„Journeymen“ Poulin

Nun ging es doch etwas schneller, als vielleicht gedacht. Am frühen Mittwochnachmittag haben die Eisbären Berlin mit Kevin Poulin einen neuen Torwart präsentiert. Um den Elefanten im Raum direkt mal zu benennen, ich bin kein großer Fan der Verpflichtung. Das liegt nicht zwingend an Kevin Poulin. Mich stört das Signal, welches damit gesendet wird. Zu schade wäre es, wenn die Eisbären nach zwei Spieltagen das Experiment mit zwei sehr talentierten, aber auch jungen deutschen Goalies, für gescheitert erklären.

Nach fünf Siegen in der Vorbereitung gegen attraktive Gegner, sind die ersten sechs Pflichtspiele der Saison verloren worden. In unserem Podcast und im ersten Game Recap der Saison sind wir darauf eingegangen, dass die Niederlagen nicht allein auf schlechte Torhüterleistungen zurückzuführen sind, trotz der miesen Fangquote von 81,4% nach zwei DEL Spieltagen. Bislang haben die Eisbären nur 43 Schüsse auf das eigene Tor zugelassen. Das ist der niedrigste Wert der gesamten Liga. Bei einigen Gegentoren sah Franzreb auch nicht glücklich aus. Gegen München war er beim 2:3 etwas zu spät am rechten Pfosten. Im Spiel gegen Nürnberg wusste er beim 2:0 von Brown für einen Moment nicht wo die Scheibe war.

Klar, Franzreb rutscht die Scheibe beim 2:0 der Ice Tigers durch, aber man darf hier auch ruhig erwähnen, das Brown zweimal nachstochern kann, ohne von Müller entscheidend daran gehindert zu werden. Beim zweiten Tor von Brown wird Baxmann vor dem Tor per Crosscheck zu Fall gebracht, braucht dann aber sehr lang um wieder auf die Beine zu kommen. Den Rebound, der sich in der Situation nicht verhindern ließ, drückt Brown unbedrängt über die Linie. Sorgt Poulin also nun für mehr Sicherheit und Ordnung in der Berliner Defensive?

Der 28-jährige Kanadier wird im Schweizer Tages-Anzeiger als „klassischer «Journeyman»“ bezeichnet, „der nirgends sesshaft wird und schon gar nirgends nachhaltige Spuren hinterlässt.“ Schaut man in die sportliche Vita von Poulin sieht man einen Karriere Back Up. In Nordamerika pendelte er zwischen NHL und AHL, ehe er in der Saison 2016/17 nach Russland in die KHL wechselte. In der letzten Saison bestritt er 22 EBEL Spiele für Medvescak Zagreb (91,4% Sv%), ehe er zum EHC Kloten in die Schweizer National League wechselte. Für die Schweizer spielte er allerdings erst nach den Olympischen Winterspielen, wo er mit Kanada die Bronzemedaille gewann.

Auf den größten Erfolg seiner Karriere folgte der Abstieg mit dem EHC Kloten. In den Playout Spielen der schweizer National League verlor Kloten gegen die von Ex-Eisbären Trainer Jeff Tomlinsson gecoachten SC Rapperswil-Jona Lakers. In den fünf Playout-Spielen hatte Poulin eine Fangquote von 80,3 Prozent.

Die Empfehlung für Berlin hat Bruno Gervais ausgesprochen. Poulin und der Ex-Eisbären Verteidiger sind gut miteinander befreundet. Auch mit Sean Backman hat der neue Goalie bereits zusammen gespielt. Poulin besetzt bei den Eisbären die zehnte Ausländer-Kontingentstelle. Somit muss, sollten diese Spieler alle fit sein, zwangsläufig ein A-Lizenz-Spieler auf der Tribüne Platznehmen. Wenn Marvin Cüpper wieder fit ist, kann es aber auch Poulin treffen. Dies verriet Stephané Richer im Eisbären-Live-Podcast mit #hanniunddani. Auch das Poulin nicht automatisch die Nummer 1 wird, sagte Richer bei unseren Podcast Kollegen.

Bleibt festzuhalten, dass ein neuer Goalie das Tor der Eisbären nicht automatisch verriegelt. Defensive Breakdowns und Hilfe bei Rebounds wird auch Poulin brauchen. Auch die schwache Schussquote wird er nicht verbessern können. Wir sind aber auch nicht so naiv zu glauben, dass die aktuelle Situation mit Franzreb/Ancicka auf Dauer gut gegangen wäre. Da die Torhüterfrage nun geklärt ist, können wir also nun auf die wichtigeren Themen im Eisbären-Spiel schauen.

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