“Entweder ist man der Depp oder der König!” – Maximilian Franzreb im Interview mit dem Eis-Dynamo

Obwohl er erst nachts um zwei aus Weißwasser zurück gekommen war, und es nach dem Vormittagstraining gleich zum Flughafen ging, um nach Köln zu reisen, nahm sich Maximilian Franzreb vor dem Samstags-Training Zeit für ein Interview mit Sanne und Matthäus. Gut gelaunt, trotz Niederlage mit den Füchsen und den Eisbären, entsponn sich ein interessantes Gespräch mit dem für seine jungen Jahre extrem aufgeräumt und reif wirkenden 22jährigen Torhüter. Nach Abschluss des Interviews beschlossen wir, den jungen Mann ab sofort regelmäßig zu interviewen und ihn so auf seinem Weg zur künftigen Nummer eins zu begleiten.

Eis-Dynamo (ED): Wie sagen wir eigentlich zu dir? Max? Maxi? Franzi?

Maximilian Franzreb (MF): (lacht) Na ja, eigentlich heiß ich ja Maximilian, aber im Laufe der Zeit haben sich da viele Spitznamen angesammelt, wie Franzi, Max … aber ich mag es am liebsten, wenn man mich Maxi ruft.

ED: Na, dann machen wir das. Wie verschlägt es einen Tölzer Buam nach Hamburg?

MF: Meine Eltern haben sich getrennt, als ich sieben war. Dann hat meine Mama einen neuen Mann kennen gelernt in Hamburg und ich bin mit ihr mit gezogen. Weil mein Vater immer den ganzen Tag gearbeitet hat. Ab da war ich, bis die Freezers dicht gemacht haben, da oben.

ED: Wie viel Bayer steckt noch in dir?

MF: Wenn man da geboren ist, steckt immer was in einem. Aber, wenn man über die Hälfte seines Lebens im Norden lebt, ist man natürlich auch irgendwann zur Hälfte Hamburger.

ED: Wie macht sich der Bayer in dir bemerkbar?

MF: Das ist ne gute Frage. (lacht) Manchmal kann ich schon noch ein bisschen bayrisch reden. Aber es ist nicht mehr so wie früher. Manchmal muss ich schon überlegen, was die Leute gesagt haben.

ED: Bei den Team-Kameraden auch?

MF: Nö, der Buschi redet ganz in Ordnung. Den kann man noch verstehen.

ED: Erkennen dich die waschechten Bayern im Team, von denen ihr ja ein paar habt, sals Bayer an?

MF: Das ist ‘ne gute Frage. Hab ich sie noch nie gefragt. Aber ich denke nicht so, mehr so als Hamburger.

ED: Tölzer haben bei den Eisbären ja eine recht prominente Tradition. Lenz Funk Senior und seine beiden Söhne oder Andi Brockmann. Verbindet dich noch was mit deiner Geburtsstadt?

MF: Mein Vater und auch seine ganze Familie wohnt da. Ich war in der Novemberpause da und habe alle besucht. War ja auch super Wetter, es waren noch 20 Grad, da lässt es sich aushalten. (grinst) Aber außer Familie nicht viel, nee.

ED: Tölz ist ja eine sehr traditionsreiche Eishockey-Stadt. Für den EC Bad Tölz hast du nie gespielt?

MF: Doch. Ich hab sogar noch im alten Eisstadion angefangen. Mit drei stand ich zum ersten Mal auf dem Eis und mit fünf, sechs ging es dann so richtig los. Und mit sieben war das traditionsreiche Eishockey in Bad Tölz für mich schon wieder vorbei. (lacht)

ED: Und wann bist du Torhüter geworden? Und das freiwillig?

MF: Ja, freiwillig. Man hat ja immer Vorbilder und mein Papa war auch Torwart. Wobei ich das nicht wollte, weil er es war. Er hat immer gesagt, dass ich lieber Spieler werden soll. Aber ich wollte von Anfang an Torwart werden. Warum ist ne gute Frage. Entweder ist man der Depp oder der König. Am Anfang habe ich noch beides gemacht, damit ich Schlittschuh laufen lerne, aber mit sechs, sieben stand ich dann nur noch im Tor.

