“Sicher wäre es schön, an einem Ort mal länger zu bleiben.” – Kevin Poulin im Interview mit dem Eis-Dynamo

Kevin Poulin ist momentan der beliebteste Spieler bei den Eisbären-Fans. Dreimal hintereinander ist er zum Eisbär des Monats gewählt worden. Sicher gibt es auch keine ernst zu nehmende Konkurrenz in Bezug auf diese Wahl, aber auch uns beeindruckt der kanadische Torhüter ein ums andere Mal mit seinen Paraden.

Christian und Tom von Hauptstadteishockey und Sanne wussten auch sofort, wo sie sich mit dem sympathischen Torhüter treffen wollten. Da er nämlich in einem Fantalk seine Liebe zu Poutine (Pommes mit Bratensauce und speziellen Käsewürfeln) erwähnt hatte, stand für uns fest, dass die Poutine Kitchen in der Arminiusmarkthalle genau der richtige Ort war. Zwei Tage nach dem ersten Auswärtsspiel in Wolfsburg hatten wir unsere Verabredung. Nach einem knapp einstündigen Interview widmeten wir uns dann gemeinsam dieser seltsamen kanadischen Spezialität. Was er dazu zu sagen hat, könnt ihr auf der Facebook-Seite vom Eis-Dynamo sehen. Aber nun erstmal viel Spaß mit Kevin Poulin.

Eis-Dynamo (ED): Du bist in Montréal geboren?

Kevin Poulin (KP): Geboren und aufgewachsen, ja.

ED: Da du Kanadier bist, brauchen wir dich ja nicht zu fragen, wieso du Eishockeyspieler geworden bist.

KP: Nein, das ist wahr. (lacht) ich war ziemlich jung, als ich angefangen habe, Schlittschuh zu laufen. Mein Vater hat im Winter immer im Garten eine Eisfläche gebaut. Da drauf habe ich Schlittschuh laufen gelernt. In den Verein bin ich mit vier oder fünf gegangen. Zunächst als Stürmer.

ED: Und wann hast du entschieden, auf die Torhüter-Position zu wechseln?

KP: Der Wechsel kam, als ich so zehn war. Was ziemlich spät ist. Davor hatte ich als Verteidiger gespielt und, wenn wir im Garten gespielt haben, war ich schon immer der Torhüter. Es war meine Leidenschaft, als Torhüter zu spielen. Zumal zu der Zeit Dominik Hašek mein großes Idol war. Diese verrückten Saves, die er hingelegt hat, und die Arbeit mit dem Schläger und den Schonern, das hat mich sehr beeindruckt.

ED: Wir hätten vermutet, dass Patrick Roy dein Vorbild war.

KP: Schon, auch. Aber das kam erst später, als ich es schon deutlich ernster meinte und bereits als Torhüter gespielt habe. Aber Hašek ist dafür verantwortlich, dass ich Goalie werden wollte. Er war einfach spektakulär.

ED: Bleiben wir doch noch beim Thema Torhüter. Ein bisschen muss man doch schon einen an der Klatsche haben, oder?

KP: (lacht los) Das behaupten ständig alle. Gut, wenn man sich die Position anschaut: wieso sollte man das tun wollen? Sich mit einer kleinen Hartgummischeibe beschießen lassen! Und die ist wirklich hart! Man hat ständig irgendwelche blaue Flecken. Trotzdem denke ich, dass ich eigentlich ziemlich normal bin. Hoffe ich zumindest. (lacht)

ED: Unser Kollege Matthäus hatte vorgeschlagen, dass wir dich an der Marzahner Mühle treffen sollen. Denn das, was du im Tor veranstaltest, erinnert ihn immer an eine Windmühle.

KP: (lacht schon während des Satzes) Es gibt ja auch einen Save, der Windmühle genannt wird.

ED: Ah … okay. Jedenfalls gibst du nie einen Puck verloren. Wie würdest du das selber beschreiben, was du da zwischen den Pfosten treibst?

KP: Wenn ich mich selber analysieren müsste … (überlegt) Ich habe meinen Stil schon verbessert. Am Anfang habe ich schon eher versucht, Hašek zu imitieren, und daher kommt auch dieses niemals einen Puck aufgeben. Im Laufe der Jahre kam dann immer mehr Technik dazu. Mittlerweile denke ich, dass ich eine ganz gute Mischung von beidem habe.

