Eisbären Game Recap 01 – Die zwei Gesichter

Da war der Sommer doch irgendwie schneller vorüber als gedacht. Aber da ist sie nun, die Saison 2019/20. Das erste Wochenende der Deutschen Eishockey Liga liegt hinter den Eisbären Berlin. Auch in dieser Saison blicke ich immer Montags auf das Wochenende der Eisbären zurück, ohne die Spiele nachzuerzählen. Im Game Recap versuche ich einzelne Szenen und Auffälligkeiten aus den Spielen zu analysieren, Gedanken mit euch zu teilen, um so einen etwas anderen Blick auf die Spiele der Eisbären Berlin zu liefern.
Genug Vorgeplänkel, lasst uns mit dem ersten Game Recap der Saison 2019/20 beginnen.

Das erste Wochenende begann mit einem überzeugenden 4:1 Sieg gegen die Grizzlys Wolfsburg. Die positive Stimmung, die das Spiel gegen
die Niedersachsen hinterließ, wurde am Sonntag durch eine 0:5 Niederlage in Bremerhaven getrübt.

Zunächst muss hier nochmal an die tolle Art erinnert werden, mit der Hartmut Nickel vor dem Spiel gegen Wolfsburg geehrt wurde. Die Fankurve trägt nun den Namen “Hartmut Nickel Kurve” und das Video, welches im Anschluss an eine Schweigeminute gezeigt wurde, deckte so ziemliche jede Station in der Karriere von Nickel ab und schloss mit einem Zitat der Dynamo-Legende. Es war ein würdiges Tribut an Hartmut Nickel.

