Merci Maxim

Ich habe mich in den Spieler Maxim Lapierre 2011 verliebt. Damals schaffte er es mit den Vancouver Canucks in das Stanley Cup Finale. Dort verlor er in Spiel 7 gegen die Boston Bruins. Eine Niederlage, die ihn bis heute schmerzt. Lapierre war in einer Mannschaft, die mit Daniel und Henrik Sedin jeden Abend das Schöne am Eishockey zelebriert hat, das raue Gegenstück. Aber nicht als Fighter, Faustkämpfen im Hockey konnte ich schon damals nichts abgewinnen.
Nie zuvor hatte ich so nah einen Spieler gesehen, der durch sein Grinsen und ein paar Sprüche den Hass einer ganzen gegnerischen Mannschaft und deren Fanbase auf sich ziehen konnte. Und er hatte so viel Spaß dabei. Ein Blog der Vancouver Canucks kürte Maxim Lapierre im Sommer 2011 zum „Most Punchable Face“ der NHL. Es war ein Kompliment. Es passt zum Jahr 2020, dass wir Lapierre nie in den DEL Playoffs sehen durften.

Wenn Du auf dem Eis spürst, dass Dich jeder Gegenspieler hasst, Du aber gleichzeitig spürst, wie die Fans hinter Dir stehen. Das ist schon ziemlich unbezahlbar. Das ist wirklich sehr speziell.

Lapierre im ED-Interview über seine Art zu spielen

Nach 2011 verloren die Canucks nach und nach ihre Identität. Lapierre wechselte nach St.Louis und Pittsburgh, ehe er bei Modo (dem Jugendklub der Sedin Zwillinge) seine Karriere in Europa begann. Dreieinhalb Jahre Lugano und dann vermelden die Eisbären Berlin plötzlich, dass Maxim Lapierre nach Berlin wechselt.

Meine anfängliche Skepsis hielt nicht lang an. Spielwitz und Tempo hatte Lapierre noch immer. Sein Stil schien perfekt zur DEL zu passen. Und das Grinsen, es war noch immer da! Und dann war ja da noch was. Den Effekt, den Maxim Lapierre auf Lukas Reichel als Mentor im bislang wichtigsten Jahr von Reichels Karriere gehabt hat, kann man gar nicht hoch genug einstufen. Es gibt wenig, was Lapierre in seiner Karriere nicht erlebt hat. Bis hin zur Parallele, dass beide von ihrem Lieblingsteam gedraftet wurden.

Als ich Reichel nach dem Spiel gegen die Chicago Blackhawks in der Kabine der Eisbären Berlin interviewen durfte, saß Lapierre daneben und passte ganz genau auf, dass weder Reichel noch ich irgendwas Falsches sagen. Das Interview für den Eis-Dynamo war eins meiner größten Highlights der vergangen Saison. Dort haben wir gemerkt, dass sein Grinsen nicht nur reine Provokation. Dass er sich seiner Rolle in der späten Phase seiner Karriere mehr als bewusst ist und sie voller Stolz ausfüllt. Reichel war sein Projekt 2020, Hänelt hätte das Projekt 2021 werden können. Wir merkten aber auch, dass er die Niederlage 2011 nie ganz überwunden hat.

Eine einzigartige Karriere geht plötzlich zu Ende. Langweilig wird ihm sicher nicht, im verlängerten Sommer 2020 hat Lapierre einen Podcast gestartet und ein Bier auf den Markt gebracht.

Merci Maxim und alles Gute im Ruhestand.

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