ED: Ganz grob gesprochen gibt es ja zwei Arten von Torhütern. Die ruhigen, gefassten und die temperamentvollen, die auch mal die Nerven verlieren. Zu welchen gehörst du deiner Meinung nach? Zu sehen bekommen wir eigentlich beide Seiten.

KP: Ja, das stimmt schon. Ich habe beides. Manchmal sind Emotionen einfach nötig, sie können einen ja auch pushen. Und es ist nun mal ein emotionales Spiel. Aber natürlich muss man auch ruhig und fokussiert bleiben, um den Job vernünftig zu machen.

ED: Wir haben bei YouTube einen Torhüterkampf von dir gefunden. Gab es noch mehr, die nicht gefilmt wurden?

KP: Ja, bei den Junioren hatte ich schon mal einen. Da wurde noch nicht gefilmt.

ED: Hast du den ersten gewonnen? (Den zweiten hat er nämlich sehr deutlich verloren)

KP: Gleichstand würde ich sagen. Ich war 16, der andere 19, aber wir waren gleich groß. Ehrlich gesagt ist das gar nicht so spaßig, wie es aussieht. Wenn man das nicht gewöhnt ist, ist ein Kampf in dieser Montur ganz schön anstrengend.

ED: Reden wir über die Sachen, die du alle getrieben hast, bevor du nach Berlin gekommen bist. Du bist 2008 von den Islanders gedarftet worden und hast in der Saison 2010/11 angefangen, für sie zu spielen. Bei deinem dritten oder vierten Spiel kam es zu einer seltsamen Begebenheit, die Wally auf Twitter gefunden hat. Du warst der vierte Nummer Eins Torhüter in vier Spielen. Was war da los?

KP: In dem Jahr haben die Islanders sechs Goalies verschlissen. Ich kann mich nicht  genau an die Reihenfolge erinnern, aber auf jeden Fall waren Dwayne Roloson und Rick DiPietro  dabei. Roloson wurde getraded und DiPietro hatte sich verletzt, also kam ich ins Spiel.

ED: Kurz darauf hast du dich dann verletzt und zwar am Knie. Wie schwer war die Verletzung?

KP: Ich habe den Rest der Saison verpasst und auch einen Teil der Vorbereitung, fünf Monate insgesamt. Aber dann konnte ich mich ganz normal vorbereiten.

ED: 2015/16 wurdest du nach Tampa getraded, die haben dich allerdings gleich weiter nach Calgary geschickt, wo du in der Saison nur für das AHL-Team gespielt hast.

KP: Ich stand auf der Waiverliste, der Torhüter von Tampa hatte sich verletzt und fiel einen Monat aus. Also haben sie mich geholt. Als er zurück kam, war ich zwei oder drei Wochen in ihrem AHL-Team, dann haben sich mich nach Calgary getraded.

ED: Das war deine letzte Station in Nordamerika. Warum?

KP: Zu oft umgezogen. (lacht) Gerade mit Familie hat mir diese Umzugs-Arie gar nicht gefallen. Das Rauf und Runter in den Ligen und immer der dritte Torhüter zu sein hat mich auch genervt. Ich wollte spielen.

ED: Dein Weg hat dich dann nach Europa geführt. Erst in die KHL nach Astana und Zagreb, dann in die Schweiz nach Kloten. Aber sehr lang waren deine Aufenthalte da auch nicht.

KP: Bei Astana war ich die ganze Saison. Und Zagreb war für mich nur eine Zwischenlösung. Ich habe auf einen besseres Angebot gewartet, das ich dann in Kloten bekam. Aber es war okay in Zagreb.

ED: Wie groß war der Kulturschock, als du nach Russland gekommen bist?

KP: (lacht) So schlimm war es gar nicht, da es viele Import-Spieler gab. Da Astana ja ein kasachisches Team ist, darf es so viele Ausländer einsetzen, wie es will. Als ich da hin kam waren wir 11 Ausländer im Team, alle mit Familie. Insofern war das sehr einfach, sich da einzugewöhnen. Ein Problem war natürlich die Sprache und die Auswärtstouren. Man ist da an Orte gekommen, wo man sich fragt, wo man denn jetzt gelandet ist. (lacht) Aber ich fand die Zeit toll, auch wenn es verdammt kalt war. Teilweise um Minus dreißig, vierzig Grad.

