“Die Meisterschaft! Die ist schon das große Ziel!” – Leo Pföderl im Interview mit dem Eis-Dynamo

Groß war die Begeisterung in Berlin, als Anfang letzten Jahres feststand, dass mit Leo Pföderl ein weiterer Olympia-Silber-Held nach Berlin wechselt. Eigentlich wollten wir uns mit dem sympathischen und bodenständigen Bajuwaren schon im September unterhalten, das hatte leider nicht geklappt und so trafen sich Anath und Alfred Ehrlich mit Leonhard Pföderl, wie er eigentlich offiziell heißt, nach der Partie gegen Ingolstadt.

Eis-Dynamo (ED): Hallo Leo, du weißt, wer wir sind?

Leo Pföderl (LP): Ja, ein bisschen, Dani (Daniel Goldstein) hatte kurz was gesagt…

ED: Na, wir sind ein Fanzine, das fast genauso alt ist wie du, aber eben ein Fanzine und damit, unter uns gesagt, etwas netter, hoffen wir, als die Profikollegen.

LP: Na, das macht ja nix!

ED: Du hast ja reichlich Interviews gegeben in den letzten Jahren und bist auch für das kürzeste berühmt…

LP: Vielleicht schaffen wir das ja wieder!

ED: Fünf Fragen in zwölf Sekunden sollen es gewesen sein.

LP: Ja, es waren wohl schlechte Fragen, also reißt euch zusammen! Manchmal wird ja auch ganz schöner Schmarrn gefragt.

ED: Okay! Leo oder Leonhard?

LP: Leo!

ED: Schon immer?

LP: Ja, bis auf die Oma oder manchmal die Mama, die sagen ab und an Leonhard.

ED: Also nur wenn es bösartig wird?

LP: Das wird es bei mir nie! Also Leo.

ED: Du weißt, dass du in Berlin, als in Bad Tölz geborener Spieler in große Fußstapfen trittst? Ende der neunziger, Anfang der zweitausender Jahre hatten wir mit dem Funk-Clan, Lenz sr, Lenz jr, Flocko und Andreas Brockmann, quasi das halbe Dorf hier.

LP: Klar, weiß ich das …

ED: Ist man in Bad Tölz quasi gezwungen, Eishockey zu spielen?

LP: Gezwungen nicht, es bietet sich halt an, dass man bei uns ein bisschen Wintersport macht. Ob man nun zum Eishockey geht oder zum Skifahren, ist egal, es gibt aus Tölz auch ein paar ganz gute Skifahrer. Bei mir war es eher so, dass wir im Winter nicht mehr Fußballspielen konnten und dann drauf gekommen sind, mal beim Eishockey rein zu schauen.

ED: Wie alt warst du da?

LP: Ich glaube sieben. Also eigentlich ein Späteinsteiger.

ED: Aber ein talentierter Späteinsteiger.

LP: Ja, ich denke, ich war bei allem, was Sport angeht, immer relativ talentiert. Dafür habe ich aber auch keine weiteren Talente. Sport ja, ob‘s mit dem Ball oder Puck war, Laufen oder Springen, das war schon immer meins, aber sonst nichts so richtig.

ED: Das hat dich aber weit gebracht!

LP: Ja, immerhin hierher!

ED: Du sagst, du hast keine anderen Talente, aber du hast immerhin eine Ausbildung als Maurer gemacht und intensiv an dem Bau eines Floßes mitgewirkt, das spricht doch dafür, dass zumindest handwerkliche Talente vorhanden sind, oder?

LP: Ja gut, ich musste ja irgendetwas arbeiten. Ich war mit siebzehn fertig mit der Schule und da habe ich noch nicht daran gedacht, dass ich mal Eishockey-Profi werde. Das war so nicht eingeplant. Ich war zwar für Tölzer Verhältnisse schon gut, dass es aber zu einer Eishockeykarriere reicht, hat damals keiner geglaubt. Wir haben eine Baufirma daheim, meine Brüder sind schon auf dem Bau, also war eigentlich klar, dass jetzt auch noch der Kleine ein bisschen mitmischt.

ED: Dann ging es aber doch relativ schnell nach Nürnberg.