  • Nach einem kurzen Abtasten beider Mannschaften, übernahmen die Eisbären nach und nach die Kontrolle des Spiels am Freitag. In ihrem ersten Push konnten sie auch direkt die Führung erzielen. Nach einer schönen Rotation von James Sheppard und Florian Kettemer, konnte Marcel Noebels Chet Pickard das erste Mal aus kurzer Distanz überwinden.
    In der Folge hatten die Berliner klar mehr vom Spiel, verpassten es allerdings die Führung weiter auszubauen. Das lag vor allem auch daran, dass sie zu viele Schüsse von Außen abgaben. Dies änderte sich mit Beginn des zweiten Drittels.
  • Nach dem, in der Entstehung, etwas glücklichen 2:0 durch Sheppard zu Beginn des zweiten Abschnitts, hatten die Eisbären die volle Kontrolle über das Spiel. Es war vor allem beeindruckend, wie sie durch ihren unnachgiebigen Forecheck immer wieder Scheibenverluste im Wolfsburger Drittel kreierten. Die Grizzlys konnten sich kaum Chancen aus dem eigenen Aufbau erspielen, da dieser immer wieder von den Eisbären unterbunden wurde. Ein paar Wackler gab es nur dann, wenn die Berliner die Scheibe nicht sauber aus dem eigenen Drittel bekommen haben.
  • Der lange Pass aus dem eigenen Drittel, durch die neutrale Zone, auf einen Stürmer an der blauen Linie, ist kein elementarer Bestandteil des Systems von Serge Aubin. Eher wird versucht mit kurzen Pässen im eigenen Drittel und der neutralen Zone, in das Angriffsdrittel zu gelangen. Der lange Stretch Pass kann aber in der richtigen Situation zur Waffe werden. So wie beim Pass von Constantin Braun auf PC Labrie, der zum 3:0 führte. Mit in einen Wechsel von beiden Mannschaften, erkannte Braun den lauernden Labrie, spielte einen perfekten Pass und Labrie schloss ebenso stark ab.
    Einige ähnliche Pässe versuchte Braun auch am Sonntag in Bremerhaven zu spielen, sie blieben dort allerdings ohne Erfolg.
  • Vielleicht ist Maxime Lapierre doch nicht so langsam, wie ich dachte. Auf dem oberen Bild (Quelle:MagentaSport) sehen wir den Abstand, den er zu Brent Aubin hatte, als dieser den Puck vertändelte. Unten dann der Vorsprung, den Lapierre zum Zeitpunkt seines Abschlusses hatte. Klar Aubin muss sich umdrehen und den Sprint aufnehmen, während Lapierre sich bereits in der Vorwärtsbewegung befindet. Dass er allerdings ca. 2m Vorsprung hat, als er das Tor schießt, ist nicht selbstverständlich.
Maxime Lapierre Unterzahltor (Quelle: MagentaSport)
  • So ziemlich alles, was am Freitag für die Eisbären gut lief: der saubere Aufbau aus der eigenen Zone, kontrolliertes Spiel durch die neutrale Zone, harter Forecheck, minimieren von Chancen des Gegners durch defensive Ordnung – klappte am Sonntag in Bremerhaven nicht mehr.
  • Wie man es mittlerweile von Pinguins Bremerhaven gewöhnt ist, definiert sich das Team von Thomas Popiesch nicht allein über Defensiveishockey. Viel mehr will Bremerhaven aktiv am Spiel teilnehmen und jeden Gegner unter Druck setzen. Mit diesem Druck hatten die Eisbären über das gesamte Spiel Probleme. Selten kamen sie aus durch einen kontrollierten Aufbau aus dem eigenen Drittel. Viele Fehlpässe und Puckverluste im eigenen Drittel führten zu Chancen der Pinguins.
  • Die Special Teams waren für die Eisbären das ganze Wochenende kein Faktor. Hier sah man noch am deutlichsten, dass hier noch die nötige Arbeit in der Abstimmung und dem System getan werden muss. Das Powerplay fand am Sonntag in seinen sechs Möglichkeiten kaum in die Aufstellung. Die Entscheidungsfindung dauerte zu lang, sodass sich Bremerhaven mit gut getimten Druck immer wieder befreien konnte. Bemerkenswert ist, dass der Coachingstaff aktuell auf zwei Formationen setzt. In der ersten Formation besetzt Labrie den Raum vor dem Tor, Lapierre als Bumper im Slot, Reichel als Spielmacher auf der linken Seite, Aubry an der rechten Bande und Braun als Quarterback. In der zweiten Formation spielen in denselben Rollen: Sheppard, Noebels, Pföderl, Ortega und McKiernan.
  • Zwischen beiden Bildern vergehen genau zwei Sekunden. Keiner der Berliner Penaltykiller hat Justin Feser auf dem Schirm, der den Weg von der blauen Linie, in den rechten Bullykreis läuft. Beide Verteidiger lassen sich auf die linke Seite locken und offnen so den Passweg, der zum 4:0 der Pinguins führt.
  • Sehr durcheinander wirkte auch das Unterzahlspiel. Drei Gegentore kassierten die Eisbären am Wochenende in Unterzahl. Auffällig dabei, dass der Abstand zwischen den Stürmern und der Verteidigern noch nicht passt. Dieser ist meist etwas zu groß. Besonders gegen Bremerhaven war so die mittlere Position offen für gefährliche Anspiele. Breakdowns durch schnelle Kombinationen, wie im Screenshot (Quelle:MagentaSport) zu sehen ist, dürfen natürlich nicht passieren.
Penaltykill Fail bhv
(Quelle:MagentaSport)
  • Die Strafe gegen Aubry, die zu dieser Bremerhavener Überzahl führte, war natürlich Quatsch. Allerdings auch ein direktes Resultat aus dem Faustkampf, den sich Austin Ortega wenige Minuten zuvor mit Alex Friesen lieferte. Denn was die Schiedsrichter zuvor großzügig laufen ließen, wurde nun konsequent gepfiffen. Oder eben kleinlich, wie bei der Strafe gegen Aubry. Somit hat Ortega mit der Schlägerei vor allem die Schiedsrichter wachgerüttelt und weniger seine Mannschaft. Zudem kam er nachdem er seine Strafzeit abgesessen hatte, nicht mehr zurück und konnte der Mannschaft nicht mehr helfen.

Letztlich zeigten die Eisbären Berlin an diesem Wochenende zwei Gesichter. Gegen einen schwachen Gegner dominierten sie – gegen einen Gegner, der mitspielen will, hatten sie erhebliche Probleme. Es wartet in den kommenden Tagen also noch einiges an Arbeit auf den Trainerstab, denn am kommenden Wochenende warten mit Köln und München gleich zwei Topteams.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.