ED: Hattest du, abgesehen von deinem Vater, ein Vorbild?

MF: Nee, als ich klein war, habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. So ab elf, zwölf, wenn man auch das Internet mehr anfängt zu nutzen, da fing das erst an mit den Vorbildern.

ED: Und wer war das bei dir?

MF: Ich hab Olaf Kölzig verfolgt. Jonathan Quick. Ach ja, und Dominik Hašek. Da hat er noch gespielt, als ich klein war.

ED: Hattest du in Hamburg jemand, der dich besonders gefördert hat?

MF: Ich hatte immer guten Kontakt zu Herrn Stéphane Richer. Dann war Boris Rousson lange mein Trainer. Der war zwar Trainer vom Team, aber nebenbei auch ein guter Torwart-Trainer. Dann hatte ich eigentlich immer einen Torwart-Trainer, als ich klein war. Das war ein Tscheche, später dann noch Morgan Svensson. Ich hatte eigentlich immer super Trainer, die sich auch viel auf die Torhüter konzentriert haben.

ED: Die Sache in Hamburg ging ja sehr abrupt zu Ende. Wie hast du das damals erlebt?

MF: Eines Tages wacht man auf und dann sagen dir alle: „Du, der Laden wird zugesperrt.“ „Wow … okay …“ Dass das dann innerhalb von einer Woche ging, war schon verdammt schnell. Alle Büros waren leer, alles war leer. Aber, da es im Mai war, wo ja alle Teams mit ihrer Kaderplanung eigentlich schon abgeschlossen haben, musste man sich ganz schnell umgucken, wo man hinwechselt.

ED: Und für dich ging es dann nach Berlin.

MF: Dadurch, dass man sich kannte, hatte  Stéphane Richer den Kontakt hergestellt und dann ging es auch relativ schnell. Durch die Kooperation und die Möglichkeit, viel zu spielen, war das bisher nicht falsch.

ED: Dieser Wechsel zwischen den Ligen. Ist das kompliziert, sich darauf einzustellen?

MF: Klar, hatte ich mir das vor der Saison ein bisschen anders vorgestellt. Aber, mein Gott, man muss die Situation so nehmen, wie sie kommt und das Beste draus machen. So lange ich ein Spiel pro Woche spiele, sollte ich zufrieden sein. Und zum Glück ist es ja auch nicht so weit weg. Wenn ich jetzt immer nach Bayern fahren müsste, wär das schon schwierig. Aber Weißwasser sind zwei, zweieinhalb Stunden. Das geht schon. Das Spiel ist unterschiedlich. In der DEL bekommt man bei weitem nicht so viele Schüsse auf‘s Tor, wie in der DEL2. Da knallen dir die Dinger manchmal nur so um die Ohren. Und mir ist es auch schon passiert, dass ich in meinen Bewegungen zu schnell für die DEL2 war. Aber mittlerweile klappt das mit der Umstellung ganz gut.

ED: Du hast es selber angesprochen: Der Saisonstart ließ Anderes erwarten. Das Thema war gelaufen, als Marvin Cüpper sich verletzt hat. Die ersten DEL-Spiele sind dann auch nicht so gelaufen, wie sich das in der Vorbereitung abgezeichnet hatte. Kevin Poulin wurde verpflichtet. Ein ziemliches Hin und Her. Ganz banale Frage: Wie geht es dir damit?

MF: Sagte ich ja schon. Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt und gehofft, dass ich dieses Jahr schon das ein oder andere Spiel mehr bekommen würde. Aber, mein Gott, die Zeiten kommen wieder. Ich bin ja auch erst 22. Klar will man immer, dass es schneller geht. Aber es läuft dieses Jahr einfach auch nicht so gut. Wir haben die ersten beiden Spiele verloren. Dann kam Kevin. Keiner hätte gedacht, dass der einschlägt, wie eine Bombe. Aber so ist das nun mal. Am Anfang war es schwer für mich. Das muss ich ganz ehrlich sagen. Da steht man da und denkt sich ‚Scheiße‘. In der Vorbereitung habe ich brutal gut gehalten und dann lief es eher schleppend. Aber damit muss man lernen umzugehen.

