“Ich habe einfach immer gute Laune. Ich liebe, was ich tue und das strahle ich auch aus.” – PC Labrie im Interview mit dem Eis-Dynamo

Am Montag nach dem Mannheim-Spiel nahm PC sich viel Zeit, um sich mit Sanne sowie Tom und Wally von Hauptstadteishockey zu einem Interview zu treffen. Die Hälfte der S-Bahn stand still und am Mercedes-Platz war wegen des Laureus- Awards auf der einen und einem Slipknot-Konzert auf der anderen Seite die Hölle los. Allen Widrigkeiten zum Trotz saßen wir irgendwann gemeinsam am Tisch und hier ist das Resultat eines unterhaltsamen und spannenden Gesprächs.

Eis-Dynamo (ED): PC, danke, dass Du Dir die zeit für uns genommen hast. Nennt Dich eigentlich irgendjemand Pierre-Cédric?

Pierre-Cédric Labrie (PC): Nein, nicht wirklich. Meine Mutter nennt mich Pete, aber wenn sie mich mal Pierre-Cédric genannt hat, wusste ich Bescheid. (Gelächter)

ED: Dein Spitzname ist “Nacho” Wo kommt der denn her?

PC: Das stammt aus der Zeit, wo ich Bruno Gervais kennen gelernt habe.

ED: Hat er ihn Dir verpasst?

PC: Nein, das war Ryan Malone. Wir drei haben zusammen in Tampa gespielt und Ryan kam mit Labrie nicht klar, das klang eher nach “Libre” und es gibt ja diesen Film “Nacho Libre” Ryan beschloss, dass ich auch Wrestler sein könnte und ab dem Moment hieß ich Nacho.

ED: Geboren wurdest Du in Baie-Comeau eine kleine Stadt ein ganzes Stück nördlich von Quebéc City. Gibt es dort was spannendes, abgesehen von Natur?

PC: Nein, das ist die Hauptsache. Natur und meine Mutter. (lacht) Das sind die zwei Gründe, aus denen ich es mag, dorthin zu fahren. Und im Winter ist es toll. Jeder hat sein eigenes Schneemobil mit dem man durch die Gegend brausen kann, dann natürlich Teichhockey auf den zugefrorenen Seen. Man muss nicht mal jemanden anrufen, einfach hingehen, irgendjemand ist immer da, um eine Partie zu spielen. Und dann eben vor allem die Natur: Wasserfälle, Seen, man kann gut angeln und jagen.

ED: Du wohnst mittlerweile in Quebéc City.

PC: Ja, direkt in der Stadt. Aber eigentlich sind wir bisher jedes Jahr umgezogen. Wir haben so eine Art Immobiliengesellschaft gegründet. Wir wohnen im Sommer in einem gekauften Apartment, verkaufen es anschließend und wenn wir zurückkommen, ziehen wir in das nächste. Aber mittlerweile möchten wir etwas mehr Sicherheit haben. Wir möchten etwas haben, in das wir immer wieder zurückkehren. Bis jetzt haben wir aber noch nichts gefunden, was uns wirklich gefällt.

ED: Natürlich muss man einen Kanadier nicht fragen, wieso er Hockey spielt. Aber wie war es in Deinem speziellen Fall?

PC: Hockey ist in Kanada eine Religion. Meine Mutter hatte mich allerdings für so ziemlich alles angemeldet. Schwimmen, Eiskunstlauf, als ich zwei oder drei war. Davon gibt es sogar noch alte VHS-Kassetten, wo ich auf dem Eis einen Dog Dance mache. (grinst) (Anm. der Redaktion: PC nennt Eiskunstlauf: Eishockey ohne Schläger). Für Hockey konnte sie mich erst mit vier oder fünf Jahren anmelden. Seitdem spiele ich Hockey.

ED: Aber es gab eine Unterbrechung, als Du 17 Jahre alt warst.

