeste Profisaison ihrer Karriere.

An ihre Seite könnte sich Austin Ortega gesellen. Bis auf die letzten beiden Playoffspiele gegen München spielte Ortega nach seiner Verpflichtung immer an der Seite von Aubry. Mit seiner Größe von 1,73m wäre er in der Reihe ein Kontrastpunkt zu den jeweils über 1,90m großen Noebels und Aubry, die ihm Räume schaffen und freiblocken könnten.

Die Reihe könnte, u.a. auch auf Grund der Bullystärke von Aubry, zu Bullys im eigenen Drittel gebracht werden. Alle drei Spieler spielen ein geradliniges Spiel, eine Stärke wird das Umschaltspiel nach Puckgewinn in der eigenen Zone sein – entweder mit dem Stretch Pass auf den schnellen Ortega oder im Rush nach einem kontrollierten Aufbau.

3. Reihe: André Rankel – Mark Olver – Maxim Lapierre

Die dritte Reihe wäre in dieser Konstellation eine klassische Checking Line. Mit Olver und Lapierre stünden zwei gelernte Center in der Formation, wobei ihr, wenn ihr Episode #20 des Hauptstadteishockey Podcasts gehört habt, wisst, dass Lapierre auch auf dem Flügel eingesetzt werden kann. Beide kommen über ein körperbetontes Spiel, können aber auch offensiv hier und da Akzente setzen.

An ihrer Seite wäre Platz für André Rankel, der ebenfalls ein körperbetontes Spiel spielen kann, allerdings eher Allrounderfertigkeiten in die Reihe bringt. Gerade sein Handgelenkschuss ist noch immer einer der besseren der DEL.

Die dritte Reihe würde vermutlich eher einfaches Eishockey anbieten. Die Scheibe tief bringen, Zweikämpfe gewinnen und bei Schüssen von außen dem gegnerischen Torhüter die Sicht nehmen oder Scheiben abfälschen. Das größte Manko wäre die fehlende Geschwindigkeit.

4. Reihe: Vincent Hessler/Fabian Dietz – Charlie Jahnke – Florian Busch

Nachdem zu Ende der letzten Saison ein dickes Fragezeichen hinter Florian Busch stand, kann inzwischen fest mit ihm geplant werden. Zwar konnte er krankheitsbedingt nicht an der gestrigen Trainingseinheit teilnehmen, trainierte aber den kompletten Sommer über und scheint seine Kopfverletzung auskuriert zu haben. Charlie Jahnke sollte von den Youngsters die beste Aussicht auf Eiszeit im DEL Team haben, Vincent Hessler und Fabian Dietz kämpfen um den letzten Platz auf dem Flügel – Voraussetzung dafür ist, dass von den Tryout Spielern weder PC Labrie noch Sébastien Sylvestre verpflichtet werden. Andernfalls sind Jahnke, Hessler und Dietz aber auch für Weißwasser einsatzberechtigt.

Zur vierten Reihe bleibt eigentlich nur zu sagen, dass sie mehr Eiszeit bekommen sollte als in der vergangenen Saison. Zudem sollten die Spieler auch ihre Stärken einbringen dürfen, Jahnke hat in der DEL2 und in Zügen auch in der letzten DEL Saison bewiesen, dass er eine gute Übersicht hat und seine Mitspieler in Szene setzen kann. Außerdem hatte er die siebtbeste Bullyquote der kompletten DEL (Spieler mit > 100 gespielten Bullys). Fabian Dietz konnte in seiner ersten DEL2 Saison bereits 12 Tore erzielen. Hessler muss diese Saison zeigen, dass er in der Lage ist, auf DEL Niveau zu spielen.

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