Die Stärken und Schwächen des “System Aubin”

“Ich möchte, dass wir mit Leidenschaft spielen, ich möchte eine schlaue Mannschaft, die das Spiel bestimmt, den Puck kontrolliert, die unerbittlich ist, wenn wir den Puck nicht haben. Dynamisch und mitreißend soll die Mannschaft agieren.” Das waren die Worte von Eisbären Chefcoach Serge Aubin, getätigt gegenüber der Berliner Presse, mitten in der Sommerpause. Zudem wurde in der Saisonvorbereitung fast schon gebetsmühlenartig gepredigt, dass man lernen muss, das neue System umzusetzen.

Wir messen Serge Aubin an diesen Worten und blicken darauf, wie das “System Aubin” in der Offensive aussieht und wo es seine Stärken und Schwächen hat. Dafür haben wir jedes erzielte Tor der Eisbären in seiner Entstehung getrackt und kategorisiert.

Stärken

Aubins Anforderung, das Spiel zu bestimmen und den Puck zu kontrollieren, geht in Teilen auf. Mit einem Schussanteil (dieser steht im Eishockey stellvertretend für Puckbesitz) von 51,77% liegen die Eisbären ligaweit auf Platz fünf. Was sie mit dem Puck anfangen, ist je nach Spielsituation aber höchst unterschiedlich. Acht ihrer 18 Tore bei gleicher Anzahl Spieler auf dem Eis schossen die Eisbären in dieser Saison im Rush, also nach einer kontrollierten Spieleröffnung mit schnellem Abschluss. Weitere vier Tore gelangen den Eisbären nach Turnovern, also nach forcierten Puckverlusten des Gegners sowie weitere zwei Tore nach Breakaways.

Daraus lassen sich zwei Stärken ableiten:

1. die gegnerische Defensive mit Geschwindigkeit und Puckbesitz überwinden und schnell zum Abschluss kommen, hier veranschaulicht durch Austin Ortega gegen Krefeld


2. einen aggressiven Forecheck fahren, Puckverluste herbeiführen und schnell umschalten. Hier das Umschaltspiel bei Frank Hördlers Tor gegen die Kölner Haie


Schwächen

Nur sechs Tore schossen die Eisbären bislang, wenn sie sich länger im gegnerischen Drittel festsetzen konnten. Dreimal fanden sie durch einen Querpass einen Abnehmer, zweimal durch einen Pass von hinterm Tor und einmal durch einen Schuss von der blauen Linie. Oftmals fehlt der Mannschaft ein Konzept oder die Kreativität, um Lücken in die gegnerischen Defensive zu reißen. Stattdessen geht es oft über außen, bis ein Verteidiger den Puck von der blauen Linie vors Tor wirft. 

Wie erfolglos dieses Vorgehen ist, sieht man in dieser 5-gegen-5 Shot Map. Sie visualisiert alle Schussversuche der Eisbären-Verteidiger bei gleicher Anzahl Spieler auf dem Eis von der blauen Linie:

Von 117 Schussversuchen gingen mit 54 nicht einmal die Hälfte aufs Tor, 32 Schüsse gingen vorbei, 31 Schüsse wurden geblockt. Einzig Ryan McKiernan hat bisher aus einer solchen Situation getroffen (zwei Mal). Heruntergebrochen auf die Schussversuche macht dies eine Erfolgsquote von 1,71%.

Fazit

Das “System Aubin” ist erkennbar. Über weite Strecken setzt die Mannschaft die Vorgaben des Trainers um und ist damit erfolgreich. Was derzeit noch fehlt, ist die Fähigkeit, auch aus anderen Spielsituationen heraus Tore zu erzielen. Dass es ohne Konzept und Kreativität in der offensiven Zone Probleme gibt, sieht man unter anderem auch im Powerplay. Mittelfristig werden die Eisbären daran arbeiten müssen, diese Schwäche auszumerzen um auch einmal mit einem Plan B ein Spiel zu gewinnen.

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