PC: Ja. Ich dachte, dass ich einfach eine Ausbildung machen sollte. Dass es nicht klappen würde mit dem Profihockey. Ich bin zurück nach Hause und dachte, das war es. Aber dann bekam ich einen Anruf von einem Amateur-Seniorenteam, die einen Verletzten hatten und Ersatz brauchten. Ich bin eingesprungen und wir hatten ein tolles Wochenende. Danach haben sie mich wieder und wieder gefragt und so bin ich dann doch aktiver dabei geblieben. Ein Jahr später habe ich mich für einen Junioren A-Team empfehlen können und mit 20 Jahren war ich dann in der höchsten Spielklasse angelangt, die es in Québec gibt. Normalerweise fängt man dort mit 17 an. Ich hatte mein Rookie-Jahr mit 20.

ED: Nochmal zur Erklärung. Vorher hatten die Quebec Remparts Dich aussortiert?

PC: Ja, sie hatten mich gedraftet, aber ich habe es nicht ins Team geschafft. Sie haben mich für ein Jahr in ihr Farmteam geschickt. Im zweiten Jahr habe ich das Camp auch nicht geschafft und das war der Punkt, wo sie gesagt haben: das war es. Du kannst gerne weiter spielen, musst aber alles selber bezahlen. Da fingen die Probleme für mich an. Ich musste arbeiten gehen, habe Nachtschichten geschoben von Mitternacht bis acht Uhr morgens in einem Gemischtwarenladen, Montags bis Freitags. Dann Schule, dann Training. das war eine harte Zeit, die mich zwar sehr geformt hat, aber ich war irgendwann am Ende. Ich konnte einfach nicht mehr. Weihnachten hab ich alles hingeschmissen, bin wieder nach Hause gefahren und hatte mit dem Hockey abgeschlossen.

ED: Aber das war ja nicht das Ende. Du hast einen NHL-Vertrag unterschrieben und eine beeindruckende AHL-Karriere hingelegt. Wie kam es dann dazu?

PC: Ich bin ziemlich hin und her gesprungen die folgenden Jahre. Die ersten drei Jahre habe ich für die Manitoba Moose gespielt, wo ich einen Level Entry Vertrag bekommen habe. Ab dem Moment habe ich aber nicht mehr viel Eishockey gespielt. Ich war für die Kämpfe da. Mindestens jedes dritte Spiel hatte ich einen Kampf. Es war, als hätte ich einen Aufkleber auf der Schulter, der zeigte, dass ich der Kämpfer war. Die gegnerischen Enforcer wussten das natürlich, am Bully verständigte man sich kurz darüber, dann gab es einen Kampf. Das war zu der Zeit noch absolut üblich. Ich hab mich da durch gekämpft und mein zweiter Vertrag war ein Try-Out und da hatte ich wirklich Glück, denn ich traf dort auf den Trainer Jon Cooper und den General Manager Julien Bris, der an mich glaubte und mir den Vertrag gab. Jon hat viel mit mir gearbeitet und mich aus der Ecke des Zerstörers rausgeholt. Vor jedem Spiel hat er mich motiviert, diesen Weg weiter zu gehen. Was dazu führte, dass ich den nächsten Schritt in meiner Karriere machen konnte. Die Saison danach wurde ich in das NHL-Team berufen (Tampa Bay Lightning), dort habe ich dann Bruno kennengelernt.

ED: Wie hat es sich nach diesem schwierigen Weg angefühlt, einen NHL-Vertrag zu unterschreiben?

PC: Ich hab das nicht kommen sehen. Wenn alles gut läuft, fragt man sich nicht, wie das zustanden gekommen ist. Die Jungs in der Kabine fingen an, darüber zu reden, dass ich gut spiele und hoch berufen werden soll. Ich erwiderte nur, dass ich ja gar keinen Vertrag hätte und demnach nicht hochgezogen werden konnte. Dann klingelt in der Weihnachtspause plötzlich Dein Telefon und Dir wird gesagt, dass Du einen Vertrag bekommst. Was?! Das ging alles so schnell. Und ich musste immer hin und her springen. Dann hatte ich ein Spiel bei Tampa, dann hatten dort alle Jungs einen freien Tag und ich musste wieder nach Norfolk, um dort zu spielen. Ich musste mich jeden Tag aufs Neue beweisen. Aber die Jungs in Tampa haben es mir extrem einfach gemacht, wenn ich dort war. Sie haben mich auch privat total eingebunden und ich habe mich sehr geschätzt gefühlt. Das war keine einfache, aber eine tolle Zeit.

