Die Eisbären haben kein Torwartproblem

Nur Platz neun nach acht Spielen in der Deutschen Eishockey Liga. Elf Punkte, nachdem der Saisonstart gegen die Grizzlys Wolfsburg durchaus vielversprechend aussah. Allerdings waren Niederlagen gegen Bremerhaven (0:5), München (2:4) und Mannheim (1:4) ziemlich ernüchternd. Der 5:2 Sieg am Sonntag gegen die Straubing Tigers war sicher ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn noch längst nicht alles rund läuft.

Viel war in den letzten Tagen darüber zu lesen, dass die Eisbären Ausschau nach einem neuen Torhüter halten. Einige Namen kursierten dabei bereits durch diverse Medien. Ein Kandidat, Joni Ortio, hat mittlerweile einen Vetrag bei den ZSC Lions in der Schweiz unterschrieben. Aber brauchen die Eisbären tatsächlich einen neuen Torwart, haben sie ein Torwartproblem?
Und auch wenn wir die Antwort auf die Frage bereits in der Überschrift gegeben haben, wollen wir ihr dennoch mal auf den Grund gehen. Wäre ja zu einfach, diese Aussage unbegründet stehen zu lassen.

Ok, adressieren wir zunächst den Elefanten im Raum. Dies wird keine Verteidigung von Sebastian Dahm. In unserer letzten regulären Podcast-Episode haben wir uns darüber unterhalten, dass ihm in den ersten Spielen mindestens jeweils ein haltbarer Schuss durchgerutscht ist. Dahms Reboundkontrolle ist nicht gut. Dass er bislang unangefochtener Starter ist, sollte zumindest kritisch hinterfragt werden.

Im Englischen gibt es den Ausdruck “confirmation bias”. Auf Deutsch ist es der Bestätigungsfehler, per Definition ist ein Bestätigungsfehler in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen. Wenn wir also immer auf den nächsten Fehler von Sebastian Dahm warten, um uns in der Meinung zu bestätigen, dass er kein guter Goalie ist, begehen wir einen Bestätigungsfehler.

Bei 5 gegen 5 hat Dahm unter den Startern der DEL mit 95 Prozent die viertbeste Fangquote. Vor ihm stehen Anthony Peters (Iserlohn/ 97%), Dennis Endras (Mannheim/ 97%) und Danny aus den Birken (München/ 96%). Nur Peters hat bei 5 gegen 5 mehr Torschüsse auf sein Tor abwehren müssen (194), als Dahm (164).
In den drei Spielen nach dem Spiel gegen die Chicago Blackhawks stoppte Dahm 95 Prozent der Schüsse auf sein Tor. Eine Leistungssteigerung zu den 88 Prozent in den ersten vier Spielen.

Aber wo liegen denn jetzt die Probleme?

Es gibt zwei Probleme, welche die Eisbären seit dem Saisonstart begleiten. Sie schießen zu wenig Tore und die Special Teams sind schlecht. Sean Backman, Louis-Marc Aubry, Leo Pföderl und Austin Ortega haben bislang nur je einen Treffer auf dem Konto. Marcel Noebels und Maxim Lapierre trafen zweimal. Lukas Reichel und James Sheppard führen intern mit je drei Toren. Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn sich das Scoring über das gesamte Team verteilt, aber bislang ist das in der Breite zu wenig.
Sheppard hatte vor dem letzten Wochenende nur ein Treffer. Aubry erzielte am Sonntag sein erstes Saisontor. Backman wartet seit dem dritten Spieltag auf sein zweites Saisontor.

Was haben all die oben genannten Spieler gemeinsam? Sie kommen im Powerplay zum Einsatz. Hier haben die Eisbären bislang mit acht Prozent das Schwächste Überzahlspiel der DEL. Aus 36 Möglichkeiten gelangen ihnen nur drei Treffer. Warum Leo Pföderl nicht häufiger für einen Direktschuss eingesetzt wird, ist etwas unbegreiflich. Auch Austin Ortega kam in den ersten Spielen häufiger als Spielmacher im Powerplay zum Zug.

Das Penalty Killing ist ebenfalls derzeit nicht gut. Auch wenn es gegen Straubing (vor dem Spiel am Sonntag immerhin das beste Powerplay der Liga) keinen Gegentreffer in Unterzahl gab, kassierten sie in dieser Spielzeit bislang neun Tore in Unterzahl. Zum Vergleich bei 5 gegen 5 gab es bislang elf Gegentore in dieser Saison. Mit 78 Prozent Penalty Kill liegen die Eisbären auf dem achten Platz. Die Tordifferenz der Special Teams ist -6. Geschönt durch ein Unterzahl-Tor von Maxim Lapierre. Mit einem Special Team Score (Summe PowerPlay Quote und Penalty Kill Quote) von 86 belegen sie auf dem 12. Platz.

All die Statistiken sind Momentaufnahmen. Es ist noch nicht mal ein Viertel der Saison gespielt, aber dennoch müssen die Eisbären vor allem ihre Special Teams in den Griff bekommen. In Überzahl setzt das Trainerteam überwiegend auf dieselbe Gruppe von Spielern. An Skill mangelt es dort auch nicht. Vielleicht ist es nur eine Frage von Wiederholungen im Training und einigen einstudierten Set-Plays. Der Unterzahl fehlt es vor allem an Struktur.

Es ist also einfach, auf Sebastian Dahm zu zeigen und zu sagen, dass größte Problem der Eisbären steht im Tor. Und auch wenn es berechtigte Kritik an Dahm gibt, so sollte man nicht außer Acht lassen, dass es deutlich größere Probleme im Spiel der Eisbären gibt.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.