ED: Hast du da mit jemandem drüber gesprochen? Ist mit dir von Seiten der Eisbären darüber gesprochen worden?

MF: Mir wurde schon gesagt, dass ein neuer Torwart kommt. Und dass er spielt, ist natürlich ganz klar. Dass er dann zwei Monate durchspielt, war vorher nicht klar. (grinst) Aber so ist das manchmal. Ich habe viel mit Sebastian Elwing darüber geredet. Und wenn man jemanden zum Reden hat, fällt es einem auch viel leichter. Statt zum Training zu gehen und ständig zu denken, wann man wieder spielen darf. Dadurch, dass Sebastian da ist und ich ja auch immer wieder in Weißwasser spielen kann, hat sich die Situation schon sehr gebessert.

ED: Junge deutsche Torhüter haben es bei den Eisbären ja nicht so leicht. Wir haben viele kommen und gehen sehen. In dem Zusammenhang war allerdings interessant, was du gerade in einem Interview gesagt hast. Du wurdest zitiert mit: „In fünf Jahren möchte ich die Nummer eins im Eisbärentor sein.“

MF: (lacht) Er hat mich gefragt, was ich in fünf Jahren sein will. Und natürlich muss man sich Ziele setzen. Wenn es früher klappt, umso besser. Ich arbeite dran und ich habe nie darüber nachgedacht, woanders hin zu wechseln. Jeder kann sich irgendwo hinflüchten. Wenn es sich ergibt, dass man irgendwo anders mehr spielen kann, dann ist das so. Aber in erster Linie habe ich hier einen Vertrag und möchte mich durchsetzen. Dazu muss ich natürlich die Chance bekommen. Aber im Endeffekt kann ich nicht mehr tun, als hart zu arbeiten und gut zu trainieren. Wenn es gesehen wird, wird es gesehen. Wenn nicht, dann nicht. Aber irgendwann sollte die Chance mal wieder kommen.

ED: Du hast Sebastian Elwing schon angesprochen. Der hat selber die Erfahrung gemacht, wie schwer es für junge deutsche Torhüter sein kann, sich bei den Eisbären durchzusetzen. Welche Rolle spielt er für dich?

MF: Über die Jahre sind wir Freunde geworden. Ich mochte ihn von Anfang an und die Arbeit mit ihm macht immer Spaß. Selbst, wenn es mal ein scheiß Tag ist. Keine Ahnung, man hat vielleicht schlecht geschlafen oder denkt zu viel nach und es scheppert ständig im Netz. Solche Tage gibt es ja auch. Er hilft einem einfach immer. Und wenn man so jung ist und einen Torwarttrainer hat, geht die Entwicklung ja auch viel schneller. Wenn keiner da ist, trainiert man zwar, weiß aber natürlich nicht, welche Dinge man eigentlich machen muss. Keiner schneidet für dich das Video, das muss man selber machen. Und er sieht natürlich auch Dinge, die man selber nicht sieht. Ich denke, war doch eigentlich gut, aber es gibt immer Kleinigkeiten, die man verbessern kann. Und die zeigt er mir tagtäglich.

ED: Dein langfristiges Ziel kennen wir ja jetzt. Aber auf welches persönliche Ziel fokussierst du dich diese Saison?

MF: So viel wie möglich in der DEL zu spielen. Überhaupt so viel wie möglich zu spielen. Und hoffentlich am Ende gut da zu stehen. Als Team, aber als Torwart ist man ja auch Einzelspieler. Als Team den maximalen Erfolg, egal ob ich jetzt auf der Bank sitze oder nicht. Dass es wieder bergauf geht.

ED: Nochmal kurz zurück zum Anfang der Saison. Die Fans haben dir viel zugetraut, aber es war auch klar, dass man Dir nicht die komplette Verantwortung überstülpen konnte. Als dann die Verpflichtung von Poulin bekannt gegeben wurde, dachten wir: Super, die holen keinen Über-Goalie, sondern einen auf Augenhöhe. Du sagtest es ja schon, konnte keiner mit rechnen.