LP: Ja, das war damals so wie heute, dass es eine Regelung gab, dass du pro Team so und so viele U20-Spieler haben musst. Da haben die mir einen Vertrag vorgelegt und gesagt, unterschreib mal und komm zu uns. Das habe ich dann mehr oder weniger blind gemacht, aber es hat ja, Gott sei Dank, sehr gut funktioniert.

ED: Dein Wechsel nach Berlin stand im letzten Jahr relativ früh fest. Was war das Ausschlaggebende? Die Eisbären haben sich zwar noch lange bedeckt gehalten, aber aus Nürnberg war zu hören, dass es feststand.

LP: Ich glaube, das war eher die Berliner Presse, die das vermeldet hat. Da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich das zuerst in der Berliner Presse gelesen habe.

ED: Das kann sein, es war, glaube ich, sogar „BILD“ aber immer mit einem Verweis auf Nürnberger Quellen.

LP: Magst du jetzt wissen, was der Grund für den Wechsel war, oder warum es rausgekommen ist?

ED: Den Wechselgrund!

LP: Ich habe mir halt irgendwann gedacht, ich müsste mal was Neues ausprobieren. Nürnberg war schön, ich habe auch kurz überlegt zu bleiben, aber was Neues zu machen war interessanter.

ED: Wir fragen deshalb, weil wir überrascht waren, als es feststand. Jemand mit deinem Talent und als Silberheld bei Olympia wechselt innerhalb der Liga ja eher zu ambitionierteren Teams wie München oder Mannheim.

LP: Ich habe mir damals alles durch den Kopf gehen lassen und dabei gedacht: München ist vielleicht ein bisschen zu nah an der Heimat. Ich bin noch jung, habe keine Frau und keine Kinder und kann in dem Zusammenhang eher eine Bauchentscheidung fällen als eine nach Vernunft. Da war Berlin einfach das interessanteste Angebot. Wenn man sich als junger Mann die Liga anschaut, dann ist Berlin schon ein sehr, sehr großer Verein. Das ist größer und interessanter als Red Bull München oder die anderen. Es kommen Spiel für Spiel fast 14.000 Leute, eine schöne große Stadt, in der man auch was geboten bekommt, dann probiere ich das halt aus.

ED: Haben sich deine Vorstellungen bisher erfüllt?

LP: Ja, absolut. Es gefällt mir wirklich gut. Ich komme immer mehr rein, wie hier alles abläuft, auf dem Eis und neben dem Eis, ich bin sehr zufrieden.

ED: Das hören wir gern, wir nämlich auch, dass du hier bist!

LP: Das höre ich wieder gern!

ED: Wie ist die Stadt selbst für dich, gibt es schon einen Lieblingsort oder bist du noch beim Erkunden?

LP: Lieblingsort ist zurzeit schwierig. Wenn es die Zeit zulässt, bin ich viel am Entdecken. Die Stadt ist schon überragend. Es gibt alles, man kann sehr viel sehen, ob es nun kulturell oder historisch ist, ich bin da schon sehr interessiert an Berlin. Wenn die Arbeit getan ist, schau ich, dass ich rauskomme und mir was Neues entdecke.

ED: In der „Kühlbox“ bei Patrick Ehelechner hast du gesagt, dass du, wenn du viel Geld hättest, zu Konzerten, vornämlich von Rammstein, gehen würdest. Bist du Musikfan und das ist deine Mugge?

LP: Ja, bei Rammstein war ich schon. Und ja, ich bin großer Musikfan und Konzertgänger.

ED: Dann ist ja Berlin genau das Richtige für dich!

LP: Stimmt, das ist hier sehr gut möglich. Aber bei Patrick in der „Kühlbox“ muss man immer sehr schnell antworten, da fiel mir nichts Besseres ein. Aber ich bin ein großer Musikfan und gehe im Sommer, wenn es passt, auf ein paar Musikfestivals.

ED: Du sagtest vorhin, du seist talentfrei außer beim Sport, da bleibt es bei der Musik nur beim Konsum?

LP: Ich schau mir das wirklich lieber nur an. Eine Gitarre brauche ich gar nicht erst in die Hand zu nehmen.

ED: Was hört der Konsument Leo Pföderl, eher die härtere Mugge oder findet man dich auch bei Helene Fischer?

