Hauptstadteishockey Zwischenzeugnis nach einem Viertel der Saison

Ein Viertel der Saison 2019/20 ist gespielt. Nach einem holprigen Start haben sich die Eisbären Berlin gefangen und stehen nach zwölf Spielen auf dem sechsten Tabellenplatz.
Der PDO Wert der Eisbären Berlin liegt nach dem ersten Saisonviertel bei 99.9. PDO ist ein Indikator für Glück im Eishockey. Ein Mannschaft mit einem Wert deutlich über 100 spielt aktuell eher über ihren Möglichkeiten. Die Eisbären befinden sich dort also in einem gesunden Bereich und die Tabellenplatzierung spiegelt ihre Leistung.
Was den Puckbesitz angeht, welcher im Eishockey durch das Verhältnis der eigenen Schüsse zu gegnerischen Schüssen ausgedrückt wird, befinden sich die Eisbären hinter Mannheim und Straubing auf dem dritten Platz.
Die Special Teams haben sich im bisherigen Saisonverlauf auch gebessert. Wie schlecht die Berliner Unterzahl zum Saisonbeginn war, zeigt ein Blick auf die Quote. Das Penaltykill hat nach zwölf Spielen eine Quote von 84,8 Prozent (Platz 6) und das obwohl die Eisbären seit sechs Spielen kein Gegentor in Unterzahl hinnehmen mussten. Das Powerplay hat mit 12 Prozent noch Verbesserungsbedarf und auch das System der Überzahl wirkt noch nicht ausgereift, allerdings trafen die Eisbären zuletzt häufiger in Überzahl.

Kommen wir zur Bewertung der Spieler. Diese ist natürlich subjektiv und ich bin gern bereit mit euch via Twitter oder Facebook über die Kategorisierung einzelner Spieler zu diskutieren. Ich habe die Spieler in fünf Kategorien, ausgedrückt durch Sterne, unterteilt. Nicht in der Bewertung tauschen Florian Busch, Landon Ferraro, Sebastian Streu und Maximilian Franzreb auf. Busch aufgrund seiner Verletzung, Ferraro ist erst seit zwei Spielen dabei, Franzreb und Streu haben kaum gespielt.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Lukas Reichel, Maxim Lapierre

Die einfachste Position im Kader der Eisbären Berlin, befindet sich in der Reihe neben Lapierre und Reichel. Die Chemie der beiden passt seit der Vorbereitung. Reichel besitzt die spielerische Reife, um gegen die besten Reihen des Gegners bestehen zu können. Nahezu 90 Prozent von Reichels Schüssen kommen aus dem Slot, dem gefährlichsten Bereich im Angriffsdrittel. Lapierre ergänzt durch sein Spielverständnis Offensiv wie Defensiv. An der Seite von Lapierre hatten Leo Pföderl und André Rankel bislang ihre besten Spiele der Saison.

⭐️⭐️⭐️⭐️
Jonas Müller, Ryan McKiernan, James Sheppard, Louis-Marc Aubry

Jonas Müller ist erwachsen geworden. Er spielt seine beste DEL Saison. Die Punkte werden irgendwann kommen. Müller spielt cleverer, macht mehr mit der Scheibe, schießt häufiger und ist auch in der eigenen Zone sehr solide. 
McKiernan hatte etwas Anlaufschwierigkeiten, hat sich aber gefunden. Spielt wichtige Minuten im Powerplay und in Unterzahl.
Sheppard und Aubry beweisen, wie wichtig die Tiefe auf der Centerposition in dieser Saison ist. Sheppard kommt in dieser Saison auch in Unterzahl zum Einsatz.

⭐️⭐️⭐️
Mark Olver, Austin Ortega, John Ramage, Fabian Dietz, Sebastian Dahm, Marcel Noebels

In dieser Kategorie finden sich Spieler, die in der bisherigen Saison ihre guten wie schwachen Momente hatten. Die Erwartungshaltung an Ortega bspw ist nach der vergangenen Saison sehr hoch. Bislang sucht er nach seinem Platz im Team. Weder an der Seite von Sheppard oder Aubry wollte es für Ortega klappen. Nun gibt es den erneuten Versuch neben Lapierre und Reichel.
Dahm ist nach einem durchwachsenem Start besser. Ramage fällt immer mehr auf und ist ein klasse Partner für Müller. Dietz erfüllt die Erwartungen.
Bei Noebels ist es ärgerlich, dass er in dieser Kategorie auftaucht. Wenn Noebels gut spielt, dann ist er ein Kandidat für vier oder fünf Sterne. Hat er schwache Spiele für zwei oder einen. Vom Talent ist Noebels einer der besten Spieler im Team. Es fehlt allerdings die Konstanz und

