“Ich will Eishockey spielen, und wenn meine Zukunft nicht hier liegt, dann werde ich es bei einem anderen DEL-Team probieren.” – Charlie Jahnke im Interview mit dem Eis-Dynamo

In Zeiten wie diesen richtet sich die Hoffnung vieler Eisbärenfans auf die jungen Spieler, die in den letzten Jahren tatsächlich wieder in den Reihen der DEL-Mannschaft aufgetaucht sind. Matthäus und anath (ED) trafen Charlie Jahnke (CJ) zwei Tage nach seinem 21. Geburtstag in den Katakomben des großen Auto­hauses am Ostbahnhof. Charlie kam gerade vom Training und wir fanden einen äußerst sympathischen jungen Mann, mit dem man über alles reden und viel lachen kann. Aber bevor es los geht: Herzlichen Glückwunsch, Charlie, nachträglich zum Geburtstag und vor allem zum ersten offiziell gültigen DEL-Tor!

ED: Matthäus hat festgestellt, dass du geboren wurdest, als seine Karriere als Eisbärenfan gerade anfing! Morgen haben die Eisbären Aktionstag und ehren die 99er, die in Moskau beim Europacup-Finale Dritter geworden sind. Hattest du dazu irgendeine Verbindung?

CJ: Manche Namen sagen mir was, Mike Bullard zum Beispiel, aber ansonsten war das alles vor meiner Zeit, sozusagen. Leider, eigentlich.

ED: Du bist ja so’n richtig echter Berliner! Wo kommste her?

CJ: Am Anfang haben wir in Marzahn gewohnt, dann sind wir nach Kaulsdorf gezogen.

ED: Ist man denn als Eisbär da nicht ein sehr gefragter Mann? Kommt vielleicht öfter mal jemand und will mit dir über die letzten Spiele plaudern?

CJ: Nein, man hat schon seine Privatsphäre. Die Nachbarn lassen mich in Ruhe.

ED: Das heißt auch, du warst nie im Internat?

CJ: Nö, immer mit der Bahn zur Schule, oder dann später mit dem Auto.

ED: Wie bist du zum Hockey gekommen?

CJ: Als ich klein war, bin ich manchmal mit meinen Eltern hin gegangen. Meine beiden Cousinen waren damals auch große Eisbären-Fans und haben mich oft mitgenommen. Und ich wollte dann auch immer mal zum Training, wollte selbst Eishockey spielen. Das fing an, als ich vier Jahre alt war, da habe ich dann immer wieder nachgefragt, bis ich dann mit sechs Jahren, 2004, endlich mal zum Schnuppertraining durfte. Das wurde ja in den Drittelpausen damals angeboten. Ich glaube, im April 2004 war ich zum ersten Mal da. Und seitdem spiele ich.

ED: Hattest du auch eine Karriere als Fan?

CJ: Ja, klar! Als wir noch klein waren,durften wir ja bei den Spielen immer an der Bande stehen, da haben wir natürlich geguckt!

ED: Dein Held?

CJ: Ganz klar Sven Felski! Außerdem heißt mein Vater Sven, das war dann noch ein Bonus, sozusagen. Da wurde Sven Felski automatisch mein Lieblingsspieler und ich hatte dann im Juniorenbereich immer die 11 auf dem Rücken. Und in Weßwasser habe ich sie auch.

ED: Was treibst du so in deiner Freizeit?

CJ: Najaaa…So richtig viel habe ich im Moment gar nicht, was ich da so mache. Ich treffe mich ab und zu mit Freunden, dann gehen wir was essen, quatschen zusammen. Im Sommer mache ich auch gerne anderen Sport, dann gehen wir vielleicht Fußball spielen oder Tennis. Während der Saison habe ich eigentlich für keinen anderen Sport Zeit. Aber ich habe mir eine Ukulele gekauft, die spiele ich ein bisschen, ab und zu, einfach, weil es Spaß macht! (Der Eis-Dynamo ist begeistert!)

ED: Nach dem Interview gehst du ja zur Konkurrenz, zu Hertha! Biste so richtig Fan?

CJ: (aus tiefstem Herzen) Nee! Gar nicht. Die Atmosphäre ist schön im Olympiastadion und wenn wir Karten bekommen, dann gehe ich da auch mal hin und schau mir das an, aber so richtiger Fan? Nein!