LP: Ooh, pfuuh! Helene eher nicht. Man soll ja nicht immer gleich sagen, das ist nix für mich, aber ich bin doch eher auf der Rockschiene unterwegs. Da gibt es alles Mögliche, was ich mir reinziehe. Mal Rammstein, mal auch ruhigere Sachen. Aber rockig muss es sein!

ED: Wer macht bei euch die Musik in der Kabine, du?

LP: Momentan der Sheppi (James Sheppard) vorher war es immer Sean (Backmann), aber der ist ja leider schon länger raus.

ED: Eher deine Sachen oder mehr Country?

LP: Ehrlich, es ist nicht ganz mein Ding, aber ab und an hat er auch was, was mir gefällt. Er schaut zu, dass für jeden was dabei ist.

ED: Noch einmal zurück zum Sportlichen, du bist einer der Silberhelden von Pyeongchang. Wie war das damals, gewonnenes Silber oder verlorenes Gold, wenn man bedenkt, wie kurz ihr vor dem Titel wart?

LP: Es war schon verlorenes Gold, würde ich sagen. Aber genauso haben wir Silber gewonnen! Klar ist es schade, wenn man so kurz davorstand, aber ich glaube, wir hätten uns ebenso über Bronze gefreut. Das war schon ein unglaubliches Ding, aber es war auch unser Ziel, als Team möglichst weit zu kommen. Im Endeffekt haben wir probiert, nur von Spiel zu Spiel zu schauen. Erst gegen die Schweiz, dann haben wir gewonnen, dann kommt halt Schweden, versuchen wir auch zu gewinnen, hat gepasst und schon waren wir im Halbfinale. Es ging immer von Spiel zu Spiel, warum sollten wir das nicht schaffen? Im Endeffekt ist fast alles aufgegangen und wir haben schon ein bisschen auf Gold geschielt.

ED: Habt ihr eigentlich mitbekommen, dass halb Deutschland nachts um fünf aufgestanden ist, um das Endspiel im Fernsehen zu verfolgen?

LP: Ja, ein bisschen schon. Nach den Spielen gegen die Schweiz und Schweden haben wir gemerkt, dass sich jetzt die Medien auch für Eishockey interessieren. Eben nicht nur Biathlon mit Laura Dahlmeier, die zweimal Gold abgeräumt hatte, oder Skispringen. Am Anfang war, unter uns gesagt, keine Sau beim Training und dann standen auf einmal fünf Kameras samt Equipment rum. Von zu Hause bekamen wir Nachrichten, wer alles über uns berichtet hat. Auf einmal waren wir in jeder scheiß‘ Nachrichtensendung von der Tagesschau bis zu RTL-News und was weiß ich, was es da alles noch gibt. Wir haben schon mitbekommen, dass wir ein bisschen Euphorie entfacht haben. Das hat uns aber eher noch mehr gepusht als behindert.

ED: Und am Ende dann wurde noch groß Party gemacht?

LP: Wir haben schon geschaut, dass wir das „Deutsche Haus“ abreißen. Es war leider nicht mehr so viel los, da es bereits der letzte Tag der Spiele war und gar nicht mehr so viele andere Athleten anwesend waren, aber wir haben schon ordentlich gefeiert.

ED: Wie lange hat es gedauert, bis du realisiert hast, dass ihr wirklich die Silbermedaille gewonnen und damit den größten Erfolg in der Geschichte des deutschen Eishockeys errungen habt?

LP: Das hat sich schon ein wenig gezogen. Wir sind Montagabend gleich wieder nach Hause geflogen und am Mittwoch hatten wir schon wieder Ligaspiele. Überall, wo wir hingekommen sind, gab es erst einmal eine Ehrung und das ganze Drumherum. Irre, wir sind von einem Event zum nächsten gezogen und du hast selbst noch gar nicht auf die Medaille geschaut. Also bei mir kam das erst so richtig nach den Play-offs, als man ein bisschen Zeit hatte auf die Saison zurückzuschauen und dann lag da das silberne Ding rum, das man schon fast vergessen hatte. Aber im Endeffekt ist es unglaublich, dass ich dazu gehöre, normalerweise schauen wir uns Endspiele auch nur im Fernsehen an.

ED: Wie sehen deine Ziele aus? Weiter Nationalspieler, noch einmal so einen Coup wiederholen oder doch noch einmal über den großen Teich springen?