ED: Aber du bist doch Kanadier.

KP: Oh, es kommt sehr darauf an, wo man herkommt. Für jemanden aus Montréal ist das verdammt kalt, für jemanden aus Winnipeg ist das normal. (lacht)

ED: Schuldet dir Zagreb eigentlich noch Geld?

KP: Nope. Sie haben alles bezahlt.

ED: Dann hast du Glück gehabt. (Gelächter). Jetzt bist du in Berlin, was sehr schön ist. Wie wichtig wäre es dir, länger an einem Ort zu bleiben. Vor allem wegen der Familie und den Kindern?

KP: Natürlich diskutieren wir das. Ein Jahr hier, eins da. Sicher wäre es schön, an einem Ort mal länger zu bleiben. Den auch besser kennen zu lernen und im Großen und Ganzen mit den gleichen Teamkameraden zusammen zu bleiben. Wir fänden es schon toll, länger als nur ein Jahr in Berlin zu bleiben. Wir werden sehen.

ED: Gibt es denn Gespräche mit dem Verein?

KP: Ja, gab es schon. Aber momentan ist das nicht die Priorität. Wir fokussieren uns auf die Spiele und die sportliche Situation.

ED: Es ging sehr schnell, dass du in Berlin zum Publikumsliebling avanciert bist. Nicht aufgrund irgendwelcher Sprüche, sondern durch deine Leistung und dein Verhalten den Fans gegenüber. Motiviert dich das?

KP: Ja, natürlich. Vor allem bei Heimspielen. Der Bereich hinter dem Tor ist grandios. So habe ich das noch nicht erlebt. Es ist toll, immer Unterstützung zu haben. Ob es gut läuft oder schlecht, die Fans sind da und stehen hinter uns.

ED: Hast du Ambitionen, zurück in die NHL zu gehen?

KP: Nein … das ist vorbei. Das tue ich mir nicht nochmal an.

ED: Wenn du zurück könntest: und die das Team aussuchen könntest. Welches wäre es?

KP: Vermutlich Montréal, einfach weil ich da her komme. Als Kind träumt man natürlich immer davon, für die eigene Stadt zu spielen. Montréal ist allerdings ein hartes Pflaster. Vor allem, wenn man etwas jünger ist und aus der Gegend kommt. Der Druck und die Erwartungshaltung sind enorm.

Tom und Sanne kamen an der Stelle überein, dass wir Kevin nicht erzählen sollten, dass wir Toronto Maple Leafs Fans sind. Was Kevin natürlich prompt mit den Augen rollen ließ.

ED: Du warst bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, da die NHL ihre Spieler nicht freigegeben hat. Glück für dich. Abgesehen davon, dass das natürlich deine Chance war. Was hältst du davon, wenn die NHL-Spieler nicht abgestellt werden?

KP: Ich finde es eigentlich besser, weil die Länder enger aneinander rücken. Sonst geht es immer um Kanada oder Russland. Deutschland zum Beispiel fehlten drei oder vier Leute dadurch? Aus den kanadischen NHL-Spielern könnte man drei oder vier Teams machen. Insofern war das interessant. Schweden war nicht in der Top vier, Finnland auch nicht. Normalerweise sind die immer dabei. Aber es war wirklich toll. Klar kennt man Leute, die dabei waren und einem immer erzählen, wie cool das ist. Und es ist toll, dass ich es selber mal erleben konnte.

ED: Hast du dir andere Wettbewerbe angesehen?

KP: Wir waren bei den Damen beim Spiel gegen Schweden und beim Finale. Für mehr hatten wir keine Zeit. Der Zeitplan ist extrem eng beim olympischen Eishockey-Turnier.

ED: Beim Spiel gegen Deutschland hast du im Tor gestanden. Die deutschen Eishockeyfans hatten nach dem Spiel definitiv keine Nerven mehr. Und der Hype in der deutschen Presse und beim Publikum ging durch die Decke. Wie war das Spiel aus deiner Sicht?

KP: Um ehrlich zu sein… nach dem Spiel habe ich es verdrängt. (grinst) Natürlich waren sie die Außenseiter, aber sie haben uns im ersten Drittel einfach sehr überrascht. Wir haben uns im zweiten Drittel dann mehr rein gehängt, haben aber sehr viele Strafen kassiert und waren andauernd in Unterzahl. Was auch zu Treffern geführt hat. Wir haben dann im dritten Drittel versucht, auf die kanadische Art zu spielen. Aber irgendwann fehlte uns die Zeit.

