Ist Mark Olver der am meisten unterschätzte Spieler der Liga?

Die Hauptrunde der Saison 2019/20 geht in die finale Phase. Fünf Spieltage vor dem Ende stehen die Eisbären Berlin recht sicher auf dem vierten Tabellenplatz. Die reguläre Saison verlief, mal abgesehen von der Torwartsituation, ohne große Störgeräusche. Das liegt auch daran, dass Sportdirektor Stéphane Richer die Eisbären vor allem in der Offensive mit einer Tiefe versehen hat, die ihnen in den vergangenen Spielzeiten oft gefehlt hat. Diese Tiefe gibt Cheftrainer Serge Aubin die Option den internen Konkurrenzkampf immer wieder anzuregen. Durch kleine Umstellungen kann das Trainerteam immer wieder auf verschiedene Situationen reagieren.

Vor allem auf der Center-Position sind die Eisbären so tief besetzt, wie schon lange nicht mehr. Auch im Vergleich zur Konkurrenz in der Deutschen Eishockey Liga braucht sich das Center-Quartett James Sheppard, Maxim Lapierre, Louis-Marc Aubry und Mark Olver nicht verstecken. Es gibt nicht viele Teams der Liga, vielleicht Mannheim und München, die das matchen können.

Kein Spieler der in dieser Saison mindestens zehn Spiele für die Eisbären Berlin absolvierte, hat einen Corsi-Wert unter 50 Prozent bei 5gegen5. Unter Corsi versteht man Schussversuche. Während man unter Schüssen im Standard-Statistikangebot der DEL nur Schüsse versteht, die direkt auf das Tor gingen, erfasst Corsi auch geblockte Schüsse und Schüsse die das Tor verfehlten. Schüsse im Eishockey bedeuten Puckbesitz. Eine Mannschaft die viel schießt, hat auch häufiger den Puck. In 47 Spielen hatten die Eisbären rund 57 Prozent der Schüsse. Nur die Adler Mannheim sind besser (60%). Den besten individuellen Wert bei den Eisbären hat Aubry mit 60 CF% bei 5gegen5. Nur einen Prozentpunkt weniger hat die Reihe um Sheppard, Marcel Noebels und Leo Pföderl. Im internen Ranking folgen dann bereit André Rankel, Kai Wissmann und Mark Olver.

Während des Spiels gegen die Adler Mannheim vor zwei Wochen, ging mir ein Gedanke nicht aus dem Kopf. “Ist Mark Olver der am meisten unterschätzten Spieler der Liga?”.
Nachdem er in der vergangenen Saison aufgrund einer komplizierten Armverletzung nur neun Hauptrundenspiele bestreiten konnte, verpasste er in dieser Saison nur sieben Spiele. In 40 Spielen schoss er zwölf Tore und bereitete 17 Treffer vor. Damit liegt er nur vier Punkte unter seiner bislang besten Hauptrunde für die Eisbären. 2017/18 konnte er 33 Punkte (14T/19A) in 51 Spielen sammeln. Demnach ist sein Punkteschnitt in dieser Saison bereits höher. Wenn wir seine Punkte in dieser Saison auf 60 Minuten hochrechnen, dann macht Olver 2,75 Punkte pro 60 Minuten. Bei den Eisbären sind nur Austin Ortega (3), Lukas Reichel und Marcel Noebels (beide 2,8) sind in besser als Olver. In der gesamten Liga befindet er sich auf Platz 29.

In der normalen Rotation kommt Olver als Center der vierten Reihe zum Einsatz. In der Regel, eine Reihe, die vor allem keine Gegentore kassieren darf und den Top-Reihen etwas Luft verschaffen soll. Olvers Reihe kann aber genauso gut scoren und Situationen spielerisch lösen. Gegen Mannheim vor zwei Wochen hatte die vierte Reihe einen Corsi Wert von 72 Prozent. Er selbst genießt das Vertrauen des Trainerteams. Wird in engen Spielen auf drei Reihen umgestellt, landet Olver meist auf dem Flügel neben Maxim Lapierre. Soll eine Führung verteidigt werden, bekommt Olver das Vertrauen. Schauen wir auf seinen Eiszeitverteilung, stellen wir fest, dass es dort auch einen Anstieg im dritten Drittel zu beobachten geht. Auch in Über- und Unterzahl kommt der 32-Jährige zum Einsatz.

Ich denke, jede Fanbase wird mindestens einen Spieler in ihrem Kader haben, den sie für unterschätzt hält. Spieler, die nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie vielleicht verdienen. Daher hatte ich auf Twitter auch um Input gebeten. Einige Namen haben mich überrascht. Über Marcel Brandt von den Straubing Tigers wird tatsächlich zu wenig gesprochen. Mit 25 Punkten befindet er sich unter den Verteidigern der DEL auf dem 13. Platz. Er spielt in Über- und Unterzahl und wenn er auf dem Eis steht, gehen 58 Prozent der Schüsse auf das Tor des Gegners.

Chad Bassen wurde häufig genannt. Der 36-Jährige Stürmer der Thomas Sabo Ice Tigers hat am Sonntag gegen die Eisbären sein 800. DEL Spiel gemacht. Seit 16 Saisons spielt der in der Deutschen Eishockey Liga. In einer begrenzten Rolle in Nürnberg, hat er in dieser Saison bislang acht Tore erzielen können und sechs weitere aufgelegt. Unter meiner Frage wurde er aber vor allem für seine Arbeitseinstellung hervorgehoben. Spieler die Eishockey vor allem arbeiten und weniger durch Tore; Vorlagen oder Tricks auffallen, bekommen in diesem Sport ohnehin viel zu wenig Aufmerksamkeit.

Um zurück zur Ausgangsfrage zu kommen. Olver vereint das bei Bassen angesprochene Arbeiten mit dem Scoring. Das Trainerteam hat eine Rolle für ihn gefunden und er scheint sie akzeptiert zu haben. Er steht nicht im Fokus. Wenn es nicht läuft, bekommen andere Spieler die Kritik ab. Wenn es läuft, bekommt kaum einer mit, welchen Anteil Olver am Erfolg hat. Wenn das nicht die Definition von unterschätzt ist, weiß ich auch nicht. Bei Verteidigern sagen wir gern, dass sie gut spielen, wenn sie nicht auffallen. Auf den Center einer vierten Reihe trifft dies ohne Frage auch zu. Und wenn diese vierte Reihe hin und wieder trifft und Spiele gewinnt, ist das ein schöner Bonus.

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