LP: Nein, über den großen Teich zu gehen, habe ich keine Ambitionen, die habe ich auch noch nie gehabt. Ich bin so froh, wie es für mich bisher gelaufen ist. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich mal Eishockeyprofi werde. Ich versuche eher, jedes Jahr eine gute Saison zu spielen. Mal läuft es besser, mal schlechter, so ist der Sport. Jetzt will ich erst was mit den Eisbären reißen, dann geht es wieder zur WM und dann ein bisschen Urlaub, um in der nächsten Saison wieder anzugreifen. Ich versuche, mir keinen Druck zu machen, da du musst so und so viele Tore schießen, aber ich will schon sehen, dass ich meine Leistung bringe und besser werde.

ED: Mit dem Tore schießen fängst du immer relativ spät in der Saison an, das war in Nürnberg so und jetzt auch hier in Berlin. Woran liegt das?

LP: Ich kann mir auch nicht erklären, warum das so ist. Hier war es am Anfang schon sehr bitter, weil gar nichts ging, es wollte gar nichts rein. Die Spiele fand ich gar nicht so verkehrt, das, was fehlte, waren die Tore. Ich dachte mir selbst, Mann was ist da los? Böse gesagt, normalerweise brauche ich eine Chance für zwei Tore und jetzt habe ich acht Riesen und keiner geht rein. Da muss man aber ruhig bleiben, auch wenn ich schon ein bisschen an mir gezweifelt habe. Ein Torjäger der keine Tore schießt, ist ja wirklich das Traurigste, was es gibt. Aber die Saison ist lang und es klappt ja jetzt wieder.

ED: Du hast in einem anderen Interview gesagt, dass es für dich eine Umstellung war. In Nürnberg hast du dich in Position gestellt, die anderen haben dir zugespielt und du musstest nur verwerten. Hier, so sagtest du, musst du mehr arbeiten für deine Chancen. Wie ist das eigentlich, wenn man in ein neues Team kommt und der Trainer plötzlich ganz andere Erwartungen hat?

LP: Das ist wie immer, mal gehts leichter und mal nicht. Das System, welches wir hier gerade am Anfang der Saison gespielt haben, war ich überhaupt nicht gewöhnt. Aber daran kann man meine Torflaute nicht festmachen, ich weiß wirklich nicht, woran es lag. Ich bin hier sehr gut empfangen worden, die Truppe ist gut, der Trainer ist gut, vielleicht habe ich mir zu viele Gedanken gemacht. Vorm Tor das Denken anzufangen, ist das Schlechteste, was du als Torjäger bringen kannst. Klar hast du einen gewissen Druck, wenn du zum Tore schießen geholt wurdest, mehr als jemand, der normalerweise einmal alle zehn Spiele trifft, dann bist du doch eher schon der Depp.

ED: Na, aus unserer Sicht nicht unbedingt. Noch einmal zurück nach Nürnberg, du hattest kurz angedeutet, dass es keine leichte Zeit für dich war, nachdem der Wechsel feststand. Inwiefern?

LP: Was heißt keine leichte Zeit? Wir waren in Nürnberg, ähnlich wie ihr in Berlin, ein bisschen hintendran und die Saison war nicht so gut gelaufen. Ich habe meinen klassischen Start hingelegt und erst nach zehn Spielen zu scoren angefangen. Aber es hat wohl keiner geglaubt, dass ich wirklich gehe. Da fehlte insgesamt ein wenig die Kommunikation. Hier hat es jeder gewusst und auch in Nürnberg wurde gesagt, wenn die in Berlin das schreiben, dann wird es wohl stimmen. Die Nürnberger haben gar nichts gesagt und ich habe auch nicht gewusst, was ich sagen soll. Die Saison ist sportlich auch nicht besser geworden und so kam alles Mögliche zusammen, was es im Endeffekt nicht besser machte. Aber ich habe in Nürnberg schon tolle Leute um mich rum gehabt. Mit vielen habe ich heute noch Kontakt und mit einigen sind richtige Freundschaften über die Jahre entstanden. Ich werde jedes Mal, wenn ich von Berlin nach Hause fahre, kurz in Nürnberg vorbeischauen und ein paar Leute besuchen. Mir haben in den letzten Jahren einige sehr viel geholfen und ich mag dort einfach noch viele Leute.

