Die rasante Entwicklung von Lukas Reichel

Am 14. Januar 2020 berichteten wir in Teil 1 unserer kleinen Serie Lukas-Reichel-Serie über seinen Aufstieg im NHL-Draft Midterm Ranking. In Teil 2 der Serie werfen wir einen Blick auf seine bisherige Entwicklung, die Gründe für sein gestiegenes Ansehen bei den Scouts und womöglich auf seine vorerst letzte Saison im Dress der Eisbären.

Rasante Entwicklung

Lukas Reichel ist 17 Jahre alt und spielt seine erste Profisaison im Trikot der Eisbären. Zur Saison 2018/2019 wechselte er aus der Jugend der Starbulls Rosenheim zu den Eisbären Juniors und erzielte 42 Punkte in 32 Hauptrundenspielen für das DNL Team sowie sieben Punkte in fünf Playoffspielen.

Im Sommer absolvierte er die komplette Vorbereitung mit dem DEL Team und empfahl sich dort für einen Platz im Profikader. Am 26. September gelang ihm gegen Mannheim sein erstes Profitor, inzwischen liegt er bei acht Toren und acht Assists und ist damit drittbester U23 Scorer der DEL. Vor ihm liegen nur Tim Stützle, das Toptalent aus Mannheim, und Tim Wohlgemuth aus Ingolstadt, der aber elf Spiele mehr als Reichel bestritt.

Hockey IQ

Im N.ICE Magazin von Rick Goldmann äußerte sich Maxim Lapierre über den hohen “Hockey IQ” von Reichel. Er spielt clever, trifft auf dem Eis offensiv und defensiv die richtigen Entscheidungen und sei immer genau dort, wo Lapierre es sich wünscht. Mit 1,85 Torschüssen pro Spiel schießt Reichel zwar nicht allzu oft aufs Tor, aber die Schüsse, die er nimmt, kommen fast immer aus gefährlichen Bereichen.

Fast 80% seiner Torschüsse kommen aus dem Slot. Das ist teaminterner Bestwert und ligaweit der dritthöchste Anteil aller Spieler mit mehr als 30 Torschüssen in dieser Saison. Das bedeutet nichts anderes, als dass Reichel sehr häufig nur dann schießt, wenn es für ihn auch die beste Option ist. Andernfalls versucht er entweder seine Teamkollegen in eine bessere Schussposition zu bringen oder den Puck in den eigenen Reihen zu halten.

Grafik: @h_modes Datenquelle: @le_affan

Das Ergebnis dessen ist seine Schussquote von 16,67%, teamintern die vierthöchste hinter Mark Olver, James Sheppard und Marcel Noebels.

Intelligenten Eishockeyspielern sagt man außerdem nach, dass sie ihre Reihenpartner besser machen. Auch dies lässt sich bei Reichel nachweisen. In 26 Spielen spielte er 24 mal an der Seite von Maxim Lapierre. In diesen Partien erzielte Lapierre 0,79 Punkte/Spiel. In den zwölf Spielen, in denen Lapierre ohne Reichel auskommen musste, erzielte er nur 0,42 Punkte/Spiel.

Als Defizit wird oft die körperliche Komponente in seinem Spiel gesehen. Bei einem Gewicht von nur 77 kg sind nur zehn Spieler in der Liga leichter als er. Trotzdem weiß er, sich in den Zweikämpfen durch agiles Körperspiel und Stickhandling zu behaupten und kann auch auf engem Raum Torchancen kreieren.

Das Problem mit der Eiszeit

Betrachtet man seine Statistiken nicht auf die Anzahl der Spiele, sondern auf seine Eiszeit, sieht man erst, welches enorme Potential auch jetzt noch in Reichel schlummert – wenn er denn adäquat eingesetzt werden würde.

Bei den Eisbären ist Reichel mit 13:13 Minuten der Stürmer mit der zehntmeisten Eiszeit pro Spiel. Von den Spielern, die regelmäßig spielen, bekommen nur André Rankel, PC Labrie sowie die anderen beiden U23 Stürmer Sebastian Streu und Fabian Dietz weniger Eiszeit – alles Spieler, die eher in den hinteren Sturmreihen eingesetzt werden. Dagegen läuft sein Schnitt von 2,97 Punkten pro 60 Minuten Eiszeit – das ist der Topwert der Eisbären. Man könnte also daraus schließen, dass Lukas Reichel noch erfolgreicher scoren könnte, wenn er denn auch wie ein Top-6 Stürmer behandelt werden würde. Stattdessen rotierte am letzten Wochenende immer wieder Constantin Braun, seines Zeichens Verteidiger, auf den Platz von Lukas Reichel, spielte dort neben Maxim Lapierre und Austin Ortega und bekam in den letzten zwei Spielen 2:15 Minuten mehr Eiszeit als Reichel. Braun hat, seit er als Stürmer eingesetzt wird, noch nicht einen Scorerpunkt geholt.

Chancen im NHL Draft

In Berlin wird man nicht mehr viel von Lukas Reichel haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits nächste Saison in Nordamerika spielt, ist hoch. Nicht nur in den NHL-Draft Midterm Rankings wird er inzwischen hoch gelistet, wie @le_affan aus 15 verschiedenen Draft Rankings ermittelte. Im Schnitt wird Reichel auf Rang 37 des kommenden NHL Entry Drafts gesehen, das entspräche einem Draft in der frühen 2. Runde. Es ist aber alles andere als ausgeschlossen, dass sich sein Status noch weiter verbessert. Auch Moritz Seider wurde im Dezember letzten Jahres noch als später Erstrundenpick gehandelt.

Reichel wird zwar nicht wie Seider am Ende der Überraschungspick in den Top 10 werden, bei seiner aktuellen Entwicklung ist bis zum Draft aber noch immer Luft nach oben.

3 Gedanken zu „Die rasante Entwicklung von Lukas Reichel

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