ED: Wo bist du Fan?

CJ: So richtig nirgends. Ich schau mir gerne mal American Football an, das war’s eigentlich schon. Und Fußball höchstens mal in der Sportschau, aber außerhalb von EM und WM muss ich mir keine Spiele angucken. Ist mir zu eintönig.

ED: So als Urberliner kennt man ja auch die frühere Rivalität zwischen Berlin und Weißwasser. Wie ist das denn, wenn man da jetzt als Berliner spielt?

CJ: Och, das ist total cool! Das ist ja jetzt eher so eine Kooperation geworden, von Rivalität spürt man nichts mehr. Das hat man ja auch beim Vorbereitungsspiel gesehen, Eisbären gegen Weißwasser, da war doch alles ganz friedlich. Da hat man ja auch zusammen gefeiert, die Dynamo-Rufe gingen hin und her, das war ja früher doch sehr viel kritischer. Für mich fühlt sich das eher wie eine Freundschaft zwischen den Vereinen an.

ED: Morgen gegen Krefeld spielst du nicht hier sondern in Weißwasser. Wer entscheidet das denn und wie läuft das ab?

CJ: Das sagt mir der Trainer, entweder hier beim Training oder ich kriege einen Anruf. Die Entscheidung liegt beim Eisbären-Trainer. Ich spiele ja auch gerne in Weißwasser, wir sind dort super integriert. Das ist einfach auch ein tolles Team. Die nehmen uns immer gut auf, freuen sich, wenn wir kommen. Die spielen ja ein anderes System als hier und jeder hilft uns, damit wir in dieses System rein finden. Auch der Trainer ist immer für uns da und hilft uns, das Weißwasser-System neu aufzufrischen. Da gibt es überhaupt kein Problem. Ich freu mich auch immer auf das Team, ich mag die alle!

ED: Weißwasser hat ja einen ordentlichen Leistungssprung gemacht im Vergleich zu den letzten Jahren. Kannst du erklären, woran das liegt?

CJ: Die Team-Chemie stimmt einfach. Jeder kommt mit jedem klar, alle haben miteinander Spaß, können miteinander reden, das ist sicher ein Grund dafür, dass es so gut läuft. Aber der Trainer macht das auch richtig gut. Der hat das Team genau analysiert und das Spiel genau auf die Stärken des Teams ausgerichtet. Wir sind ein junges Team, wir sind schnell, noch relativ unerfahren, eher klein, darum setzt er alles auf Schnelligkeit. Schnell den Puck nach vorne bringen, nicht groß rumeiern, so ist das ganze System ausgelegt. Und wenn wir so spielen, wie wir spielen wollen, schnell und hart, dann haben sehr viele andere Teams Probleme mit uns. Die kommen einfach nicht hinterher und dann können wir auch jedes Team schlagen. Das hat der Trainer wirklich super gemacht.

ED: Trainer in Weißwasser ist seit dieser Saison Corey Neilson. Was hat er denn anders gemacht als frühere Trainer?

CJ: Er hat einfach unsere Stärken und unsere Schwächen erkannt, hat gesehen: Okay, so müssen wir spielen, damit wir erfolgreich sein können! Außerdem legt er sehr viel Wert auf Details und das Training ist auch so aufgebaut. Er ist irgendwie so ein Taktik- Nerd, viele verschiedene Sachen, verschiedene Plays, die wir dann im Training machen. Am Anfang hatten wir damit unsere Schwierigkeiten. Da haben wir sieben Vorbereitungsspiele in Folge verloren! Aber das war ihm egal. Er wusste, das kommt dann mit der Saison, tja, und da sind wir! Ich glaube, dieser Wert, den er auf die Details legt, das macht den Unterschied aus. Und wir haben das in der Saison gut umgesetzt, darum sind wir auch so erfolgreich.

ED: Wie verbringst du deine Freizeit in Weißwasser?

CJ: Naja, das ist jetzt nicht so viel, was man da machen kann. Manchmal gehe ich mit meinen Teamkollegen essen, bisschen quatschen, zu Hause fernsehen, Ukulele mal raus holen.