ED: Kommen wir nochmal kurz auf Jon Cooper zurück, der ja seit 2013 Cheftrainer in Tampa ist. In einem Artikel haben wir gelesen, dass die Jungs, die er aus Syracuse mit hoch genommen hat, sich Coops Troops nennen und für ihn durchs Feuer gehen würden. Ist er ein Trainer, der alles aus den Spielern raus holt und es schafft, sie so zu motivieren?

PC: Ganz ehrlich, wenn Du an Jon Cooper glaubst und er glaubt an Dich, dann hat das was magisches. Das bringt Dich auf das nächste Level. Aber ich sehe das auch bei Serge Aubin. Mit ihm geht es mir genauso. Er glaubt an mich und ich an ihn, was eine eigene Energie erzeugt. Wir haben übrigens immer noch einen Gruppenchat, der Coops Troops heißt. Wir schicken immer noch Fotos hin und her und lachen über die guten alten Zeiten. Jon Cooper hat zwei Jahre gebraucht, um vom AHL-Trainer zum NHL-Trainer zu werden und Saison für Saison drücken wir die Daumen, dass er sich den Stanley Cup holt. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ihm das auch irgendwann gelingen wird.

ED: Wir sprachen ja schon darüber, dass Du vor allem in der AHL gespielt hat. Erst bei Tampa, dann bei den Blackhawks. Anschließend Nashville, die Dich und einen anderen Spieler aber nach Arizona getraded haben. Im Austausch gegen unter anderem John Ramage. Wie war es, als ihr hier aufeinander getroffen seid?

PC: (lacht) Das war ziemlich lustig. nach dem Trade hatten wir Kontakt, weil wir überlegt hatten, ob wir Wohnungen tauschen, was aber dann doch nicht zustande kam. Wir verstehen uns seit dem Trainigscamp bestens. Ich habe nach dem Camp zunächst im Hotel geschlafen und hatte totale Probleme mit dem kleinen Bett. John hat mich dann eingeladen, bei ihm zu wohnen, da seine Frau noch nicht hier war und er noch zwei Zimmer frei hatte. Wir haben viel Kontakt und er ist einer meiner Lieblings-Kollegen.

ED: Habt ihr über den Trade gesprochen?

PC: Ja. Wir machen uns gerne darüber lustig und sprechen darüber, als wäre es ein absoluter Blockbuster-Deal gewesen. (lacht) Aber, als damals die Gerüchte aufkamen, dass sie Ramage holen wollten, habe ich mich total darüber gefreut. Ich hatte ja schon gegen ihn gespielt und wollte ihn gerne in meinem Team haben. Hat ja nicht funktioniert, aber jetzt endlich.

ED: In der Saison 18/19 warst Du Player Assistant Coach bei den Wichiter Thunder (ECHL). Wie kam es dazu?

PC: Ich hatte eigentlich auf einen Vertrag in Europa gewartet, aber sie haben sich für einen anderen Spieler entschieden. In der AHL wollten sie mich wieder nur als Enfocer. Darauf hatte ich keine Lust mehr, ich wollte spielen. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich noch spielen kann, aber ich möchte mich am Ende meiner Karriere wohl fühlen und nicht mehr über die Eisfläche prügeln. Dann kam dieses Angebot und es klang verlockend. Und ich hatte so die Möglichkeit, mal in den Trainerjob rein zu schnuppern. Es kann gut sein, dass ich nach der aktiven Karriere als Trainer ende. Das Jahr dort war wirklich eine gute Erfahrung. Ich hatte keine Ahnung, dass Kansas so schön ist, Wichita ist eine schöne Stadt und sie haben uns so gut behandelt, wie es eben geht. Klar, es ist in der ECHL natürlich alles Low Budget, aber sie haben das beste draus gemacht. In der ECHL spielt man nur mit drei Reihen, dadurch hatte ich natürlich eine Menge Eiszeit und konnte viel spielen. Dadurch habe ich diese Saison ein viel besseres Gefühl für den Puck, als in den letzten fünf Jahren. Das hat mir sehr geholfen.

