Analyse: Leo Pföderls schwacher (?) Saisonstart

In den letzten Jahren haben die Eisbären Berlin nicht sehr oft junge deutsche Spieler verpflichtet. So war der Transfer von Leo Pföderl nach Berlin schon ein Statement. Mit dem Wechsel wurden auch gewisse Erwartungen geweckt, aus dem Umfeld, den Medien und der Fanszene. In unserem Zwischenzeugnis hat Pföderl nur einen Stern bekommen. Da auch wir mit der bisherigen Leistung von Leo Pföderl nicht zufrieden waren.

In der letzten Saison hatte Pföderl auch schwachen Start, am Ende der Saison traf er 17-Mal und bereitete ebenso viele Treffer vor.
Heute wollen wir die Leistung von Pföderl in dieser Saison, mit der aus dem vergangenen Jahr vergleichen. Als Zeitraum schauen wir in beiden Saisons auf die Spiele bis zum Deutschland Cup. Dazu nutzen wir die Daten, die le_affan bereitstellt und die grafische Auswertung, die Hannes bereits für seine Systemanalyse nutzte.

Wir schauen auf seine Schüsse, seine Eiszeiten und seine Rolle im System. Wir versuchen zu ergründen, ob der “Slow Start” allein auf Pföderl zurückzuführen ist und ob er die Erwartungen noch erfüllen wird. Oder liegen wir am Ende komplett falsch und Leo Pföderl hatte einen soliden Saisonstart?

In der vergangenen Saison bestritten die Thomas Sabo Ice Tigers 18 Spiele bis zur D-Cup Pause. Nur fünf Siege hatten sie zum Saisonstart und gingen mit fünf Siegen nach 60 Minuten und einem OT-Sieg in den Länderspiel Break. Pföderl bestritt alle Spiele. Er hatte eine Bilanz von drei Toren und sieben Vorlagen. Von seinen zehn Punkten, waren acht s.g. Primary Points (Tore und der erste Assist).
In diesem Jahr waren es 16 Spiele für die Eisbären Berlin. Sieben Siege (+ ein OT-Sieg) konnte Pföderl bislang in Berlin feiern. Auf Platz sechs ging es in die D-Cup Pause. Pföderl war auch diese Saison für die Nationalmannschaft nominiert, sagte seine Teilnahme aber kurzfristig ab. In 16 Spielen traf er in dieser Saison bislang viermal und gab drei Vorlagen. Bemerkenswert ist, dass alle Punkte in dieser Saison bislang Primary Points sind.

Die Position im Line-Up

Zum Saisonstart in Nürnberg hießen Pföderls Center Will Acton und Philippe Dupuis, mit Wechselnden Mitspielern auf dem anderen Flügel. In Berlin hat er bereits an der Seite von allen Centern gespielt. Am häufigsten neben James Sheppard und Louis-Marc Aubry (jeweils fünf Spiele). Auffällig ist dabei, dass Pföderl in zehn Spielen zusammen mit Marcel Noebels in einer Reihe aufgestellt wurde.

Viele Trainer achten beim Zusammenstellen ihrer Sturmreihen auf funktionierende Duos und suchen ein ergänzenden Dritten Spieler für diese Reihe. Ein Blick auf die Zusammenstellung der Berliner Reihen, lässt vermuten, dass auch Serge Aubin nach diesem Prinzip aufstellt. Wir sehen es z.B. sehr deutlich bei Maxim Lapierre und Lukas Reichel, die immer wieder wechselnde Spieler an ihre Seite bekommen. Seit der Verpflichtung von Landon Ferraro, scheint Pföderls Platz in der Reihe mit Sheppard und Noebels fix zu sein.

Shots, Shots, Shots, Shots…Shots

Wer die Referenz nicht versteht, klickt bitte hier.

Genau wie in Nürnberg, kommt Pföderl auch in Berlin in Überzahl zum Einsatz. Als Rechtsschütze kommt er auf der linken Halbposition (“Ovis-Office”) zum Einsatz. Bei den Ice Tigers hatte er mit Reimer einen weiteren Schützen in seiner Powerplay-Formation, der als gefährliche Option genutzt wurde. Im Schnitt waren es in Nürnberg zwei Minuten Powerplay Eiszeit pro Spiel. Ihm gelang ein Tor bei acht Schüssen.
In Berlin hat Pföderl pro Spiel sogar noch knapp 46 Sekunden mehr Eiszeit in Überzahl. 23 Schüsse gab er im Powerplay ab. Ein Powerplay-Tor gelang ihm bislang noch nicht.

Schüsse gesamt Aufs Tor Geblockte Schüsse Am Tor vorbei Tore Sh% SOG%
Saison 2018/19 51 28 12 11 3 11% 55%
Diese Saison 70 38 15 17 4 11% 54%

(Die Tabelle lässt sich auf mobilen Geräten nach rechts scrollen)

Insgesamt fällt auf, dass Pföderl in dieser Saison häufiger schießt als letztes Jahr. Das liegt vor allem an seiner Rolle. Egal in welcher Reihe er Spielt, Pföderl ist im Angriff die erste Option. Dabei ist er selten in den Aufbau oder bei Zone Entries involviert. Im positiven Sinn versteckt er sich und lauert auf den Pass seiner Mitspieler. Nachdem er am letzten Wochenende vor der D-Cup Pause zwei Tore erzielte, ist er auch mit seiner Schussquote im Vergleich voll auf Kurs. Am Ende der vergangenen Saison hatte er eine Quote von knapp 13 Prozent.

Pföderls Schüsse der Saison 2019/20

Beim Blick auf seine Schussverteilung stellt man fest, dass Pföderls einen Großteil seiner Schüsse aus der gefährlichen Zone abgibt. Zudem hat er ein positives Verhältnis seiner Schüsse aufs Tor. Fünf Spiele blieb Pföderl im selben Zeitraum letztes Jahr ohne Torschuss. In dieser Saison hat er bislang in jedem Spiel mindestens einmal auf das gegnerische Tor geschossen.

Fazit

War Leo Pföderl im ersten Saisonviertel unauffällig? Ja
Waren die Erwartungen zu hoch? Wahrscheinlich ja
Liegt Pföderl im Soll? Ja

Pföderl fliegt etwas unter dem Radar. Alle Statistiken deuten darauf hin, dass er auch in dieser Saison 20 Tore schießen könnte. Dann wäre er die gewünschte Verstärkung in der offensive Tiefe.

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