ED: Weil wir gerade über Trainer und Training geredet haben, wir haben da ein Video aus deiner Zeit bei den Juniors gefunden. Hat es dir eigentlich was gebracht, mit Augenklappe zu trainieren?

CJ: (lacht) Jaaaa, war mal was Neues, was wir da ausprobiert haben. Wir haben ja auch mit weißen Pucks trainiert. Das war erstmal total komisch! Wir sollten uns mehr konzentrieren, die Augen schulen, auch die Koordination. Hand-Auge-Koordination ist ja immer ein großes Thema, da hat Hardy Gensel immer dran gearbeitet, um das zu verbessern.

ED: Sah zumindest erstmal witzig aus, wie ihr da alle mit Augenklappe rumgelaufen seid.

CJ: Och, jeder, der was Neues probiert, wird erstmal ausgelacht, na und? Klar sieht das vielleicht erstmal ein bisschen dämlich aus, aber es ist doch oft so, dass sich Sportler ein Handicap auferlegen, um bestimmte Sachen intensiver zu trainieren. Bei den weißen Pucks zum Beispiel, da muss man sich viel mehr konzentrieren, schneller bereit sein, immer gucken … Umso leichter fällt es einem dann mit dem schwarzen Puck.

ED: Wie es bei den Eisbären laufen wird, bleibt abzuwarten. Weißwasser wird Play-offs spielen. Wie weit kann es da gehen?

CJ: In Weißwasser? Da können wir es bis ganz nach oben schaffen. Wir haben in dieser Saison schon gezeigt, dass wir jeden schlagen können, warum sollten wir also nicht bis nach ganz oben kommen? Und für die Stadt ist das der Wahnsinn. Das ist ja eine richtige Eishockey­stadt und da herrscht jetzt schon Ausnahmezustand!

ED: Weitaus weniger erfreulich lief es ja bei den Eisbären. Du bist ein junger Spieler und sollst lernen. Wie ist das für dich, wenn du dich eben nicht so an die erfahrenen Spieler, bei denen du ja eigentlich andocken solltest, halten kannst?

CJ: Ja, wenn es nicht so läuft, das ist eben immer eine schwierige Phase. Man probiert, aus dem Drittel zu kommen, probiert und probiert und es klappt nicht. Als junger Spieler kann ich dann nur versuchen, das Spiel so einfach wie möglich zu halten, hinten gut zu stehen, defensiv meinen Job zu machen. Wenn es anfängt, wieder zu laufen, dann kann man auch mal wieder kompliziertere Spielzüge machen, kreativer werden. Aber im Moment ist es eben nicht die Zeit für junge Spieler, sich großartig auszuprobieren. Wir können nur versuchen, so einfach wie möglich zu spielen, hart spielen, schnell.

ED: Würdest du denn gerne mehr ausprobieren?

CJ: Ich will dem Team so gut wie möglich helfen, da ordnet sich alles unter. Klar, jeder macht gerne mal einen Spielzug wenn es sich anbietet. Aber wenn ich helfen soll, indem ich einfach spiele, dann ist das mein Job und das mache ich dann auch. Scheibe tief spielen statt nochmal abzudrehen und einen Pass zu spielen, und wenn’s dann klappt, gut, dann mache ich das auch, wenn ich sicher bin, dass ich das jetzt hin kriege.

ED: Du hast zwei wunderschöne Tore geschossen, die beide nicht anerkannt wurden. Wie ging’s dir damit?

CJ: Beim ersten Mal fand ich’s nicht schlimm, da war das dann eben eine Vorlage, wir haben ein Tor geschossen, alles gut. Über das zweite habe ich mich natürlich sehr geärgert. Es wurde abgepfiffen, naja, das kann man dann diskutieren, ob man da abpfeifen muss, ach, und ich hab mich einfach geärgert! Da habe ich dann schon zum zweiten Mal gejubelt, und wieder umsonst! Ich hab mich so gefreut drüber: Endlich geschafft! Und dann ist mir das Ding wieder aberkannt worden!

ED: Hast du denn nicht gehört, das abgepfiffen wurde?

CJ: Nee! Die Halle wurde ja so laut als ich da über das Eis auf das Tor zulief, ich habe gar nichts anderes wahrgenommen als diesen Krach und das Tor vor mir.