ED: Man vergisst in Deutschland gerne mal, dass Spieler, die rüber kommen und in Nordamerika Enforcer waren, ja trotzdem Eishockey spielen können.

PC: Ja, man muss eine Rolle ausfüllen. Man kommt in die Umkleidekabine und alle Stühle sind besetzt, bis auf diesen einen. Und es ist klar, dass der Spieler, der in diesem Team bleiben will, sich auf diesen Stuhl setzen muss, sonst hat er keine Chance. Man muss sich also entscheiden und es ist wahnsinnig schwer. von diesem Stuhl wieder runter zu kommen.

ED: Hattest Du mentale Probleme mit dieser Rolle? Es gibt ja viele ehemalige Enforcer, die mit Depressionen und Angstzuständen zu tun haben.

PC: Natürlich redet man sich immer und immer wieder ein, dass man zäh ist und es einem nichts ausmacht. Aber jeder bricht irgendwann mal zusammen. Bei mir war das insbesondere in den ersten Jahren so. Irgendwann guckt man in den Spiegel und sieht das zerschundene Gesicht, die Hände tun weh und man merkt, dass man Erinnerungslücken hat. Da fragt man sich natürlich, ob man sich das noch länger antun will. Zumal ich auch nicht so wahnsinnig viel verdient habe. Im Sommer musste ich mit Geld bezahlen, was ich noch gar nicht hatte. Da habe ich mich häufig gefragt, ob ich mir nicht einen anderen Job suchen soll. Aber im Sommer hat sich der Körper eben auch erholt und am Ende des Sommers war die Sehnsucht und Leidenschaft wieder da. Und so bin ich eben doch zurück und habe die Rolle weiter ausgefüllt.

ED: Zum Glück gibt es ja mehr und mehr Spieler, die in der Öffentlichkeit über ihre Probleme mit dieser Rolle reden.

PC: Das ist auch gut so. Gerade, wenn man als ungedrafteter Spieler unter Vertrag genommen wird. Sie bekommen Dich für billiges Geld und haben natürlich Macht über Dich. Entweder erfüllst Du Deine Rolle oder Du bist raus. Das mit dem wenigen Geld muss ich noch kurz erklären. Natürlich verdient man eigentlich genug, aber man ist auch in diesem Kreislauf drin. Die besser verdienen Spieler gehen in Restaurants oder Bars, da möchte man natürlich dazu gehören. Und ich habe im Sommer kein Geld bekommen. Es ist schwierig, einen Job zu finden, den man auch noch machen kann, wenn man sich zwei Stunden am Tag im Kraftraum ausgepowert hat. In der ECHL ist das noch schlimmer. Da sind alle Jungs davon betroffen. Im Sommer fahren sie alle zurück nach Hause und machen andere Jobs, um zu überleben.

ED: Ist es eigentlich immer noch schwieriger für Franko-Kanadier im Eishockey Fuß zu fassen?

PC: Nein, würde ich nicht sagen. Als ich angefangen habe, gab es diese Probleme noch, aber das hat dann wirklich stark nachgelassen. Ich hatte jedenfalls in all den Jahren nie Probleme. Ich habe viel über den Rassismus gegenüber Franko Kanadiern gehört, erlebt habe ich ihn aber zum Glück nie.

ED: Bruno Gervais ist die Antwort auf die nächste Frage. Nämlich, wer verantwortlich ist, dass Du einen Try-Out in Berlin gemacht hast.

PC: (lacht) Ja, er war der erste, den ich befragt habe. Ich wusste ja, dass er hier gespielt und sich wahnsinnig wohl gefühlt hatte.

ED: Jetzt nochmal im Ernst. Von wem kam die Idee, es in Europa zu probieren?

PC: Eigentlich von mir selber. Ich hatte in der ECHL gute Statistiken. Gut genug, um zu denken, dass ich es in Europa schaffen könnte. Also habe ich einige Agenten kontaktiert, die in Europa arbeiten. Und darüber kam dann das Angebot. Das war der Punkt, wo Bruno ins Spiel kam. Er sagte, dass er sicher sei, dass ich es schaffe, wenn ich gut vorbereitet auftauche. Du wirst es dort lieben und sie werden Dich lieben. Das hat mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben.

