Die Eisbären nach dem ersten Saisonviertel 2018/2019 – Irgendwie noch auf der Suche

Das erste Viertel der DEL Saison 2018/19 liegt hinter uns. Die Eisbären Berlin stehen nach 13 Spieltag mit 18 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz. 34 erzielten Treffern stehen ebenso viele Gegentore gegenüber. In der Vorsaison standen sie zum selben Zeitpunkt mit 27 Punkten auf dem dritten Tabellenrang. Einige Aspekte des Spiels funktionieren bislang recht gut, wie das Powerplay zum Beispiel, an anderen Ecken hakt es aber noch. Wie in der vergangenen Saison wollen wir auf einige wichtige Faktoren schauen, die uns bislang aufgefallen sind.

Kevin Poulin

Was sollen wir noch groß sagen? Sehr wahrscheinlich waren wir die größten Kritiker der Verpflichtung des 28-jährigen Kanadiers. Nach zwei Niederlagen zum Saisonbeginn gegen München und Nürnberg, hätten wir uns noch etwas mehr Geduld mit Maximilian Franzreb gewünscht. Der lange Ausfall von Marvin Cüpper, der noch immer auf Krücken unterwegs ist, machten die Nachverpflichtung nötig. Poulin konnte sich mit direkt mit zwei starken Leistungen und Siegen in der DEL etablieren. Das Spiel gegen die Adler Mannheim am neunten Spieltag (4:1) hat Poulin für die Eisbären gestohlen. Am vergangenen Wochenende in Köln hielt er die Eisbären lange im Spiel, konnte die Niederlage letztlich aber nicht verhindern. Poulin hat den sich den Posten als Nummer eins im Berliner Tor durch seine starken Leistung erarbeitet. Sicher gehört auch Glück dazu und eine Fangquote von knapp 96 Prozent ist über die gesamte Saison eher unrealistisch, aber selbst wenn sie im weiteren Verlauf nach unten geht, in der aktuellen Verfassung, ist Poulin der sichere Rückhalt den die Eisbären brauchen.

Das Spiel fünf gegen fünf

Das größte Sorgenkind ist bislang das Spiel bei fünf gegen fünf. Bis auf wenige Ausnahmen, haben die Eisbären in ihren Spielen bislang mehr Puckbesitz als ihr Gegner. Waren sie im vergangenen Jahr noch ein Team, welches schnell in die Zone kam, um dann schnell den Abschluss zu suchen, sind sie dieses Jahr geduldiger und setzen sich häufiger in der gegnerischen Zone fest. Aus der Geduld wird dann aber eher das Suchen nach dem perfekten Pass oder Schuss. Die vielen Verletzungen und Ausfälle, die eine Rotation in den Reihen nötig machen, sind dann auch nicht wirklich förderlich.

Special Teams

Das Powerplay der Eisbären ist nach 13 Spielen mit 21,5 Prozent das beste Überzahlspiel der gesamten DEL. 14 Tore konnten sie im Powerplay bislang erzielen. Gemeinsam mit Bremerhaven hatten sie bislang auch die meisten Überzahlsituationen (65). Jamie MacQueen hat acht seiner elf Scorerpunkte in Überzahl sammeln können (4 Tore, 4 Assists). Sean Backman und James Sheppard haben bislang nur im Powerplay getroffen (beide 3 Tore). Bei Sheppard kommen noch fünf Vorlagen hinzu, womit auch er acht von elf Punkten in Überzahl gesammelt hat. Die erste Formation ist also recht erfolgreich in Überzahl. Aber die Eisbären verlassen sich auch zu sehr darauf. Etwa zehn Minuten mehr Eiszeit haben die drei bislang in Überzahl auf dem Eis gestanden, als die zweite Formation die von Branden Ranford und Colin Smith angeführt wird. Der Blick auf die Eiszeiten verrät auch, dass Louis-Marc Aubry so gut wie nie in Überzahl zum Einsatz kommt. Bislang sind es gerade einmal 4 Minuten und 52 Sekunden. Zum Vergleich Micki DuPont stand in der Saison bislang über 55 Minuten in Überzahl auf dem Eis.

