Ein Kapitän zum Knutschen

Es ist eine dieser Geschichten, die nur in magischen Nächten entstehen kann. Sie hat mit dem heutigen Eisbär des Tages zu tun. Vielleicht ist er sogar der Eisbär der Woche, des Monats und des Jahres. Denn wenn ein Spieler seinen Rücktritt vom Leistungssport verkündet, der 17 Jahre lang für einen Club gespielt hat, dann ist er etwas ganz besonderes. Dann ist es egal, ob er im März schon verabschiedet wurde und eigentlich woanders noch Eishockeyspielen wollte. Wenn er dann noch acht Jahre lang Kapitän war, sieben Meistertitel mit diesem Club gewonnen hat, die European Trophy, den Pokal auch und Rekordtorschütze ist, wenn er also sowieso viele andere Kategorien anführt, dann ist es keine Frage. Es bedarf einer speziellen Würdigung. Deshalb zurück zu dieser magischen Nacht in Düsseldorf vor elfeinhalb Jahren. Die Eisbären waren gerade Meister geworden und in seiner Glückseligkeit soll ein Eisbären-Fan dem damals in den Playoffs besten Torschützen der Meistermannschaft einen innigen, nein, sehr innigen Kuss verpasst haben. Seitdem hatten beide eine besondere Beziehung zueinander.

Wir haben mit Eisbären-Fan Gordon Berg (41) über die Nacht in Düsseldorf und natürlich André Rankel, der ewigen #24 der Eisbären Berlin, gesprochen.

Gordon, André Rankel musste heute seine Karriere beenden, wie traurig bist Du?

Gordon Berg: Wenn man das dann noch mal so liest und hört, ist das schon ein richtiger Endpunkt. Das Ende einer richtigen Ära! Der Club ist anscheinend gerade sowieso in Veränderung begriffen und eine neue Generation scheint anzubrechen. Ob das jetzt so gut wird, wie bisher, wird sich zeigen.

Gerade in den letzten Spielzeiten hat sich die #24 der Eisbären sehr in den Dienst des Teams gestellt, war er immer noch der Spieler, den Du so schätzen gelernt hast?

Gordon Berg: Andrés Rolle hatte sich schon in den letzten zwei-drei Jahren sehr verändert. Man hat das auch gemerkt, dass es ihm aufm Eis nicht mehr so viel Spaß gemacht hat, wie früher. Wenig Eiszeit, nur Unterzahl, mehr als Grinder in der vierten Reihe… Er war doch eher so ein Power- Forward, der zwar übers körperliche kam, aber eben auch die Tore zur richtigen Zeit geschossen hat. André Rankel in seinen besten Zeiten war immer, harte Checks und geile Schlagschuss-Tore.

Welche Szenen bleiben Dir besonders von André im Kopf?

Gordon Berg: Ich erinnere mich da an eine Szene gegen Hamburg, da ist der Puck wieder rausgekommen.

Stimmt…

Gordon Berg: Er kam über links rein über die blaue Linie ins gegnerische Drittel, hat kurz hoch geguckt und dann in die kurze Ecke abgezogen. Dann kam der Puck hinten wieder raus. Das war ein typisches Rankel-Tor! Und dann ja, an diesen dusseligen Check in Straubing kann sich bestimmt auch jeder erinnern. Ob der jetzt fair war oder nicht, konnte man ja weder im Stadion noch im Fernsehen wirklich sehen. Die 10 Spiele Sperre, nun ja… Aber diese Aktionen waren es, mit denen André sich immer weiter in unser Gedächtnis spielte. Man muss sagen, was ja auch prägend war, war diese RUM-Reihe mit André, Stefan Ustorf und TJ Mulock. Da haben die ja die ganze Liga zusammengeschossen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, ihnen auf dem Eis zuzugucken.

Gehen wir mal von der RUM-Reihe noch zwei Jahre zurück. Es gab da diese Szene nach der Meisterschaft 2009 im ISS Dome. Wie kam es dazu?

Gordon Berg: Da sind wir ja Meister geworden. Im Spiel erst 0:2 hinten gelegen, dann 4:2 gewonnen. Es gab bei unserem Busorganisator Robert Papke auf den Fahrten, bei denen „etwas passieren“ konnte, immer zwei Abfahrtzeiten nach dem Spiel, bei Niederlage, eine halbe Stunde nachm Spiel Abfahrt, wenn wir gewonnen haben, aber erst zwei Stunden nach Spielende. Und wir waren also da in diesem ISS Dome und haben gefeiert. Es waren nicht allzu viele Eisbärenfans vor Ort, vielleicht 300-400. Aber natürlich genau die richtigen. Wir waren dann hinten an dem Spielerausgang, weil es drinnen irgendwann vorbei war. Die Spieler kamen dann raus und wir standen da alle. Rankel hatte den Pokal, seine Frau Anita war auch da und die haben dann erst mal rumgeknutscht. Wir haben ihnen dann zugerufen, was ist denn jetzt, f***en oder feiern? Und dann ist es irgendwie passiert, dass ich André auch geknutscht habe. Warum auch immer…! Ne Woche später bei der Meisterfeier in der Arena haben wir uns dann zufällig aufm Klo wiedergetroffen. Ich fragte ihn, kannst Du Dich noch an Düsseldorf erinnern und er sagte‚ „Ja, Du bist doch der, der immer alle heiß macht und dann abhaut…‘

Warst Du ab diesem Zeitpunkt dann Rankel-Fan?

Gordon Berg: Ach nee, ich war immer Eisbärenfan. So ein Personenkult, auch wenn es dann noch andere Spieler gab, mit denen ich irgendwie lose Verbindungen hatte, lag mir immer fern.

Aber Du hast trotzdem Originaltrikots von André…

Gordon Berg: Ja, ich hab eins gewonnen bei den Eisbären und dann sind noch drei weitere dazu gekommen. Mehr aber nicht. Das ist ja auch so in Ordnung.

Jetzt musst Du Dir dennoch einen neuen Eisbären-Liebling suchen. Wird es die #44 oder die #81?

Gordon Berg: Also Lukas habe ich schon zu Hause, also als Trikot. Der ist ja auch mein Nachbar, aber auch nicht mehr lange in Berlin. Parker Tuomie hat mir in der Vorbereitung auf die neue Saison schon gefallen. Ich würde ihn fast sogar ein bisschen mit André vergleichen. Den könnte man sich mal genauer angucken. Ich darf nur nicht zu viel erzählen, sonst werden die anderen Trikotsammler hellhörig und dann steigen die Preise.

André ist Rekordtorschütze der Eisbären mit doch recht großem Abstand und es wird schwer, ihn in naher Zukunft einzuholen. Wie sehr werden wir in Berlin seine Tore vermissen?

Gordon Berg: Sehr, denke ich! Es ist ja nicht nur er, der den Eisbären fehlt, sondern da sind auch noch 3-4 andere gegangen. Na klar, man hat einen sehr guten Torhüter geholt, aber vorne könnte es eng werden. Deshalb war die Verpflichtung von dem Foucault sicher auch bitter nötig. Wenn die Mannschaft aber so 2-3 Jahre zusammen bleibt, kann man mit der auf jeden Fall was reißen.

Vielen Dank für das Interview, Gordi!

André und Gordon voll unterwegs bei der Meisterfeier 2013 am Fanbogen. Der Meisterkuss wurde zum Ritual. Foto: Privat.

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