Der letzte Artikel über Lukas Reichel (vor dem Draft)

Da ist er also, der erste und einzige Artikel über Lukas Reichel. Diesen unbedeutenden 18-jährigen Eishockeyspieler, geboren in Nürnberg, aufgewachsen in Rosenheim, seit zwei Jahren Berliner. Der Junge mit der Rückennummer 44 bei den Eisbären Berlin. Sohn vom Ex-Nationalspieler Martin Reichel, Neffe von der tschechischen NHL-Legende Robert Reichel aus Litvinov. Bruder von Thomas, Cousin von Kristian. Nichts Besonderes ist der. Hat noch nichts geleistet, aber wir schreiben trotzdem über ihn. Einer muss es ja tun.

Ironie funktioniert beim Bloggen nicht meint Ihr? Na gut, dann also so: hier ist er, der letzte Artikel über Lukas Reichel ohne den Zusatz ‚das von NHL-Club XY in der xten Runde gedraftete Stürmertalent‘. Reichel wird das Eisbären-Talent werden, das, wenn nicht alles schief läuft, entweder in der kommenden Nacht in Runde 1 (Start der ersten Draftrunde in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 1 Uhr MESZ) oder dann ab Mittwochnachmittag (Start Runde 2-7 ab 17:30 Uhr MESZ) am höchsten als ein Talent aus dem Eisbären-Nachwuchs gezogen wird (zuletzt drafteten die Winnipeg Jets in der Talenteziehung 2017 Verteidiger Leon Gawanke in Runde 5 an 136. Stelle).

Warum aber wird um den zurückhaltenden, eigentlich sogar schüchternen Jungen mit den coolen Locken, der immer noch lieber Deutsch als Englisch spricht und sich derzeit mit seinem Bruder Thomas in der Nähe der Konrad-Wolf-Straße in Hohenschönhausen eine Wohnung teilt, gerade so ein Wind gemacht? Was kann er so besonders gut und was ist er eigentlich für ein Typ? Wir haben drei Eishockeyfachleute gefragt, die ihn aus dem einen oder anderen Grund recht intensiv für ein Jahr verfolgt haben. Hier kommen die Antworten von…

Micki DuPont (40) beim Ex-Eisbären-Verteidiger wohnte Lukas Reichel während der Saison 2018/19. Micki ist derzeit Eishockey-Techniktrainer und zuständig für das U15-Team der Edge School in Calgary.

Florian Kettemer (34) spielte in der Saison 2019/20 mit Lukas Reichel zusammen, saß in der Kabine in seiner Nähe und ging nicht nur einmal mit ihm Mittagessen. ‚Kette‘ arbeitet momentan in Dubai mit seinem Schwager Thomas Hertlein als Personal Coach.

Tim Junge (19) war Lukas Reichels Teamkollege in seiner ersten Spielzeit im DNL-Team der Eisbären Juniors in Berlin 2018/19. Tim wechselte im Sommer zu den Lausitzer Füchsen und will sich dort einen Stammplatz im DEL2-Kader erkämpfen.


Was kann Lukas auf dem Eis am besten?

Micki DuPont: In meinen Augen ist er vor allem offensiv ein besonderer, sehr kreativer Spieler. Er erkennt Freiräume sehr schnell und ist sehr explosiv im Antritt. Er zieht dabei meist mehr als einen verteidigenden Spieler mit sich und schafft es dann noch, einen guten Pass auf einen freien Spieler zu spielen.

Florian Kettemer: Luki hat ein tolles Spielverständnis. Er sieht Mitspieler sehr gut und manchmal hat man das Gefühl, der Puck ist an seinem Schläger festgeklebt. Wenn er ihn hat, sieht es immer aus, als sei das das normalste von der Welt.

Tim Junge: Lukas ist ein besonders guter Schlittschuhläufer, der immer den Kopf oben hat und somit immer den Mitspieler bedienen kann. Neben ihm kann man sozusagen offensiv gar nicht richtig schlecht aussehen. Er sieht den Mitspieler nicht nur, er bedient ihn auch aus teilweise fast unmöglichen Positionen mit schwierigen Pässen. Er riskiert offensiv viel und hat ein sehr gutes Spielverständnis.


Was ist Lukas für ein Typ?

Micki DuPont: Als er bei uns gewohnt hat, war er zum ersten Mal länger von zu Hause weg. Er war sehr still, aber auch sehr höflich und sozial. Er hat sich sehr gut mit unseren Kindern verstanden.