ED: Das klingt alles sehr bodenständig. Hängt das mit deiner Ausbildung im elterlichen Betrieb zusammen? Du wirkst selbst überrascht davon, dass du Profi geworden bist, dann noch Nationalspieler und als Krönung auch noch Silbermedaillengewinner. Ist das Bodenständige deine Art?

LP: Ich denke, so eine Herangehensweise schadet einfach nicht. Ich weiß, dass ich viel Glück hatte und es hat ja alles geklappt, wenn ich so bin, wie ich bin. Deshalb werde ich auch die nächsten Jahre so weiter angehen.

ED: Na wir hoffen, dass du das hier machst!

LP: Ich hätte nichts dagegen, bisher ist alles sehr, sehr gut in Berlin.

ED: In dem anderen Interview hattest du gesagt, dass du den Eindruck hattest, dass deine Entwicklung in Nürnberg ins Stocken geraten ist. Ist das in Berlin anders, hast du dich weiterentwickelt?

LP: Ja, auf alle Fälle, so ein Wechsel verändert dich. Es bringt einen schon weiter, wenn man etwas Neues ausprobiert. In Nürnberg habe ich alles gekannt, ob es nun das sportliche war oder das private Umfeld. Insofern hat sich schon einiges für mich geändert, neues Umfeld sowohl als Sportler und auch das ganze Drumherum hier in Berlin, das ist schon was anderes.

ED: Apropos was anderes. Du hast ja immer mit relativ guten Jungs zusammengespielt z.B. Corey Locke in Nürnberg…

LP: Den hatte man ja hier rausgehauen…

ED: … jetzt hier mit Marcel Noebels und James Sheppard, wie sieht dein Traumreihenpartner aus?

LP: Traumreihenpartner? Pfuuhh! Ja die Pässe von Corey Locke waren schon richtige Schmankerln, aber Traumreihenpartner? Ich habe schon mit sehr vielen guten Jungs in einer Reihe gespielt. z.B. mit Dave Steckel als Mittelstürmer, der hat in drei Jahren zwei Bullys verloren. Da habe ich gar nicht gewusst, was ich machen soll, wenn wir ein Bully verlieren, wo ich eigentlich hinlaufen muss. Da brauchte ich bloß zu warten, der Puck kam sowieso zu mir und ich hau drauf. Dany Heatley war auch für ein halbes Jahr ein Reihenpartner von mir. Wenn du ihn siehst, er war im Stanley-Cup-Finale, hat Gold bei einer WM und den olympischen Spielen gewonnen, immer 50 Tore in der NHL gemacht, wenn du siehst, wie er die Sachen macht und Pässe spielt, da ist man schon beeindruckt. Aber sonst … Ich habe hier schon eine sehr gute Reihe, Noebi ist richtig stark, dieses Jahr noch besser als sonst und Sheppi ist auch unfassbar gut. Wir haben uns mittlerweile sehr gut gefunden und spielen auch schon seit November zusammen.

ED Es könnte also eine feste Beziehung werden?

LP: Das ist es, glaube ich, schon! Nein, mit den beiden Jungs bin ich sehr, sehr glücklich, sie sind überragend unterwegs und ich schreibe mir auch einen Anteil an den Toren, die die beiden schießen, zu. Ich denke, wenn es so weitergeht, sind wir eine sehr gute Reihe in der Liga und schwer aufzuhalten.

ED: Gibt es noch Träume, die du dir in Berlin erfüllen willst?

LP: Ja, die Meisterschaft! Die ist schon das große Ziel!

ED: Unser auch, also wir sind dabei!

LP: Ihr habt ja schon ein paar mitgemacht, wenn ihr schon über 25 Jahre dabei seid!

ED: Die letzte ist aber schon so lange her!

LP: Ja, ich weiß! Die Konkurrenz ist halt groß, die Münchner und die Mannheimer machen das schon sehr gut, aber auch dort weiß man nicht, was in den Play-offs passiert. Sport ist oft verrückt und wir schauen, dass wir das Beste aus uns rausholen.

ED: Tut mir leid, dass wir dich immer wieder auf Sachen festnageln, die du woanders gesagt hast…

LP: Das muss ja irgendwann zurückkommen!