MF: Für ihn freut es mich. Er hatte vorher auch nicht die besten Jahre.

ED: Aber wie war für dich diese Drucksituation vorher? Ist es vielleicht wirklich zu früh, in so jungen Jahren schon so viel Verantwortung übernehmen zu müssen? Hemmt das?

MF: Ich hab ja, obwohl ich erst 22 bin, viel Druck gehabt. Ich hab in der Oberliga Abstiegsrunde gespielt. Da hat es mir nie so viel ausgemacht. Und ich dachte eigentlich auch, dass mir die Situation am Anfang der Saison nicht viel ausmacht. Aber, wenn ich das rückblickend betrachte. Dinger, die ich in der Vorbereitung mit Leichtigkeit rausgeholt habe, da fehlte plötzlich der letzte Zentimeter. Oder du hast so ein Pech, wie das Tor in Nürnberg, wo der Puck gegen die Hose springt. Du guckst eigentlich ganz wo anders hin und siehst in dem Moment einfach nur bescheuert aus. Da habe ich das dann schon irgendwann gemerkt und es hat mich auch runter gedrückt. Weil ich weiß, dass ich es eigentlich kann. Aber, wenn man bei den Eisbären spielt, ist das halt schon was Anderes. Die wollen jedes Jahr Meister werden, nicht umsonst sind sie Rekordmeister. Und damit muss man lernen, so schnell wie möglich umzugehen.

ED: Was hast du für ein Verhältnis zu Kevin Poulin?

MF: Ganz ehrlich! Am Anfang war es schon schwierig. Natürlich ist man innerlich angefressen. Aber mittlerweile läuft das ganz gut. Wir verstehen uns gut, wir reden viel. Er kann ja im Endeffekt auch nichts dafür. Hilft ja nix, wenn ich schmolle. Es ist nun mal so im Sport. Das geht immer alles so schnell. Damit muss man sich abfinden. Kevin ist ein netter Typ und mittlerweile mag ich ihn auch sehr gern.

ED: Habt ihr schon drüber gesprochen, wie es läuft, wenn Marvin zurück kommt?

MF: Nee. Aber für ihn wird es ein schwieriges Jahr. Leider.

ED: Du bist als zweiter… Tschuldigung.

MF: (lacht) Alles gut! Den Weg zurück findet man schon irgendwie wieder. Alles gut.

ED: Von der Bank aus kannst du das Spiel der Eisbären ja gut verfolgen. Wie erklärst du dir die momentane Situation? Was läuft‘n da?

MF: (lacht los) Ja, was läuft denn da? Nicht viel, würde ich sagen. Es gibt teilweise Drittel, wo wir echt gut spielen. Wir spielen nie so richtig schlecht, dass wir mal richtig auf den Deckel bekommen würden. Aber es fehlt der Zug zu dem Punkt, wo es weh tut. Aber da muss man hingehen, denn da verdient man sein Geld. Das ist einfach so. Und wenn du die Dinger da nicht machst, verlierst du halt, auch, wenn du vielleicht die optische Überlegenheit hast. Vielleicht ist es am Anfang zu gut gelaufen. Und wie sagt man immer so schön: Wenn‘s nicht läuft, läuft‘s nicht. Wie versuchen natürlich jeden Tag, daran zu arbeiten. Aber, wenn es erst einmal in den Köpfen drin ist, ist es schwierig, es wieder da raus zu kriegen.

ED: Wie verbringst du Weihnachten?

MF: Hier, denke ich. Es sei denn, es kommt was dazwischen und ich spiele in Weißwasser. (lacht)

ED: Hast du einen Hund?

MF: Zwei.

ED: Was für welche?

MF: Labradore. Ein Mädchen und einen Jungen.

ED: Welche Farbe?

MF: Das Mädchen ist blau-silber, der Junge schneeweiß.

ED: Danke Dir.

Dieses Interview erschien zuerst in der Ausgabe 169 des Eis-Dynamo.

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