Die Kontinental Hockey League (KHL) in Zürich

Es dürfte ja mittlerweile kein Geheimnis mehr sein, dass die KHL davon träumt auch in Mittel-/Westeuropa stattzufinden. Das natürlich am liebsten mit Teams, die in der KHL mitspielen und mit denen man womöglich noch eine neue Division in diesem Bereich eröffnen kann. In diesem Zusammenhang wurden auch immer wieder deutsche Teams als potenzielle KHL-Mitglieder gehandelt, darunter natürlich auch die Eisbären. Grund genug für uns sich also mal anzuschauen wovon da eigentlich geträumt wird.

Bislang ergab sich die KHL-Westerweiterung also noch nicht, aber um nicht  ganz auf das eigene Stattfinden in Westeuropa zu verzichten, wurden die „KHL World Games“ erfunden. Sie gaben mir die Möglichkeit einen ersten Blick in die KHL zu werfen und meine gewonnen Eindrücke möchte ich gerne im folgenden mit euch teilen.

Ende Oktober fanden die ersten beiden „World Games“ in Wien statt, wobei das KHL-Team Slovan Bratislava als Heim-Mannschaft auftrat, die Besuch von SKA St. Petersburg sowie CSKA Moskau bekam. Ähnlich war es dann Ende November in Zürich, wo Dinamo Riga das Hallenstadion als Heimspielstätte gegen die gleichen zwei Schwergewichte der KHL nutzte.

Ich leistete mir beide Spiele in der mittleren Preiskategorie (Sitzplätze im Oberrang für 50 bzw 60 Franken, zusammen ca. 100 Euro) und freute mich auf kontinentales Spitzeneishockey.

Das Spitzeneishockey-Erlebnis startete wie gewohnt an der Einlasskontrolle vor dem Stadion. Aber bevor wir dieses betreten durften, wurde ich mit meiner Begleitung zu den Kassen geschickt um uns „ein Update“ abzuholen. Ich erwartete schon nix gutes und sollte nicht enttäuscht werden: statt im Oberrang gegenüber der Spielerbank zu sitzen, erhielten wir nun Plätze im Unterrang hinter der Spielerbank. Dass das Hallenstadion an beiden Abenden nur mit etwa 4500 Zuschauern besetzt war und deswegen der Oberrang zu blieb: geschenkt, aber von der vollzogenen Umsetzung war ich schon mal nicht sonderlich begeistert. Dazu frage ich mich warum es 2018 immer noch nicht möglich ist, mich als Online-Ticketkäufer schon vorab zu informieren und mir die neuen Tickets einfach zu mailen.

Auch am zweiten Abend wurden wir umgesetzt, diesmal blieben wir auf der richtigen Seite, rückten aber dem Tor sehr nahe, sodass wir uns dann einfach selbst neu platzierten, was Aufgrund der geringen Stadionauslastung kein Problem war.

Nun aber zum sportlichen:

Die Ansetzung am Montag lautete Dinamo Riga gegen SKA St. Petersburg. Meine relativ hohen Erwartungen an diese Partie wurden nicht erfüllt. Es war insgesamt ein für mich eher durchschnittliches Spiel, in dem natürlich hier und da die Klasse eines Pawel Datsyuk aufblitzte. Beim zweiten Auftritt von Dinamo gegen CSKA Moskau war das Spiel zwar besser, aber dafür keine Spannung vorhanden, zu groß war der Qualitätsunterschied zwischen den beiden Teams. Was mich wiederum direkt zu einem meiner größten Fragezeichen hinter dieser Veranstaltung bringt: warum lässt man nicht die besten Teams gegeneinander antreten? Nichts gegen Dinamo Riga, ich liebe ihre Ausrüstung und finde auch Lettland sehr sympathisch, aber wenn ich für den Sport und für die Liga werben will, dann setze ich doch eine Partie an, die ein höchstes Maß an Spannung und Skill verspricht.

Dementsprechend schlecht war dann natürlich auch die Stimmung im Hallenstadion. Die eigens mitgereisten Cheerleaderinnen und Eiskunstläuferinnen aus Riga konnten das Publikum auch nicht von ihren Sitzen reißen. Zumal ich junge Frauen in knappen Kleidchen überhaupt nicht brauche im Eishockeystadion und ein derartiges Drumherum eher grenzwertig finde.

So war also auch der Showcharakter der gesamten Veranstaltung mehr gut gemeint als gut gemacht. Im Eingangsbereich stand der Gagarin-Cup für Fotos bereit, der russische Botschafter ließ mich mit seinen Worten eher peinlich berührt zurück und am ersten Tag versagte die Technik beim Vortrag der russischen Hymne (die ansonsten aber sehr gut vorgesungen wurde).

Nach diesen beiden Spielen frage ich mich immer noch ob mir das jetzt Lust gemacht hat auf KHL-Teams in Mittel-/Westeuropa und aktuell tendiere ich eher zu einem Nein. Vielleicht bin ich auch einfach zu sehr Freund der bei den Fans gleich schlecht angenommenen Champions Hockey League (CHL). Die für mich irgendwie noch mehr Potential verspricht als Liga-Spiele gegen Wladiwostok oder Peking. Froh um die Chance in meiner Stadt mal einen Einblick in die KHL zu bekommen bin ich aber trotzdem und sollte ich mal zu Spielzeiten in Helsinki, Riga oder sonst wo sein, würde ich auch wieder ein oder zwei Spiele besuchen. Um zu schauen, wie „die echte“ KHL denn aussieht.

PS: Als Amateur-Gastrokritiker war ich natürlich von dem Speiseangebot enttäuscht.

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