Maximilian Franzreb – eine verpasste Chance

Dass Maximilian Franzreb in dieser Saison wahrscheinlich kein weiteres Spiel für die Eisbären Berlin spielen wird, war mit der Verpflichtung von Justin Pogge kurz vor dem Jahreswechsel absehbar. Dass Maximilian Franzreb die Eisbären Berlin wenige Tage nach der Verpflichtung eines neuen Goalies verlässt und nicht mehr zur Organisation gehört, ist überraschend. Es deckt allerdings ein strukturelles Problem der Eisbären Berlin auf.

Nach dreieinhalb Jahren ist die Zeit für Maximilian Franzreb bei den Eisbären Berlin beendet. In dieser Zeit haben es die Eisbären nicht geschafft, eine Perspektive für den 23-Jährigen zu schaffen. Seine Karriere schien zu stagnieren. In dieser Saison kam er nicht über zwei Starts hinaus. Insgesamt hatte er sieben Einsätze. Fünfmal ersetzte er Dahm im Verlauf eines Spiels. In der vergangenen Saison reichten zwei Spiele, um die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen. Kevin Poulin wurde nachverpflichtet, Franzreb kam insgesamt auf 13 Einsätze (10 Starts).

Das Vertrauen von Serge Aubin schien er nie gehabt zu haben. Schon sehr früh kamen Gerüchte auf, dass sich die Eisbären um einen neunen Torhüter bemühen wollen. Kritik zwar in die Richtung von Sebastian Dahm, da dieser die Masse an Spielen bestritt, seine DEL-Tauglichkeit durfte Franzreb in dieser Saison nicht unter Beweis stellen. Immer und immer wieder erhielt Dahm den Vorzug. Selbst in der Phase, als die Eisbären alle drei Tage Spiele zu bestreiten hatten, oder gegen schwächere Gegner wie Iserlohn oder Schwenningen ran mussten. Seine Starts in dieser Saison erhielt er gegen Mannheim am fünften Spieltag (1:4) und in Schwenningen am 25. Spieltag (4:5). Dieser Mangel an Spielpraxis zeigte sich deutlich bei seinem Fehler gegen die Schwenninger Wild Wings.

Nun ist also Justin Pogge da und Franzrebs Perspektive auf DEL Einsätze noch geringer. Da ist der Wechsel nach Bad Tölz, wo er sich nach eigener Aussage in der DEL2 durch viele Einsätze für die DEL empfehlen will, nur verständlich. Ein Goalie ist mit 23 noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt, wir aber ohne Spiele sein Potential nie voll ausschöpfen können.

Wo ist die Perspektive?

Der Abgang von Franzreb offenbart allerdings ein hausgemachtes Problem. In einem Jahr haben mit Maximilian Adam, Charlie Jahnke und nun Franzreb drei U23-Spieler die Eisbären verlassen. Alle drei mit Ansprüchen auf mehr Einsätze. Wir erinnern uns, Maxi Adam hatte bereits 100 DEL Spiele auf dem Buckel als er nach Wolfsburg wechselte, in Berlin hatte er sich nicht etablieren können. Jahnke wurde immer wieder in eine Rolle gepresst, die seinem Stil nicht passt. Er war und ist kein Grinder, er wäre nie einer geworden. Seit seinem Wechsel zur Düsseldorfer EG hat er drei Tore geschossen und vier Treffer vorbereitet und wirkt wie der Jahnke, den wir wenige Wochen unter Clement Jodoin sehen durften.

Alle drei hatten in Berlin keine Perspektive. Der ständige Erfolgsdruck lässt keinen Platz für die Entwicklung junger Spieler. Angestaubtes Denken verzeiht keine Fehler. Lieber einfach spielen, lieber keine Fehler machen – bloß nicht auffallen. Vor der Saison wurde von der großen Verjüngung gesprochen, von dieser ist ziemlich wenig übrig geblieben. Kritik ist durch den bisherigen Erfolg der Saison nur als leises Rauschen wahrnehmbar. Die kritische Stimme innerhalb der Geschäftsführung ist seit Weihnachten auch verschwunden.

Man darf sich nicht auf Lukas Reichel ausruhen. Wenn alles nach Plan läuft, ist Lukas Reichel im kommenden Jahr kein Teil dieser Mannschaft. Doch wer ersetzt ihn? Ein weiterer Kanadier Anfang dreißig? Wie ist die Perspektive für Eric Mik, der im ersten Verteidigerpaar neben Moritz Seider eine starke U20 Weltmeisterschaft spielt? Und wie ist der Plan auf der Torhüterposition?

Fragen die Stephane Richer in den kommenden Wochen und Monaten beantworten muss. Im vergangenen Sommer hat er einen guten Kader zusammengestellt. Das Team hat seine Schwächen, ist hier und da etwas zu dünn aufgestellt, aber es hat ein Gesicht, es hat Charakter. Die Offensive macht Spaß, die dazugekommenen Stürmer sind sinnvoll gewählt und passen in den Plan von Serge Aubin. Doch was das Einbinden junger Spieler in den Profikader betrifft, ist die Arbeit von Richer bei den Eisbären bislang von Perspektiv- und Planlosigkeit geprägt.

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