Florian Kettemer: Auf dem Eis habe ich bei ihm die Selbstverständlichkeit, das Selbstvertrauen bewundert, mit dem er Dinge einfach so tut, ohne sich groß vorher darüber Gedanken zu machen. Er hat so eine gewisse Leichtigkeit mit Situationen umzugehen, die ihm einen Vorteil verschafft.

Tim Junge: Neben dem Eis ist Luki eher ein ruhiger, in sich gekehrter Mensch. Manchmal war er durchaus verplant, aber sobald es aufs Eis ging dann voll da.


Was sind Deine Lieblingsmomente mit Lukas gewesen? Was wünschst Du ihm?

Micki DuPont: Meine Lieblingsmomente mit ihm waren immer wenn wir zusammen mit meiner Frau und unseren Kindern abends gegessen haben. Wir haben uns dann über so viel unterhalten und er hat sich immer wohler gefühlt und wir konnten ihn besser kennenlernen. Ihm haben meine Protein-Smoothies auch immer sehr gut geschmeckt mit Bananen, Erdbeeren, Joghurt, Wasser und Proteinpulver.

Ich wünsche ihm viel Glück und Erfolg beim Draft und wenn er von den Calgary Flames gezogen würde, das wäre echt schön.

Florian Kettemer: Ich wünsche Luki, dass er, egal wie die Situation für ihn ist, egal was kommt, versteht, wofür es gut ist, was er daraus ziehen und lernen kann und das er alles bewusst genießen kann, was er in Zukunft erlebt.

Tim Junge: Ich wünsche ihm, von einem Team gezogen zu werden, welches 1000 Prozent hinter ihm steht und ihm auf seinem Weg in die große Liga richtig gut hilft.

Eins ist Fakt. Wenn Lukas Reichel in der ersten oder früh in der zweiten Runde gezogen wird, haben alle Beteiligten bis hierhin alles richtig gemacht. Lukas hat sich vor zwei Jahren für den Wechsel nach Berlin entschieden. Nach der gesamten Vorbereitung im DEL-Team und einem Spiel mit dem DEL-Team als 16-Jähriger beim Turnier in Dresden verbrachte er dann die Spielzeit 2018/19 komplett im DNL-Team, spielte sogar noch das Endturnier für die U17 der Eisbären Juniors. In der vergangenen Saison war er dann als fester Bestandteil der DEL-Mannschaft aus dieser nicht mehr wegzudenken. Cheftrainer Serge Aubins Entscheidung, ihn nicht nur regulär einzusetzen, sondern auch im Powerplay regelmäßig zu bringen, zahlte der damals noch 17-Jährige mit zwölf (!) Toren und zwölf Vorlagen zurück. Manchmal fand er sich schon am Ende des ersten Drittels eher rechts- oder linksaußen auf der Bank wieder. Und trotzdem traf er dann im Penaltyschießen eiskalt. Im nächsten Spiel durfte er wieder mit Maxim Lapierre und meist Austin Ortega beginnen.

Und dennoch weiß Lukas von allen am besten, nach dem Draft fängt die richtige Arbeit erst an.
Hauptstadteishockey freut sich darauf, seinen Werdegang weiterhin sehr genau zu begleiten.

Viel Erfolg, Luki!

P.S. Falls Ihr nochmal die Entwicklung von Lukas Reichel in der vergangenen Saison nachlesen wollt, dann schaut gerne nochmal in unsere letzten zehn Reichel-Artikel:

Lukas Reichel im NHL Prospect Call

Lukas Reichel klettert im NHL-Draft Final Ranking

Die rasante Entwicklung von Lukas Reichel

Lukas Reichel klettert im NHL-Draft Midterm Ranking

Eisbären Prospect Report Februar 2020

Eisbären Prospect Report Januar 2020

Eisbären Prospect Report Dezember 2019

Eisbären Prospect Report November 2019

Eisbären Prospect Report Oktober 2019

Eisbären Prospect Report September 2019

Ein Gedanke zu „Der letzte Artikel über Lukas Reichel (vor dem Draft)

  • 6. Oktober 2020 um 9:12
    Permalink

    Danke für diese kleine Zusammenfassung der bisherigen Entwicklung von Lukas! Interessant sind auch die eingesammelten O-Töne, die im Grunde bestätigen, wie man den Burschen von aussen als Fan wahrnimmt.
    Die Daumen sind jedenfalls gedrückt für seine weitere große Reise, die er nun hoffendlich vor sich hat.

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