ED: Wir haben ja schon viel über Deine Rolle als Enforcer geredet. Hier in Berlin hat man von der Seite an Dir noch gar nichts gesehen. Du sagst über Dich selber, dass Du nicht der beste Eishockeyspieler bist. Dein Job ist es, Energie ins Team zu bringen und die Jungs zu beschützen, wenn es nötig ist.

PC: Genau, dann würd ich auch kämpfen. Wenn irgendwas passieren würde, was im Spiel nichts zu suchen hat. Ein dreckiger Check, Schläger, wo sie nicht hingehören mit schwerer Verletzungsfolge. Dann würde ich eingreifen und auch mit den Konsequenzen leben. Das ist aber andererseits jetzt auch das Gute an diesem Image, was ich seit Anfang an habe. Die Gegenspieler wissen, dass ich schnell aufbrause und sie wissen, zu was ich fähig bin. (grinst) Ich kann innerhalb eines Herzschlages von Null auf Hundert sein.

ED: Mittlerweile läuft Dein Scoring ja auch sehr gut. Momentan bist Du bei 19 Punkten mit 10 Toren und 9 Assists.

PC: Ja, ich liebe den Raum vorm gegnerischen Tor. (grinst) Ich habe ja schon über die freien Stühle gesprochen. Als wir die ganzen Verletzten hatten, waren jede Menge Stühle frei. Man muss sich dann nur für den richtigen entscheiden. Und Serge glaubt an mich. Das hilft ungemein.

ED: Fängt hier gerade Deine zweite Karriere an?

PC: (lacht) Wer weiß? Ich fühle mich sehr wohl und meinem Körper geht es bestens. Das ist der Vorteil an Europa, es sind weniger Spiele, da hat der Körper vielleicht noch ein paar Jahre länger Zeit. Das Spiel ist hier auch sauberer als in Nordamerika. Es gibt mehr Respekt auf dem Eis und weniger dreckige Aktionen. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich vielleicht schon viel früher nach Europa gekommen.

ED: Wir haben schon häufig gehört, dass deutsches Eishockey in Nordamerika total unterschätzt wird.

PC: Ja, das stimmt. Das Beste, was dem deutschen Eishockey passieren konnte, war die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen. Plötzlich sind sie auf dem Radar.

ED: Berlin ist ja Deine erste Station in Europa. Wie schwierig war für Dich die Umstellung auf die große Eisfläche?

PC: Überraschend einfach. Man hat viel mehr Platz, das Spiel ist sauberer, mit weniger Körperkontakt, der Fokus liegt mehr auf dem spielerischen.

ED: An dieser Stelle muss Tom fairerweise zugeben, dass er PC am Anfang der Saison überhaupt nicht gerne auf dem Eis sah. Nach seiner Einschätzung kam PC eben nicht mit der großen Eisfläche klar.

PC: Ja… Du hast Recht. Am Anfang war das Timing manchmal nicht gut. Und ich hatte auch noch die Ambition, jeden Check zu Ende zu fahren. Serge hat mich häufiger zur Seite genommen und mir erklärt, welches Spiel er von mir erwartet. Ich muss zugeben, dass das so um die 10 Spiele gedauert hat, bis ich das verinnerlicht hatte. Abgesehen von der Art zu spielen, hatte ich aber keinerlei Eingewöhnungsprobleme.

ED: Das Team hat Dich von der ersten Sekunde an geliebt? Das hört man jedenfalls von allen Seiten. Du erfreust Dich wahnsinniger Beliebtheit in der Kabine. Was ist das Geheimnis?

PC: Ich habe einfach immer gute Laune. Ich liebe, was ich tue und das strahle ich auch aus. Ich suche und finde immer die gute Seite. Auf langen, anstrengenden Auswärtstrips habe ich immer mir und den anderen gesagt, dass es viel schlimmer sein könnte. Immerhin waren wir unterwegs, um mit einem Puck zu spielen und dafür auch noch Geld zu bekommen.

ED: Bei Auswärtsfahrten teilst Du Dir das Zimmer mit Lukas. Wie ist eure Beziehung zueinander? Bist Du sein großer Bruder?

