Eisbären Game Recap 16 – Am zwischenzeitlichen Tiefpunkt

Die Eisbären Berlin haben den Start in das Jahr 2019 gehörig versemmelt. Nur drei Punkte aus drei Spielen gegen Iserlohn, Straubing und Krefeld konnten die Berliner sammeln. Acht Spiele nach dem Rausschmiss von Clément Jodoin ist nichts von einem Neuaufbruch oder Euphorie zu spüren. Die Niederlage am Sonntag vor 1400 mitgereisten Eisbären-Fans in Krefeld, war der Tiefpunkt der bisherigen Saison.

  • Gegen geschwächte Iserlohn Roosters gab es am 02. Januar einen 4:3 Sieg nach Penaltyschießen. Wahrscheinlich aus Fairness spielte Stephane Richer ab Beginn des zweiten Drittels nur noch mit drei Reihen. Zudem wurden die Reihen umgestellt. Richer trennte die Duos Backman/Sheppard und Smith/Ranford. Ranford fand sich in seiner neuen Reihe neben MacQueen und Sheppard schnell zurecht. Auch Backman sieht in der Formation mit Aubry und Noebels auf den ersten Blick nicht verkehrt aus.
  • An den Umstellungen lag es allerdings nicht, dass die Eisbären immer wieder völlig ohne Ordnung in der Defensive agierten. Beim Umschalten zu lange brauchten und so den Roosters immer wieder die Möglichkeit auf Konter gaben.
    Und offensiv fanden sie keinen Weg in die gefährliche Zone. Richer spricht gern davon, dass die Eisbären viel aufs Tor schießen, aber diese Schüsse sind selten gefährlich. Gegen die Roosters kamen fast 60 Prozent der Berliner Schüsse von der blauen Linie. Das ist kein Zeichen für Gefahr, eher für uninspiriertes Eishockey.
  • Das Spiel gegen die Straubing Tigers war anstrengende Kost. Über 40 Minuten lang war wenig zu sehen von den Eisbären. Im zweiten Drittel hatten sie kaum Schüsse und die zwei besten Chancen hatte Louis-Marc Aubry bei eigener Unterzahl. Erst im dritten Abschnitt, als die Berliner etwas physischer und läuferisch auftraten, kamen sie besser ins Spiel. Nützte alles nichts, im Penaltyschießen setzten sich die Tigers mit 0:1 durch. Mehr muss zu dem Spiel auch nicht gesagt werden.
  • Am Sonntag reisten knapp 1.400 Fans der Eisbären nach Krefeld. Bei Sonderzügen sagt man ja so schön “Der Weg ist das Ziel”. Über 60 Minuten war Krefeld das bessere Team. Die Eisbären waren nur durch Einzelaktionen gefährlich. Der 6:2 Sieg der Pinguine ging vollkommen in Ordnung. Die Unordnung in der Berliner Hintermannschaft war erschreckend. Ein Pass reichte beim 1:0 der Krefelder aus, um die Defensive zu überspielen. Beim 3:0 liest Ranford die Situation falsch und lässt am zweiten Pfosten seinen Gegenspieler ungedeckt.
  • André Rankel spielte am 02. Januar gegen die Iserlohn Roosters sein 800. DEL Spiel. Bei allen sieben Meistertiteln stand Rankel im Kader. Im Verlauf seiner Karriere sammelte er im Schnitt 0,6 Punkte pro Spiel. Zu gern erinnern wir uns an die Playoffs 2011, als die RUM-Reihe (Rankel-Ustorf-Mulock) maßgeblich am fünften Titelgewinn beteiligt war.
  • Noch 798 Spiele fehlen Eric Mik, um an Rankels Meilenstein heranzukommen. Mik, der Kapitän der DNL Mannschaft, gab gegen Iserlohn sein DEL-Debüt. Neben der obligatorischen Runde allein auf dem Eis im Warm-Up, kam er im Spiel zu zwei Wechseln. Insgesamt 105 Sekunden stand er auf dem Eis, spielte einen guten Zone-Exit Pass auf Smith und fiel sonst nicht weiter auf. Gegen Straubing spielte er nur einen Wechsel. Mehr zu Mik lest ihr in Wallys Prospect Report.
  • Colin Smith wurde gegen die Roosters erst in die vierten Reihe verschoben und zur Hälfte des zweiten Drittels gebenched und kam nicht mehr zum Einsatz. Richer zeigte sich auf der anschließenden Pressekonferenz wenig zufrieden mit der Leistung des Stürmers. Am Freitag nach dem Spiel gegen Straubing (Smith spielte in der vierten Reihe durch), sagte er auf #Hauptstadteishockey Nachfrage, dass ihm dieses Spiel von Smith besser gefiel, als viele Spiele in den letzten Wochen.
  • In der Verteidigung fehlen den Eisbären aktuell Cundari, Kettemer und Wissmann. Letzterer ist zumindest schon mal seinen Gips los. Richer setzt auf die Paare Richmond/Dupond, Hördler/Adam und Müller/Baxmann und sie funktionieren nicht. Hördlers offensive Ausflüge sorgen immer wieder dafür, dass Adam in der Defensive allein auf eine Überzahl des Gegners reagieren muss und teilweise damit überfordert wirkt. Müller ist an der Seite von Baxmann mehr in die Offensive eingebunden, muss aber in der Verteidigung deutlich mehr läuferische Arbeit übernehmen, da Baxmann sich zu oft zu weit fallen lässt und Räume öffnet. Interessant dabei, dass jeder der hier beschriebenen Fehler im Spiel gegen Krefeld sichtbar war. Allein das Ansehen der Highlights genügt, um sie sich vor Augen zu führen.
  • Der Effekt, den der Trainerwechsel auslösen sollte, ist verpufft. Die Eisbären Berlin sind am zwischenzeitlichen Tiefpunkt angekommen. In wichtigen Kategorien (Puckbesitz, Schüsse, Special Teams) sind die Eisbären schwächer als unter Clément Jodoin. Durchhalteparolen wirken wie gute Miene zu bösem Spiel. Vielleicht sind die Spieler zufrieden damit, dass ihnen kein Coach mit einem taktischen Plan, der mittelfristig zu Erfolg hätte führen können, im Nacken sitzt. Vielleicht ist die Geschäftsführung zufrieden damit, dass sie ein Zeichen gesetzt haben, um wenige dafür laute Stimmen aus Fanszene und Medien, zu befriedigen. Vielleicht beginnt aber durch diese Saison und durch Fehlentscheidungen auch ein Prozess, der mal wieder Langfristigkeit als Ziel hat. Derzeit sieht es auf und neben dem Eis doch zu oft sehr planlos aus.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.