Auf einen Kaffee mit Kevin Poulin

Es war ein regnerischer Tag in Montréal, als wir uns mit Kevin Poulin trafen. Was aus zwei Gründen schade war. Zum einen verhagelte es uns unsere Tagesplanung und zum anderen hatten wir wenig Sinn für das tolle Viertel der Stadt, in das uns diese Verabredung führte. Plateau nennt es sich, wie wir später von Kevin lernten. Jung, zwanglos, mit vielen schönen Stadthäusern, Läden, Restaurants und Cafés und seit dem Sommer neue Heimat der Familie Poulin. Das Café, welches Kevin für die Verabredung ausgewählt hatte, bestach zwar nicht gerade durch seinen Charme, war es doch ein Co-Working-Space, aber der Kaffee war gut und vor allem war es trocken.

Der Goalie freute sich sichtlich, Fans aus Berlin zu treffen und fragte mich erst mal aus, was wir schon gemacht hatten in Kanada und was noch auf dem Plan stand. Ich zählte brav unsere Stationen auf und er zeigte sich sehr verwundert, dass darunter auch Trois-Rivières war, schließlich gäbe es da doch nichts. Lass das mal nicht Louis-Marc Aubry hören!

Über die Unterschiede zwischen Ontario und Quebec kamen wir auf den speziellen Lebensstil der Frankokanadier, der sich durch eine große Liebe zu gutem Essen und Wein auszeichnet, was die Instagram-Stories von Kevin und seiner Frau ja deutlich belegen. Nachdem ich noch über die Vorzüge von Montréal aufgeklärt worden war, lenkte ich das Gespräch auf ihn und seine Gesundheit.

Er hatte sich die Achillessehne gerissen und zeigte uns die Narbe von der Operation, die allerdings schlimmer aussah, als es noch war. Er hatte sich die Verletzung nicht etwas bei dem Turnier zugezogen, an dem er teilgenommen hatte, sondern beim ganz normalen Training im Fitnessstudio. Er erzählte, dass er insofern Glück gehabt hätte, da er sehr schnell operiert wurde. Einen neuen Verein hatte er zu dem Zeitpunkt der Verletzung übrigens noch nicht, er hatte noch gar nicht ernsthaft angefangen zu suchen. Momentan ist natürlich unklar, wann er überhaupt wieder so fit ist, um in irgendein Spielgeschehen eingreifen zu können. Er hofft aber, dass er im Dezember oder Januar wieder so weit fit ist. (Anmerkung der Redaktion: Er stand gerade das erste Mal wieder auf dem Eis, könnte also klappen mit seinem Plan) Im Idealfall, sagt er, ist er zum Spengler Cup wieder fit, denn da es momentan in der Schweiz keinen kanadischen Torhüter gibt, rechnet er sich Chancen aus, dafür nominiert zu werden. Das wäre auch seine Möglichkeit, sich wieder für ein Team zu empfehlen

Auf die Frage, ob er lieber in Europa oder in Kanada spielen würde, sagte er, dass es abhängig von den Angeboten ist. Er hätte diese Saison ja ohnehin nur die Chance, sollte sich ein anderer Torhüter verletzen. So oder so würde seine Familie aber in Kanada bleiben, da seine Kinder mittlerweile in der Schule sind. Sein älterer Sohn hat jetzt auch mit Hockey angefangen. Und sie wohnen in Montreál auch nicht mehr in einer Mietwohnung. Er hat drei Wohneinheiten gekauft, in einer lebt Familie Poulin, die anderen sind vermietet. Er kann sich sogar vorstellen, größer in Immobilien einzusteigen. Langweilig wurde ihm jedenfalls trotz seiner Verletzung nicht, wie man bei Instagram verfolgen konnte, mussten sie eine Menge Arbeit in die neue Wohnung stecken. Und dazu kam natürlich noch die Reha.

Mit Eisbären-Spielern hält er immer noch Kontakt, vor allem spricht er viel mit Aubry, aber auch mit unseren neuen Spielern PC Labrie und Maxim Lapierre, mit dem er seit acht Jahren das Sommertraining absolviert. Und er hatte noch Kontakt mit Richmond, der ja jetzt seine Karriere beendet hat und als Scout für die Winnipeg Jets arbeitet, wohnt aber in Kalifornien. Mit den anderen hat er aktuell keinen Kontakt mehr.

Aus dem Nichts landete das Gespräch plötzlich beim Thema Poutin, was aber irgendwie auch folgerichtig war, hatten wir das Interview mit Kevin in Berlin schließlich in der Poutine Kitchen geführt. Für die er ja später auch eine Poulin-Poutine entwickelt hatte, die auch eine Zeit lang auf der Karte stand. Er empfiehlt uns in Montréal zu La Banquise zu gehen, was aber für den Abend sowieso schon unser Plan war. Und wo wir schon dabei waren, empfahl ich ihm eine Veranstaltung, die wir einige Tage zuvor besucht hatten, und die garantiert ein großer Spaß für seine Kinder wären.

Zum Ende des Gesprächs lenkte ich das Thema auf Berlin und die Tatsache, dass es viele Fans gibt, die traurig darüber waren, dass er nicht zurück gekommen ist. Er sagt, dass er selber etwas überrascht war, da es im Vorfeld durchaus Gespräche gegeben hatte. Aber Ausländerlizenzen werden natürlich primär lieber in Stürmer oder Verteidiger investiert, als in Torhüter. Er wäre gerne zurück gekommen, aber so ist es nunmal im Eishockey. Es ist ein Business, in dem Entscheidungen getroffen werden müssen. Und er hat sich vor langer Zeit abgewöhnt, das persönlich zu nehmen. Zumal schon seit einiger Zeit die Tendenz zu erkennen ist, dass Ausländerlizenzen in Europa ungern an Torhüter vergeben werden, es sind über die Jahre immer weniger geworden. Was es natürlich deutlich schwieriger macht, dort einen Platz zu ergattern. Aber er erinnert sich gerne an die Zeit in Berlin. Er und seine Familie haben sich hier sehr wohl und willkommen gefühlt.

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