Eisbären Game Recap – Über Weißwasser zum Dolomiten Cup

Overreaction Monday – diesen Begriff werden Football Fans unter unseren LeserInnen sicher schon das ein oder andere Mal gehört haben. Gemeint ist der erste Montag nach dem NFL Saisonbeginn, an dem grundsätzlich alles schlecht oder alles besonders gut ist.
Nun ist es Montag, die Eisbären haben am Wochenende beim Dolomiten Cup beide Spiele verloren und das Turnier als letztes der vier Teams beendet. Außerdem warten sie nach drei Testspielen noch immer auf den ersten Sieg. Zeit zum überreagieren.

Ganz so einfach ist es vielleicht auch nicht. Wir befinden uns mitten in der Vorbereitung. Das Trainerteam um Chefcoach Serge Aubin arbeitet am Finetuning des neuen Systems. Ansätze sind bereits zu erkennen. Aber es gibt auch einige Fragezeichen.
Meine Gedanken aus den Spielen gegen die Lausitzer Füchse, SC Bern und Vålerenga IF zusammengetragen.

  • Das Powerplay sah, besonders beim Dolomiten Cup schon sehr interessant aus. Die Eisbären haben ziemlich schnell in die Aufstellung gefunden und die 1-3-1 Formation war deutlich zu erkennen. Schnelle Kombinationen viel Bewegung sorgten für Gefahr. Gerade die erste Formation mit Austin Ortega als Spielmacher, macht bereits viel Freude. Dem zweiten Powerplay fehlt noch ein so ein Spielmacher.
  • Auch die Unterzahl steigert sich von Spiel zu Spiel. Sie hatte ja beim Dolomiten Cup auch wieder viele Möglichkeiten, sich zu zeigen…
  • Offensiv fällt auf, dass Aubin scheinbar von seinen Verteidigern fordert aggressiv zu pinchen. Das heißt bei Scheibenverlust und im Forechecking soll ein Verteidiger noch im gegnerischen Drittel Druck auf den Gegner ausüben.
    Ein Beispiel: In der linken Ecke wird die Scheibe verloren. Der Gegner versucht den Druck der Berliner Stürmer zu entgehen und spielt die Scheibe über die Rechte Seite (Weak Side). Dort wird er von einem Verteidiger direkt unter Druck gesetzt.
    In einem konservativen System gelingt meist der Aufbau, wenn der Gegner dem ersten Druck der Stürmer entgeht, da sich beide Verteidiger auf Höhe der Mittellinie befinden. In den ersten Spielen unter Aubin übte allerdings ein Verteidiger Druck aus und attackierte den Stürmer bereits an dessen blauer Linie. Das Ziel dabei ist recht simpel, man will den Gegner zu frühen Puckverlusten zwingen und ihn im Umschaltspiel überraschen. Wichtig ist dabei die Absicherung. Verschätzt sich ein Verteidiger, kann es ganz schnell zu Überzahlsituationen kommen. In den bisherigen Tests stimmte die Balance
  • Lukas Reichel erhielt auffällig viel Eiszeit beim Dolomiten Cup. Sogar in Überzahl kam der 17-Jährige zum Einsatz. Er zahlt das Vertrauen zurück, fällt nicht negativ auf und kann für einige Akzente sorgen.
  • Das Spiel in der eigenen Zone wirkt oftmals wirr. Gerade gegen die spielstarken Schweizer vom SC Bern fiel das besonders auf. Das kann durchaus an der frühen Phase der Vorbereitung liegen und das sich die Abstimmungen in den Reihen und zwischen den Verteidigern erst noch finden muss. Kein Grund zur Panik.
  • Die Reihe Austin Ortega – James Sheppard – Sean Backman hatte ich zunächst kritisch gesehen. Zwei Rechtsschützen auf den Flügeln limitieren das Spiel doch etwas. Allerdings scheint sich Ortega nicht nur, wie oben erwähnt, in seiner Rolle als Playmaker im Powerplay zu gefallen. Auch bei fünf gegen fünf ist es meist Ortega, der für Kreativität in der Reihe sorgt. Zudem scheint die Abstimmung mit Backman bereits ganz gut zu funktionieren. Die beiden gehen häufig mit viel Tempo und kontrolliert durch die neutrale Zone. Sheppard bringt das physische Element in diese Reihe. Neun von zehn Zone Entries gegen Vålerenga IF am Sonntag waren kontrolliert. Die Reihe hatte damit das beste Verhältnis im gesamten Team.
  • Generell wirkt es, als gäbe es einige Spieler, die mehr Freiheiten genießen. Das ist erst mal nicht negativ gemeint. Von Außen betrachtet, sieht es so aus, als setzt das Trainerteam auf die Kreativität von Einzelspielern. Diese Spielmacher sind allerdings dann auch gezwungen zu produzieren. Gelingt ihnen das nicht, dann wird es schwierig für Gefahr zu sorgen, da sie zu sehr von diesen Spielern abhängig sind.
  • Es ist schwierig zu diesem frühen Zeitpunkt auf die Zusammenstellung der Reihen einzugehen. Bis zum ersten DEL Spiel gegen die Grizzlys Wolfsburg vergeht noch etwas Zeit. Einige Eindrücke konnte man dennoch bereits gewinnen. In Neumarkt spielten Jonas Müller und Constantin Braun zusammen in einem Verteidigerpaar. Ich empfand es als ungewöhnlich, dass Braun dabei die rechte Seite besetzte. Müller spielte in der Vergangenheit häufig auf seiner Off-Side, also als Linksschütze auf der rechten Seite der Verteidigung. Braun wirkte in einigen Defensiv-Situationen überfordert. Besonders im Spielaufbau ist es für Verteidiger schwierig auf der Off-Side zu spielen. Vier Zone Entries hatten Müller und Braun am Sonntag gegen den norwegischen Rekordmeister. Alle waren kontrollierte Entries in die Zone des Gegners und zeigt, dass die beiden ihre Stärken im Bewegen der Scheibe haben. Anders sah es am Sonntag zum Beispiel beim Paar Florian Kettemer – Ryan Mckiernan aus. Sie konnten die Scheibe nur einmal bei sechs Versuchen kontrolliert in das Angriffsdrittel bringen.

Fazit, es ist noch nicht an der Zeit, um in Panik auszubrechen. Im vergangenen Jahr haben die Eisbären alle Testspiele gegen teils hochgradige Gegner gewinnen können und haben dennoch eine durchwachsene Saison gespielt. Das neue System muss verinnerlicht werden, dies betonen die Spieler immer wieder. Dass noch nicht alle Räder ineinander greifen, ist auch nicht zu übersehen. Besonders im Umschaltspiel ist die Abhängigkeit von einzelnen Spielern noch zu groß. Bis zum ersten DEL-Saisonspiel gegen die Grizzlys Wolfsburg haben die Berliner noch ausreichend Zeit.

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