PC: Ich glaube, er braucht keinen großen Bruder. Er ist so erwachsen für sein Alter. Wenn ich aufhöre, darüber nachzudenken, dass er erst 17 ist, denke ich, er ist wie Dietzi. Das ist der Grund, warum er schon in dieser Liga spielt. Nein, er braucht mich nicht als großen Bruder.

ED: Du scheinst aber schon ein Vorbild für ihn zu sein. Immerhin hat er ein Foto von euch beiden bei Instagram gepostet mit dem Satz dazu: Ich in zehn Jahren.

PC: Ernsthaft? Das hab ich gar nicht gesehen.

ED: Natürlich haben wir ihm das Foto erstmal gezeigt und er war total gerührt davon.

PC: Aber ich ziehe ihn auch jeden Tag damit auf, dass er schwerer werden muss. Du ziehst das Durchschnittsgewicht unserer Reihe in den Minusbereich. (Gelächter) Aber wir verstehen uns besser und besser. Er legt seine Schüchternheit ab und hat verstanden, dass ich einfach ein Kasperkopp bin und wir können gut zusammen rumalbern. Manchmal benehme ich mich, als würde ich etwas wahnsinnig ernst meinen und er brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass ich ihn nur aufziehe.

ED: Neulich hast Du Dich mit dem Scout der Oilers unterhalten. Ist das normal, dass sie Zimmerkollegen befragen?

PC: Nicht, weil wir uns ein Zimmer teilen. Sie unterhalten sich viel mit Teamkameraden. Insbesondere mit älteren Spielern. Ich habe auch einige Anrufe von anderen Scouts bekommen, die mich nach ihm ausgefragt haben.

ED: Gibt es etwas über Lukas, was Du nie einem Scout erzählen würdest, aber uns erzählen kannst?

PC: Ehrlich gesagt gibt es da nichts. Der Junge ist so leidenschaftlich beim Eishockey. Er ist komplett auf den Sprung in die NHL fokussiert. Ich wünschte, ich hätte eine gute Story. Aber ich habe keine.

ED: Ryan McKiernan hat uns beim Dialog erzählt, dass ihr eine Draft-Party für Lukas in Montréal plant.

PC: Ja, Maxime plant das. Ich weiß noch nicht, ob ich dabei sein kann. Denn die Geburt meines zweiten Kindes wird genau zu der Zeit sein.

ED: Wo wir gerade von Geburten reden. Du warst 276 Meilen weit weg, als plötzlich ein Anruf von Deiner Freundin kam, dass die Wehen eingesetzt hatten. Es folgte eine dramatische Geschichte, in der ein Torhüter namens Tom McCollum eine große Rolle spielte. Erzähl.

PC: Ich hatte Glück, dass ich mir das Zimmer mit Mark Zengerle geteilt habe. Er hatte zuvor für unseren Gegner gespielt. ich hab ihn gefragt, ob er irgendjemanden kennt, der mir seinen Wagen leihen würde. Den alle Autoverleiher waren entweder zu oder die Autos ausgebucht. Es war der Tag vor Silvester und grauenvolles Wetter, denn es schneite wie verrückt. Er gab mir eine Telefonnummer und sagte, wenn der Kerl nein sagt, sagt niemand aus dem Team ja. Ich schrieb ihm eine Nachricht und es stellte sich raus, dass er noch im Bus auf dem Heimweg war. Er konnte mir also den Wagen nicht bringen. 15 Minuten später bekam ich eine erneute Nachricht von ihm, dass seine Frau gerade wach geworden war und mir den Wagen bringen konnte. Sie scheuchte mich in das Auto und ich fuhr los. Den gesamten Weg über hatten wir einen Blizzard, es gab Momente, wo ich wirklich anhalten musste, weil ich nichts mehr gesehen habe und mir die Augen weh taten. Aber ich hab es geschafft und war 20 Minuten vor der Geburt im Krankenhaus.

ED: Du bist ja mit der Tochter von Patrick Roy zusammen, der bekanntermaßen einer der besten Torhüter der NHL war. Redet ihr bei Familientreffen nur über Hockey oder gibt es auch andere Themen?

