Haben die Eisbären ein Verteidiger-Problem?

In der Lokalausgabe von Deutschlands größter Tageszeitung wurde in dieser Woche ein Thema aufgemacht, welches mich beschäftigt. Es bestünde dringender Bedarf für das Management der Berliner, einen weiteren Verteidiger zu verpflichten. Es soll nicht irgendein Verteidiger kommen, nein ein Star-Verteidiger soll her. Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass die Eisbären ein großes Problem in der Defensive haben.

Haben die Eisbären wirklich ein Verteidiger-Problem?

Nein. Ein Blick auf die Tabelle verrät, die Eisbären haben in dieser Saison in 38 Spielen 95 Gegentore kassiert. Weniger haben mit München (94) und Nürnberg (86) nur die beiden Teams, die aktuell vor den Eisbären stehen. Der Ausfall von Richmond (Teilruptur des Innenbandes im Knie) trifft die Eisbären natürlich. Schließlich war er bis zu seiner Verletzung mit 15 Scorerpunkten punktbester Verteidiger der Berliner. Hinter seiner Verpflichtung im Sommer stand ein mittelgroßes Fragezeichen. In Mannheim stand er vor allem durch seine häufig riskanten und nicht immer erfolgreichen Ausflüge in die Offensive in der Kritik. In Berlin spielt Richmond kein anderes Eishockey und wurde dennoch noch nicht für seine zu riskante Spielweise kritisiert, woran liegt das?

Zum einen kommt ihm das Berliner System entgegen. In der Struktur der Eisbären hat jeder Verteidiger seinen festen Platz. Da die Stürmer im Aufbau deutlich mehr mit einbezogen werden, als das bspw. noch in der Vorsaison der Fall war, ist hier weniger Platz für Fehler. Ein weiterer Grund heißt Blake Parlett. Dieser erfülle laut o.g. Artikel nicht die Erwartungen, die in einen Spieler aus Nordamerika gesteckt werden. Nun ist die Frage, was erwartet man von einem Verteidiger, der zuletzt in seinem letzten Jahr in der kanadischen Juniorenliga (2009/10) mehr als zehn Tore geschossen und im selben Jahr zum ersten und letzten Mal in seiner bisherigen Karriere mehr als 40 Punkte gesammelt hat? Parlett galt von Beginn an eher als sichere Option in der Defensive. Keiner der hervor sticht, sondern jemand, der mit Routine und kontrolliert seinem Reihen-Partner Raum gibt, um sich zu entfalten. Dass er dabei auch punkten kann, zeigen seine bislang 16 Punkte (2 Tore, 14 Vorlagen).

Constantin Braun spielte seit der Verletzung von Richmond an der Seite von Parlett. Die beiden erhielten eigentlich in jedem Spiel das härteste Match-Up aller Eisbären Verteidiger. Gut zu sehen war das u.a. im Spiel gegen Krefeld, wo Braun und Parlett konstant gegen die Müller-Pietta-Umicevic Reihe auf das Eis mussten. Das bei Braun, der erst im Dezember nach seiner Erkrankung in den Kader rückte, hier und da noch ein Schritt fehlt, ist sicher nicht überraschend. Das wird auch ein Grund dafür gewesen sein, dass er im letzten Spiel gegen Schwenningen nur als siebter Verteidiger im Kader stand und das Trainerteam die Verteidiger etwas neu sortierte (Baxmann neben Parlett und Hördler an der Seite von Wissmann).

Was ist eigentlich mit den anderen Verteidigern in der Eisbären-Defensive? Alles schlecht?

Micki DuPont und Jonas Müller sind das konstanteste Paar der Eisbären. Beide zeigen kaum Fehler, DuPont schaltet sich immer wieder in die Offensive ein und hat Richmond mittlerweile in der Scorer-Wertung überholt (20 Punkte). Bei Müller wünscht man sich wieder häufiger den Offensivdrang, den er besonders in der letzten Saison immer wieder gezeigt hat. Aber auch wenn er bei den Punkten stagniert, gilt Müller als einer der besten deutschen Verteidiger der Liga und hat nicht ohne Grund als einer der wenigen Spieler der Eisbären realistische Chancen, das deutsche Team bei den Olympischen Spielen in Südkorea zu vertreten. Dann bleiben noch Kai Wissmann und Jens Baxmann. Beide sind keine Punktelieferanten. Wobei Baxmann bereits seine Produktion der Vorsaison übertroffen hat. Vier Tore hatte er zuletzt in der Saison 2014/15 erzielen können. Sein nächstes Tor wird das 50. seiner Karriere sein, bei über 750 DEL-Einsätzen. Ein großer Torjäger war Baxmann also nie, aber ein Verteidiger, der in der Defensive seinen Job macht – der immer dann ein gutes Spiel macht, wenn er nicht auffällt. Auch Kai Wissmann ist keiner dieser Offensiv-Verteidiger. Trotz seines jungen Alters spielt Wissmann aber bereits sehr abgeklärt. Mit 13 Vorlagen befindet er sich in der Gesellschaft von DuPont und Richmond, nur Parlett hat bislang einen Assist mehr sammeln können.

Haben die Eisbären also ein Problem in der Defensive?

Wohl eher ein Luxusproblem. Gegen die DEG und die Schwenningen bestritt Frank Hördler die ersten beiden Spiele nach einer zweimonatigen Verletzungspause. Dies führte auch dazu, dass Braun gegen die Wild Wings als siebter Verteidiger nur von der Bank aus zusehen durfte. Wenn Richmond seine Verletzung überstanden hat, kommt das Trainerteam um Uwe Krupp in die Situation, dass ein Verteidiger auf der Tribüne Platz nehmen muss. Und wenn alle Stricke reißen, hat man mit Maxi Adam einen 19-jährigen Verteidiger, der sich in dieser Saison in der DEL2 etablieren konnte.

Sicher, auf dem Papier haben München und Nürnberg die bessere Defensive, als Kollektiv haben die Eisbären-Verteidiger in dieser Saison bislang überzeugen können. Dass bei einigen Spielern im Vergleich zum Vorjahr die Produktion etwas gesunken ist, ist vor allem der Umstellung im Spielsystem geschuldet und weniger dem Mangel an Qualität.

Ein Gedanke zu „Haben die Eisbären ein Verteidiger-Problem?

  • 3. Januar 2018 um 9:13
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    First time I’ve read the site and it’s good to find somewhere that’s doing proper Eisbaren coverage (even if I had to translate it into English 🙂 ).

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