ED: Wir haben auch nichts gehört! Wie vermutlich 90 Prozent der Anwesenden. Aber dann wurde die Entscheidung so gefällt und wir müssen sie akzeptieren. Aber: Wir fanden, das war ein Traumtor! Aber du schießt ja in Weißwasser auch deine Tore! (Anm. d. Red: 6 Tore, 17 Assists bis Redaktionsschluss!)

CJ: Ja, in Weißwasser habe ich schon gut Punkte gemacht! Und hier kriege ich auch noch meine Chancen, ganz sicher!

ED: Es gab ja auch einen Trainerwechsel bei den Eisbären. Wie war die Umstellung für dich?

CJ: Ja, da gibt es doch Unterschiede, ist ja klar, neues System, anderer Wind im Spiel. Klar muss man sich umstellen, aber das ging dann auch relativ schnell, ich schalte ja auch dauernd zwischen Füchsen und Eisbären hin und her. Hier heißt es jetzt: Nord-Süd-Eishockey, möglichst schnell möglichst viele Scheiben zum Tor. Nichts Großartiges eigentlich, ein einfaches System.

ED: Du hast ja auch noch ein anderes Highlight gehabt: Die Einladung zum Perspektivteam beim DEB mit dem neuen Bundestrainer.

CJ: Das war wirklich eine sehr große Ehre, ich habe mich wirklich extrem gefreut. Natürlich war ich total stolz. Und es war eine superschöne Erfahrung. Ich habe zwei Spiele gemacht, es hat Spaß gemacht, und es war ja auch kein Nachwuchsspiel sondern A, also Herren, und für mich war es einfach super, dass ich dabei sein konnte.

ED: Der neue Bundestrainer kommt aus der Oberliga und manch einer fragt sich, ob das funktioniert. Was ist das denn für’n Typ?

CJ: Das ist ein super Typ! Menschlich und auch auf dem Eis. Ich kannte ihn ja schon von der U20, da war er Assistenztrainer. Der weiß, was er tut und hat wirklich eine Menge Ahnung. Das System, das er spielen lässt, gefällt mir auch gut. Das ist übrigens auch so einer, der viel Wert auf die Kleinigkeiten, die Details, legt.  Man merkt auch, dass er Freude an seinem Job hat und es macht unheimlich Spaß, bei ihm zu spielen. Er erklärt alles ganz sachlich und wenn man Fehler macht, dann ist das nicht schlimm, dann erklärt er es nochmal neu, dann will man das probieren.

ED: Es gibt nach dieser Saison Veränderungen im Kader der Eisbären. Wie sieht deine Zukunft aus?

CJ: Das werden wir nach dieser Saison schauen. Da gibt’s dann Gespräche hier. Nächste Saison habe ich ja noch Vertrag bei den Eisbären und dann wird man sehen.

ED: Und wenn du nicht hier bleiben kannst?

CJ: Ich will Eishockey spielen, und wenn meine Zukunft nicht hier liegt, dann werde ich es bei einem anderen DEL-Team probieren.

ED: Hast du irgendwelche Marotten, Rituale, festgelegte Sachen, ohne die du nicht spielen kannst?

CJ: Kleinigkeiten. Also erstmal ist der Ablauf immer gleich: Fußball mit den Jungs, dann mache ich immer das gleiche Aufwärmprogramm und höre dabei Musik, beim Eis-Warm up mache ich am Ende immer einen Sprint von der blauen zur roten Linie und zurück, dann geh ich vom Eis. Also wirklich kleine Sachen.

ED: Was hörst du für Musik? Metallica oder Helene Fischer?

CJ: Beides! Naja, Helene Fischer jetzt eher nicht so, ich höre gerne Rock, aber es darf auch mal Schlager sein. Sehr gerne ältere Sachen aus den siebziger, achtziger Jahren. Die Charts sind eher nicht so meins.

ED: Und jetzt, wie immer, die letzte und wichtigste Frage: Hast du einen Hund?

CJ: Nee! Später vielleicht mal, wenn ich Mitte 30, Anfang 40 bin.

ED: Charlie, wir danken dir für dieses Interview und wünschen dir viel Erfolg für deine Zukunft!

Dieses Interview erschien zuerst in der Ausgabe 171 des Eis-Dynamo.

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