PC: Über alles! Er ist ein wahnsinnig toller Kerl, mit dem man wirklich über alles reden kann. Und er ist wahnsinnig geerdet. Er könnte auch großspurig umherlaufen, das ist aber überhaupt nicht sein Stil. Er mag in der Hall of Fame sein, aber er benimmt sich vollkommen normal.

ED: Normalerweise ist die Frage nach einem Hund unsere wichtigste. Nun wissen wir in Deinem Fall schon, dass Du zwei Hunde hast. Einen Husky mit dem Namen Inoak. Hat der Name eine Bedeutung?

PC: Nein, wir haben ihn aus dem Tierheim geholt. Und da hieß er schon so.

ED: Und einen deutschen Schäferhund mit namen Bert. Bert?

PC: Eigentlich heißt er Albert, wir kürzen das immer nur ab.

ED: Wir haben Follower von Hauptstadteishockey gebeten, uns Fragen zu schicken. Hier sind sie.

Michaela: “Ich würde gern wissen, ob er in der Vergangenheit, vlt. in Kanada, schon Schlittenhundesport betrieben hat.”

PC: Nein, bisher noch nicht. Wobei das für Inoak sicher cool wäre. Und ich würde das auch gerne mal ausprobieren.

metaschiq: Auf welcher Seite vom Karfreitagsmassaker zwischen Habs und Nordiques hätte er sich positioniert? Und war er als Kind im Forum?

PC: Eindeutig Nordiques. Und nein, ich war nie im Forum. Und im Centre Bell war ich das erste Mal bei meinem ersten NHL-Spiel. Sie haben mich hochgezogen und es war ein Auswärtsspiel in Montréal. Das war natürlich großartig.

fy_ehc: Bei welcher Station seines Eishockey-Spieler-Lebens hat er am meisten gelernt?

PC: Das Jahr, wo wir den Calder Cup in der AHL gewonnen haben. Wir hatten zwanzig Spiele in Folge gewonnen. In den Playoffs dann zwei Spiele verloren und den Rest wieder gewonnen. Das war eine grandiose Saison.

Ecki: Wenn er ein Monster wäre was wäre er dann?

PC: Ich wäre Shrek!

flobande: Wie viel Zeit investierst du in deine Bartpflege und was für Produkte nutzt du dafür?

PC: Das nennt sich Bull Dog, gibt es in der Drogerie zu kaufen. Das Öl davon ist sehr gut. Bart bürsten, Öl rein, das war’s.

here_invisible: Würdest du dir den Bart abrasieren, wenn die Eisbären Meister werden?

PC: Ja, vielleicht für den Sommer. Im Sommer ist es eh immer zu warm. Da stutze ich ihn.

mvx.bln: Auf welchen Spieler freust du dich immer besonders, wenn du ihn “triffst”?

PC: Mannheim im Allgemeinen und David Wolf im Besonderen. Ich spiele gerne gegen ihn, er erinnert mich ein wenig an mich selber.

aliciaindeutschland: Welcher ist dein Lieblingsplatz in Berlin?

PC: Mein Balkon ist ziemlich schön. Ich kann den Booten auf dem Fluss zusehen. Und ansonsten liebe ich das Essen aus dem Frischeparadies. Fantastisch! Und ich mag die Ecke hier rund um den Mercedes Platz. Ansonsten habe ich leider noch nicht genug gesehen. Aber das kommt dann.

_eb98 Wie hast du dich in Berlin zurechtgefunden?

PC: Am Anfang war es schrecklich. Aber nachdem ich umgezogen war, habe ich mich besser zurecht gefunden. Ich orientiere mich daran, wo meine Mitspieler wohnen. Das hilft mir, mich nicht zu verfahren.

ED: Gleich mehrere Leser wollten wissen, ob Du gerne bleiben würdest, ob wir Dich nächste Saison weiter hier sehen und wann du Deine Vertragsverlägerung unterschreibst?

PC: Meine Daumen sind gedrückt. Meine Frau und ich würden wahnsinnig gerne zurück kommen. Am Ende der Playoffs wissen wir es spätestens.


Dieses Interview erschien zuerst in der Ausgabe 177 des Eis-Dynamo.

Das Facebook Album mit allen PC Labrie Fotos vom Interview findet Ihr hier: facebook.com/Hauptstadteishockey

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