Aubry ist dafür allerdings der Führende in der Kategorie „Eiszeit in Unterzahl“. Clément Jodoin hat den Center zu seinem Unterzahl-Spezialisten erklärt. 50 Minuten und damit sechs Minuten mehr als Danny Richmond auf Platz zwei, stand Aubry bislang in Unterzahl auf dem Eis. Insgesamt befindet sich das Penalty Kill der Eisbären nach 13 Spielen auf dem siebten Platz genau im Mittelfeld. 73 Mal mussten sie bislang in Unterzahl spielen, also zwischen fünf und sechs Mal pro Spiel. Nur Iserlohn musste bislang häufiger in Unterzahl spielen (80).

Florian Kettemer

Der Verteidiger ist grandios in die Saison gestartet und hat direkt mal fünf Punkte in den ersten vier Spielen gesammelt. Danach hat die Produktion von Kettemer etwas nachgelassen. Mit sieben Punkten hat er seine Ausbeute aus dem letzten Jahr (10) allerdings bereits fast erreicht. Bislang hat Kettemer also die Erwartungen übertroffen. Hinter DuPont und Richmond hat er die meiste Eiszeit der Berliner und spielt eine wichtige Rolle im Penalty Killing. Mit seinen beiden Siegtreffern im Penaltyschießen gegen Schwenningen und Wolfsburg, hat er den Eisbären zudem zwei wichtige Punkte sichern können. Kettemer hat nur noch bis Ende November Vertrag, wir sind uns sicher, dass wir ihn noch mindestens bis zum Saisonende bei den Eisbären sehen werden.

Die Juniors

Die dünne Personaldecke zwang die Eisbären dazu, Maximilian Adam, Charlie Jahnke und Vincent Hessler in der DEL einzusetzen. Mit sehr guten Leistungen in der DEL2 haben sie sich zuvor empfohlen und sich in ihren ersten Einsätzen dieser Saison in der DEL auch das Vertrauen von Jodoin erspielt. Gerade Jahnke scheint von davon sehr zu profitieren. Jodoin zwingt sie in der Offensive nicht, die Scheibe tief zu spielen und ihr hinterher zu jagen, er ermutigt sie viel mehr auch mal etwas zu probieren. Jahnke konnte gegen Wolfsburg seinen ersten DEL-Treffer erzielen. Adam kam an der Seite von DuPont zum Einsatz und blieb größtenteils ohne Fehler. Hessler rückte für ein Spiel an die Seite von Backman und Sheppard, spielte sonst aber neben Jahnke. Wenn die Verletzten nach und nach wieder kommen, werden die Drei wieder zurück in die DEL2 gehen. Bislang konnten sie aber einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Für die Eisbären gibt es noch einiges zu tun. Vor allem das Spiel bei fünf gegen fünf, welches in der vergangenen Saison ihre große Stärke war, muss sich im Saisonverlauf verbessern. Sich zu sehr auf die Special Teams und überragende Goalies zu verlassen, kann ihnen spätestens in den Playoffs heftig auf die Füße fallen. Brendan Ranford und Colin Smith scheinen so langsam in der Liga angekommen zu sein. Die sammelten einen Großteil ihrer Punkte bei fünf gegen fünf. Auch bei Backman und Sheppard wird der Knoten irgendwann platzen und sie werden nicht nur in Überzahl das Tor treffen. Adam, Jahnke und Hessler haben gezeigt, dass es sich lohnen kann, auf die jungen Talente zu vertrauen und das sie bereit sind, wenn sie gefordert werden. Wenn die vielen Verletzen zurück sind und sich der Kader normalisiert, wird sich auch die Mannschaft und ihre Reihen finden.

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