ED: Haben dich unsere Medaillengewinner mal aufgezogen, seit du hier bist?

KP: Nein, wir haben da nicht drüber gesprochen. Blöde Sprüche kommen auch eher von denen, die nicht dabei waren. (grinst)

ED: Hast du die kanadische Presse verfolgt?

KP: Nein, nicht wirklich.

ED: Sicher auch besser so. War nicht gerade freundlich.

KP: Ja, sicher. Das sind die Medien in Kanada, wenn es um Eishockey geht.

ED: Sicherlich vergleichbar mit dem, was hier abgegangen ist, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ausgeschieden ist.

KP: Na, das war ja auch noch deutlich schlimmer. Ich meine das nicht als Entschuldigung, aber im Hockey reden wir von einem K.o.-Spiel, nicht von einer Serie. Bei einem K.o.-Spiel weiß man nie, was passiert. Aber trotzdem: die Medien in Kanada sind da wirklich rücksichtslos. Vor allem den jungen Spielern gegenüber. Jeder, der Hockey spielt, will sein Bestes geben und steht nicht nur auf dem Eis, um einfach da zu sein.

ED: Reden wir mal über deinen Helm. Du hast die Worte „Ich bin ein Berliner“ auf der Maske stehen. Ein Satz, der für Berlin natürlich eine sehr große Bedeutung hat. Wie kam es dazu?

KP: Ich fand es einfach cool. Es verbindet Berlin mit JFK. Ich kam später in der Saison, kannte niemanden, abgesehen von Backman, weil wir mal zusammen gespielt haben. Aber der Satz vereinigt hier irgendwie alles miteinander, fand ich. Zum einen ist es eine Geste gegenüber den Fans, aber ich habe auch vorher so viel über Berlin gehört, da passte der Satz einfach. Wie ich schon sagte, ich würde mit meiner Familie gerne hier bleiben.

ED: War die Gestaltung der Maske deine Idee? Oder die des Designers.

KP: Wir haben sie gemeinsam entwickelt. Ich wollte auf jeden Fall den Bären drauf haben, und den Satz und dann hat er Vorschläge gemacht.

ED: Wusstest du, dass Marvin Cüpper beim gleichen Designer ist?

KP: Das habe ich dann erfahren. Er macht ja die Masken für einige Leute. Petri Vehanen hatte ja das Logo drauf und daher wollte ich was anderes haben.

ED: Machst du dir jedes Mal Gedanken, wenn du woanders hin gehst?

KP: Früher habe ich die Designer einfach machen lassen, aber mittlerweile habe ich meine eigenen Ideen und mische mich da ein.

ED: Hast du noch alle Masken?

KP: Ja, bisher konnte ich alle behalten. Ich habe gehört, dass es Teams gibt, die sie einbehalten. Aber ich habe alle.

ED: Wenn man dir und vor allem deiner Frau auf Instagram folgt, bekommt man den Eindruck, dass ihr insgesamt an Geschichte, aber vor allem auch an der Berliner Geschichte interessiert seid. Vor allem als ihre Eltern da waren, gab es jede Menge Storys von Museumsbesuchen.

KP: Absolut. Wenn man an Berlin denkt, denkt man automatisch an die Geschichte dieser Stadt. Da gibt es so viel zu entdecken. Mein Schwiegervater ist sehr an Geschichte interessiert. Entsprechend viel haben sie sich angesehen. Ich war dabei, wenn ich Zeit hatte. Aber sie waren wirklich viel unterwegs. Im Dezember ist der Spielplan halt immer sehr voll, deswegen konnte ich nicht immer mit.

ED: Deine Frau hat ja ganz offensichtlich auch ein Faible für die Zwanziger Jahre. Wie kommt es?

KP: Sie mag die Zeit einfach. Sie liebt die Filme „Burlesque“ und „A Night in Paris“, vor allem die Kleidung und die Frisuren.

ED: Wir würden euch ja jetzt gerne die Serie „Babylon“ empfehlen, die im Berlin der Zwanziger spielt. Aber leider gibt es die nur in Deutsch und das nicht mal mit englischen Untertiteln.

