Eisbären Game Recap #21 – Erwachsen werden

In fünf Tagen hatten die Eisbären Berlin drei Spiele zu bestreiten. Auf ein souveränes 2:0 in Krefeld, folgte ein 4:3 Overtime Sieg gegen die Adler Mannheim. Dienstagabend bauten die Eisbären ihre Siegesserie gegen die Iserlohn Roosters auf vier Spiele aus.

  • Während der kurzen Pause, geht es nun in die entscheidende Phase der Hauptrunde. Einen kleinen Puffer auf Platz fünf, haben sich die Eisbären zuletzt erspielen können. Sicher ist der Heimvorteil im Viertelfinale allerdings noch lange nicht. Umso besser ist es, dass gegen Krefeld Louis-Marc Aubry nach überstandener Knieverletzung in den Kader zurückkehrte. Er gibt die nötige Tiefe auf der Mittelstürmerposition und sorgt für mehr Ausgeglichenheit der Sturmreihen. Mit elf Minuten gegen Krefeld und achteinhalb Minuten gegen Mannheim, wurde er langsam wieder herangeführt. Gegen die Roosters spielte er dann wieder über zehn Minuten. Gegen Mannheim und Iserlohn bereitete er jeweils Treffer vor.
  • Die angesprochene Tiefe zeigte sich in den vergangenen drei Spielen. Austin Ortega erzielte gegen Mannheim zwei Tore und legte einen Treffer gegen Iserlohn nach. Durch die Rückkehr von Aubry spielt er in der dritten Berliner Sturmreihe. Mark Olver, André Rankel und Sebastian Streu sind als vierte Reihe eine Formation, der Serge Aubin in jeder Situation vertrauen kann. Die Reihen drei und vier bilden das Rückgrat.
  • Gäbe es in der Deutschen Eishockey Liga eine Auszeichnung, für den am meisten unterschätzten Spieler der Liga, Mark Olver gehört mindestens unter die Top-3. Seine Vielseitigkeit hat den Eisbären in dieser Saison häufig geholfen. Aktuell spielt er in der vierten Reihe als Center. Er trägt die Reihe mit seinem defensiven Verantwortungsbewusstsein und seinem offensiven Verständnis. 2,74 Punkte macht Olver auf 60 Minuten hochgerechnet. Damit liegt er bei den Eisbären hinter Reichel, Ortega und Noebels teamintern auf Patz vier. Das Trainerteam vertraut Olver in den Schlussminuten enger Spiele und rückt meist auf, wenn die Bank auf drei Reihen gekürzt wird. Zudem ist er ein wichtiger Bestandteil des Berliner Unterzahlspiels. Wenn dein vierter Center in 38 Spielen zwölf Tore schießt und 17 Vorlagen gibt, hast du ein Luxusproblem auf der Centerposition.
  • Das Spiel gegen Mannheim hat dies auch deutlich gezeigt. Klar, die Top-Reihe um Marcel Noebels, James Sheppard und Leo Pföderl bekommt die meiste Eiszeit. Bei Noebels und Sheppard sind auch über sechs Minuten in Über- und Unterzahl dabei. Gegen Mannheim waren Noebels und Sheppard die einzigen Stürmer mit mehr als 20 Minuten Eiszeit. Und das in einem Spiel, das in die Overtime ging.
  • In den letzten Wochen haben die Eisbären gegen München und Mannheim gewonnen. Damit haben sie bewiesen, dass sie diese Mannschaften schlagen können. Bislang tu ich mich allerdings noch schwer mit dem Gedanken, dass sie München oder Mannheim über sieben Spiele schlagen können. Im Powerplay war am Sonntag beispielsweise ein deutlicher Unterschied zwischen dem Berliner und dem Mannheimer Stil zu erkennen. Die Adler waren geradlinig und spielten die Scheibe schnell, immer auf der Suche nach dem Abschluss.
    Bei den Eisbären ist es immer noch sehr viel Stückwerk. In der Aufstellung dauert die Scheibenbewegung zu lang. Herausgespielte Chancen wirken wie Zufallsprodukte. Selten spielen sie es so geradlinig wie bei Austin Ortegas Siegtreffer gegen die Adler. Dort wurde die Scheibe schnell bewegt, durch den Slot (Royal Road) gepasst und von Ortega optimal verwertet. Auch Lukas Reichels Treffer gegen Iserlohn, wo er erkannte, wie viel Platz ihm die Roosters lassen, den er für einen Abschluss nutzen konnte.
    Im schlechtesten Fall führt die gefühlte Planlosigkeit zu diesen kompletten Zusammenbrüchen und wie gegen Iserlohn, zu Gegentoren in Überzahl.
  • Dass die Eisbären eine Spitzenmannschaft sind, zeigten die beiden Auftritte gegen Krefeld und Iserlohn. In beiden Spielen kontrollierten sie den Spielverlauf. Zwar gerieten sie gegen die Roosters in Rückstand, schmissen dann allerdings den Motor an und dominierten die Sauerländer. In der nordamerikanischen Berichterstattung wird häufig davon gesprochen, dass eine Mannschaft erwachsen wird. Sie lernen zu siegen, sie lernen zu verlieren. Es geht dabei auch darum, eine gewisse Souveränität zu entwickeln. Das Vertrauen in das eigene Können steigt. Leistungsschwankungen werden weniger. Die Rollen der Spieler etablieren sich. Das Trainerteam lernt, welchen Spielern es in welchen Situationen vertrauen kann.
    Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass diese Mannschaft langsam erwachsen wird.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.