ED: …jedenfalls hast du, auf deinen Wechsel bezogen, gesagt, nach München und Mannheim wolltest du nicht, die willst du lieber ärgern. Kann das klappen?

LP: Ja, sonst wäre ich ja nicht gekommen. Denen will ich schon in die Suppe spucken, ich will mit den Eisbären ganz nach oben. Dass das nicht leicht wird ist klar, aber warum nicht? Wir haben gezeigt, dass einiges möglich ist, allerdings auch, dass es ebenso in die falsche Richtung gehen kann. Wir müssen schon noch an uns arbeiten, dass wir uns jedes Spiel reinhauen und den Weg finden, um zu gewinnen. Das wir es können haben, wir gezeigt, aber wir haben es noch nicht bestätigt, das sollte jetzt passieren. Die Verletzten kommen langsam zurück und ich glaube schon, dass mit voller Kapelle einiges drin ist.

ED: Irgendwo wurdest du als „Clutch-Player“ bezeichnet, ich musste erst einmal googeln, was das sein soll. Clutch ist für Männer die Kupplung und für uns Frauen ist die clutch bag die kleine Handtasche fürs Feine. Es hieß aber, dass so jemand für die entscheidenden Tore zuständig ist. Wie kommst du zu diesem Ruf?

LP: Keine Ahnung, aber ich denke in den Play-offs war ich schon ganz gut.

ED: Woran liegt das, bist du einfach eine coole Socke?

LP: Weiß ich nicht. Eine gewisse Coolness braucht es schon vorm Tor, erst recht in den Play-offs. Da muss man in den wichtigen Szenen locker bleiben, Sport wird meistens im Kopf entschieden. Wenn du mental gut drauf bist, geschmeidig bist, wie man bei uns sagt, dann triffst du automatisch die richtigen Entscheidungen und schmeißt die Scheibe rein oder passt sie sauber zum besser postierten Spieler.

ED: Nimmst du in solchen Situationen eigentlich das Umfeld, sprich den Support und die Emotionen auf den Rängen wahr, oder bist du im Tunnel?

LP: Nein, ich bin überhaupt nicht im Tunnel! War ich noch nie und habe ich auch nicht vor. Ich will die ganze Atmosphäre aufsaugen, ob das die Fans sind, die Musik, Hauptsache es ist laut. Der Support muss auch nicht für uns sein, es darf auch gern gepfiffen werden. Wer hatte das gesagt, der Kahn glaube ich, er findet es geil, wenn 6.000 Leute hinter ihm pfeifen. Mir geht es genauso. Es ist das Schönste, was es gibt, wenn es total laut ist und du merkst, wie es durch deinen Körper kribbelt.

ED: Also bist du eher ein Fan der alten, lauten, kleinen Eishockeyhallen à la Iserlohn oder Straubing?

LP: Klar, da ist es schon brutal laut, das kann es hier aber auch werden. Ich mag es halt in den Play-offs, wenn die Fans aus sich rausgehen, wenn sich was rührt in den Hallen, wenn es mal richtig scheppert, dafür spielt man.

ED: Uns wurde von einem anderen Redakteur noch eine Frage mit auf den Weg gegeben, die lautet: Ob du in Berlin schon eine Lokalität mit gutem, heimischem, also bayerischem Futter gefunden hast?

LP: Eine richtig gute bayerische Gaststätte? Wenn, dann das Augustiner am Gendarmenmarkt, das kann man schon gelten lassen. Es ist natürlich nicht wie bei der Oma daheim, aber es ist in Ordnung.

ED: Da Dani dir gerade ein bayerisches Bier in die Hand gedrückt hat, hat sich die nächste Frage fast erledigt. Pils oder Weißbier?

LP: Helles! Ich trinke auch schon mal ein Pils, da gibt es auch ein paar vernünftige, aber Weißbier ist nicht so mein Ding, also am liebsten Helles.

ED: Da sich mein Kollege weigert, diese Frage zu stellen, muss ich das übernehmen. Nämlich die wichtigste Frage in den Eis-Dynamo-Interviews, die da lautet: Hast du einen Hund?

LP: Nein! Das war‘s? Ich habe mir schon Sorgen gemacht, was jetzt kommt.

ED Nein, das war es, danke Leo!


Dieses Interview erschien zuerst in der Ausgabe 176 des Eis-Dynamo.

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