⭐️⭐️
Frank Hördler, André Rankel, Kai Wissmann, PC Labrie, Sean Backman 

Hördler gerät in der Defensive häufig außer Position und sorgt damit unnötig für Chaos. Die Beine sind mit Mitte dreißig auch nicht mehr so schnell wie der Kopf.
Rankel erlebt das Schicksal vieler ehemaliger Torjäger, die sich im Verlauf ihrer Karriere keine anderen Stil zulegen konnten. Nürnbergs Patrick Reimer z.B. sich in den vergangenen Jahren zu einem starken Zwei-Wege-Stürmer entwickelt. Bei Rankel liegen Licht (vier Vorlagen gegen Nürnberg) und Schatten (das Abenteuer vierte Reihe Center) in dieser Saison sehr weit auseinander.
PC Labrie mag in der Kabine ein super Typ sein. Ein Typ der die Stimmung in der Mannschaft hoch hält. Seine Physis kann sich auch noch zum Faktor werden, für krachende Checks kommt er jedoch meist zu spät. Sein Stellungsspiel in der eigenen Zone ist nicht gut. Zudem ist er meist der erste Spieler, der aus der Rotation genommen wird, wenn die Eisbären unbedingt ein Tor brauchen.
Vielleicht war es die Verletzung zum Saisonbeginn, aber Wissmann tut sich bislang schwer. Defensiv ist er häufig einen Schritt zu spät. Braucht im Aufbau zu lang, um eine Entscheidung zu treffen. Hatte einige schöne Momente (Vorlage zu Sheppards Tor gegen Straubing), aber davon noch zu wenige.
Backman fand sich gegen Nürnberg als 13. Stürmer auf dem Spielberichtsbogen. In keiner Reihe findet er bislang zu alter Stärke.

⭐️
Florian Kettemer, Constantin Braun, Leo Pföderl

Weniger als 30 Prozent von Kettemers Zone Exits sind kontrolliert. Das ist schlecht für einen Spieler, dessen Stärke es sein soll, den Puck aus der eigenen Zone in den Angriff zu bewegen. Das Paar mit Braun war das Chaos-Duo. Die beiden passten einfach nicht zueinander. Viel zu häufig haben sie im Aufbau für Puckverluste gesorgt, die zu Chancen und Gegentoren führten.
Leo Pföderl war bisher nur an der Seite von Lapierre und Reichel auffällig. Bislang ist er allerdings eine Enttäuschung. Nur ein Tor und eine Vorlage sind einfach zu wenig. Zu ihm werde ich in den kommenden Tagen einen ausführlicheren Beitrag schreiben.

Über unsere Tops und Flops der bisherigen Saison haben wir übrigens u.a. auch in Episode #26 des Hauptstadteishockey Podcast gesprochen.

5 Gedanken zu „Hauptstadteishockey Zwischenzeugnis nach einem Viertel der Saison

  • 24. Oktober 2019 um 2:14
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    Hallo, heute kann ich Euch leider nicht in allen Punkten zustimmen. PC und Rankel haben in meinen Augen auch 3 Sterne verdient. PC ist mit seiner Physis verdammt wichtig für die Mannschaft auf dem Eis, vorallem auch in Unterzahl und hat auch schon oft den einen oder anderen heißen Puk mit seinem Körper abgefangen, erobert oder auch gut weiter geleitet. Rankel scheint langsam sein Selbstbewusstsein wiederzubekommen und auch den Mut zu finden wieder mal den einen oder anderen Check zusetzen. In der Reihe mit Aubry und Landon scheint er seine Rolle gefunden zuhaben, genauso wie in der Reihe mit Maxim und Reichel. Backman hatte das Pech das der Trainer die Reihe mit ihm und Sheppard auseinander nahm warum auch immer, denn es war eine der Top Reihen auf die immer verlass war, der einzige Schwachpunkt in der Reihe war Noebels und in meinen Augen hätte man nur ihn tauschen sollen. So das ist mein kleines Statement dazu.
    Liebe Grüße Conny

    Antwort
    • 24. Oktober 2019 um 13:33
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      Da nehme ich mal Bezug auf Conny und das Thema Backman. Meiner Meinung war die Degradierung Backmans längst überfällig. Bisher glänzte dieser nur durch überhastete Abschlüsse, die in der Regel meilenweit am Tor vorbeigingen und wirkte neben Sheppard und Noebels eher wie ein Fremdkörper.

      Zu Noebels: Für mich auch trotz seiner wenigen Punkte bisher so überzeugend wie lange nicht mehr. Er spielt starke Pässe, schirmt die Scheibe stark ab und zeigt enorm viel Spielverständnis. Leider trägt das ganze keine Früchte, wenn man nebenbei einen komplett nebensich stehenden Backman in der Reihe hat.

      Und der gute P.C. Labrie dürfte eigentlich nicht einmal einen Stern bekommen. So toll er in der Kabine auch sein mag, aber ihm fehlt komplett die Qualität für die DEL. Spielverständnis, Technik und läuferische Fähigkeiten sind eigentlich nicht vorhanden. Zweifelsohne der schlechteste Ausländer der ganzen Liga, was doch sehr bedenklich sein sollte für unsere Ansprüche.

      Antwort
    • 24. Oktober 2019 um 14:16
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      Hallo Cornelia, danke für deinen Kommentar.
      Zu Labrie habe ich ja geschrieben, dass er häufig nicht in Position ist, um seine Physis einzubringen. In Unterzahl fällt dies umso mehr auf. Zu oft rennt seine Reihe dem Puck hinterher, das mag nicht allein an ihm liegen, allerdings bessert sich dies in denselben Reihen, wenn Labrie durch einen anderen Spieler ersetzt wird.
      Rankel hatte einige gute Momente und das Spiel gegen Nürnberg war gut, aber es war nur ein Spiel. Warten wir ab, wie es sich im zweiten Viertel entwickelt, dann kann es für ihn auch sicher nach oben gehen.
      LG Tom

      Antwort
      • 24. Oktober 2019 um 16:29
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        Lassen wir uns mal überraschen was die nächsten Spiele so bringen 😉und ich denke mal PC wird auch noch jeden überzeugen können wie wichtig er ist.

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