KP: Vielleicht können wir die uns in drei, vier Jahren anschauen, wenn wir Deutsch gelernt haben. (lacht)

ED: Deutsch ist nicht einfach.

KP: Ja, das glaube ich. Für mich war Russich einfacher als Deutsch.

ED: Ernsthaft?

KP: Ja, die Wörter sind kürzer. Die Aussprache ist einfacher. Für mich jedenfalls mit meinem Englisch und Französisch. Und diese endlos langen Wörter … da frage ich mich immer, wie zur Hölle man das aussprechen soll. (lacht)

ED: Wenn es nicht an die Arbeit gekoppelt wäre und du die freie Wahl hättest, wo würdest du leben wollen?

KP: (überlegt einen Moment) Ich denke, in Italien. Gutes Wetter, nicht ganz unwichtig. Strand, gutes Essen, vor allem Nudeln. Ich liebe Nudeln. Leckerer toskanischer Wein. Meine Frau und ich waren bisher zweimal da und haben uns beide Male total verliebt. Die Landschaft, das Essen und auch die Menschen. Sie sind so freundlich und so emotional.

ED: In Berlin spielst du mit der Rückennummer 40. Wir haben gehört, du wolltest eigentlich eine andere Nummer haben. Warum dann schließlich die 40?

KP: Es standen noch ein paar andere zur Diskussion, die waren aber alle vergeben. Ich habe dann schließlich die 40 genommen, weil die Geburtstage meiner beiden Söhne die 40 ergibt. Aber ich habe schon mit allen möglichen Nummern gespielt.

ED: Hast du eine Lieblingsnummer?

KP: Nein, eigentlich nicht. Ich nehme, was kommt.

ED: In dem Punkt bist du also nicht abergläubisch. Bist du es in anderen? Es heißt ja immer, Eishockeyspieler im Allgemeinen wären es und Goalies im Besonderen erst recht.

KP: Sehr abergläubisch bin ich eigentlich nicht. An Spieltagen … na ja, das ist mehr die Routine, die man durchläuft. Aber ich flippe nicht aus, wenn da mal was anders läuft. Das einzige, was mir eigentlich einfällt, ist, dass ich das Warm-up immer mit einem Handschuh-Save beende. Aber Aberglaube würde auch nur den Kopf blockieren. Ich möchte einen klaren Kopf behalten und mich auf das Spiel konzentrieren.

ED: Der Spielplan war in letzter Zeit ex­trem voll gepackt. Die meisten Spiele davon hast du im Tor gestanden. Klar, jeder Goalie möchte eigentlich immer spielen, aber hättest du dir gewünscht, dass Maxi Franzreb und du euch öfter mal abgewechselt hättet?

KP: (überlegt eine Weile) Ja, der Spielplan war wirklich extrem. Aber die Frage ist schwierig zu beantworten. Ich weiß nicht, was da richtig oder falsch wäre. Ich mache das, was von mir erwartet wird. Ich entscheide das ja auch nicht. Man sagt mir, dass ich spiele und dann versuche ich, mein Bestes zu geben.

ED: Bist du ein Torhüter, der es mag, viele Schüsse zu bekommen?

KP: Ja. Ich finde es einfacher, wenn ich dreißig, fünfunddreißig Schüsse bekomme statt zwanzig. Das hasse ich. Es ist langweilig und bringt mich aus dem Spiel.

ED: Du hast einige ganz nette Statistiken diese Saison. Besser, als in den letzten Jahren. Hast du was an deinem Spiel verändert oder liegt es an der Liga?

KP: Ja, ich habe ein paar Kleinigkeiten verändert. Aber es ist ja schön, gute Torhüter-Statistiken zu haben, aber die Team-Statisitik ist wesentlich wichtiger. Wenn ich auf meine Statistik gucke, denke ich darüber nach, wie wir als Team gespielt haben. Klar, ich mache die Saves, aber man braucht ja trotzdem die Unterstützung.

ED: Du hast aktuell die beste Statistik seit 2010. Als die Eisbären dich verpflichtet haben, hat man auf die Zahlen geguckt und gedacht: Okay, solide. Dann kommst du hierher und bist nach wenigen Spielen der beste Torhüter der DEL.

KP: Man kann die Statistiken nicht wirklich vergleichen. In der NHL hat man deutlich mehr Spiele. Und in den AHL-Teams habe ich sehr viele junge Teamkollegen gehabt, die noch am Lernen waren, kein wirklich fertiges Team. Ich habe in der KHL zum Beispiel auch nicht alle Spiele gespielt, stand aber bei einigen Spielen gegen Top-Teams im Tor. So was muss man ja auch berücksichtigen. Und Kloten … das war ein Kapitel für sich. Sie sind ja abgestiegen und waren zu dem Zeitpunkt einfach auch kein gutes Team mehr. Insofern ist es wirklich fast unmöglich, die Statistiken miteinander zu vergleichen.

ED: Wie sehr schätzt du die Arbeit mit Sebastian Elwing?

KP: Großartig. Es ist ja noch nicht so lange her, dass er selber noch im Tor stand. Insofern kennt er die aktuelle Art zu spielen. Das macht es einfacher, als mit jemandem, der vor zwanzig Jahren das letzte Mal selber gespielt hat. Er ist wirklich ein feiner Kerl, wir machen viel Videostudium, reden viel und arbeiten ständig an Kleinigkeiten. Jeder Torhüter hat seinen eigenen Stil und er probiert nicht, den zu ändern, sondern gibt Hinweise, wo was noch verbessert werden kann. Das ist Klasse.

ED: Und wie ist deine Beziehung zu den anderen beiden Torhüten?

KP: Marvin habe ich ja nicht wirklich oft zu Gesicht bekommen. Maxi ist ein toller junger Torhüter. Ich denke, dass er die Sache sehr ernst nimmt. Er will jeden Tag was lernen und arbeitet wirklich hart. Wir verstehen uns wirklich gut.

ED: Nochmal zu deinem Stil. Nach einem Save bist du ziemlich lange unten auf dem Eis. Gehört das dazu?

KP: (guckt überrascht) Bin ich das? Vielleicht will ich mich nur kurz ausruhen? (lacht)

ED: Redest du viel mit deinen Verteidigern, um ihnen zu sagen, wo sie wie stehen sollten?

KP: Das macht eigentlich eher der Trainer. Ich konzentriere mich vor allem auf mich selber. Klar, ab und zu gibt es Situationen, wo wir besprechen, wie wir was gerne hätten. Aber am Ende ist es ein Eishockeyspiel und da weiß man nie, was passiert.

ED: Wie du gemerkt hast, haben wir dich überhaupt nicht nach der aktuellen sportlichen Situation gefragt. Aber es gibt eine Situation, über die wir doch mit dir sprechen möchten. Im, wie wir im Nachhinein erfahren haben, letzten Spiel von Clemént Jodoin gegen Nürnberg hast du dich selber ausgewechselt.

KP: Nein, das stimmt nicht. Er hatte mich zwar noch nicht raus gewunken, aber ich habe gesehen, dass er mit Maxi geredet und dass der seine Maske aufgesetzt hat. Damit war klar, dass Clemént uns auswechseln wollte. Ich würde mich nie selber auswechseln.

ED: Ah, okay. Aber nichtsdestotrotzt. Du warst wirklich, wirklich angepisst, hast deinen Schläger zerdeppert und um die zwanzig Minuten nicht ein Wort mit deinen Teamkameraden gesprochen.

KP: Ich glaube, das war länger. (lacht)

ED: Ganz offensichtlich warst du stinksauer auf sie. Willst du uns erzählen, was da los war?

KP: Um ehrlich zu sein, kann ich mich zwar an meinen Abgang erinnern, aber nicht an das Spiel und die Tore. Aber es war eine ganze Kette von Dingen die passiert sind, warum ich so sauer war. Und dann ist es einfach passiert. Wenn ich rückblickend drauf schaue, frage ich mich natürlich, ob ich das wirklich hätte tun sollen. Aber ich kann es ja nicht mehr ändern. Manchmal passiert das einfach.

ED: Habt ihr anschließend in der Kabine noch darüber geredet.

KP: Das war nicht nötig. Ich musste mich einfach nur beruhigen.

ED: Ich glaube, es war Brendan Ranford, der es als erster gewagt hat, dich wieder anzusprechen.

KP: (lacht) Kann gut sein. Wir sind ziemlich gut befreundet. Ich weiß es nicht mehr. (lacht)

Dieses Interview erschien zuerst in der Ausgabe 170 des Eis-Dynamo.

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